Ernst Gelegs geht in Pension: Was vom ORF-Stimmen-Erklärer bleibt
Wenn man in Österreich an Osteuropa und ORF denkt, fällt ein Name fast automatisch: Ernst Gelegs. Nach 44 Jahren beim ORF und 26 Jahren als Osteuropa-Korrespondent mit Sitz in Budapest verabschiedet sich der bekannte Journalist nun in die Pension. Doch wer ist dieser Mann, der uns seit Jahrzehnten Viktor Orbán, Wahlen in Ungarn oder politische Erdbeben in Prag und Bratislava erklärt hat?
Wer ist Ernst Gelegs?
Ernst Gelegs ist einer der bekanntesten Auslandskorrespondenten des ORF. Seit dem Jahr 2000 hat er das ORF-Büro in Budapest aufgebaut und geprägt. Von dort aus berichtet er nicht nur über Ungarn, sondern auch über Länder wie die Slowakei, Tschechien, Polen oder Rumänien. Laut ORF-Generaldirektor Roland Weißmann gilt Gelegs als einer der beliebtesten ORF-Korrespondenten, der dem österreichischen Publikum „unsere Nachbarn im Osten“ erklärt hat.
Schon davor war Gelegs als Korrespondent im Einsatz – unter anderem in London und in Krisengebieten wie dem Irak oder Syrien. Und bereits Ende der 1980er Jahre berichtete er als junger Journalist von den historischen Umbrüchen rund um den Fall des Eisernen Vorhangs. Damals fuhr er – wie er selbst erzählt – „hungrig nach Informationen“ einfach los, um die Proteste in Bratislava oder die Öffnung der Grenze zur damaligen Tschechoslowakei zu dokumentieren.
Warum reden jetzt alle über Ernst Gelegs?
Aktuell ist der Name wieder verstärkt in den Schlagzeilen, weil ab 1. Dezember 2025 ein Generationswechsel ansteht: Paul Krisai, bisher ORF-Korrespondent in Moskau, übernimmt die Leitung des ORF-Osteuropabüros in Budapest und folgt damit auf Ernst Gelegs. Dieser geht nach beeindruckenden 44 Dienstjahren beim ORF in Pension.
Damit endet eine Ära. Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ist Gelegs die vertraute Stimme aus Budapest – ob bei Wahlen in Ungarn, Diskussionen über Rechtsstaatlichkeit in der EU oder Analysen zur Rolle Russlands in Osteuropa. Wer in der „ZiB“ oder auf orf.at genauer wissen wollte, was in Budapest, Prag oder Bratislava passiert, kam an ihm kaum vorbei.
Vom Niederösterreich-Reporter zum Osteuropa-Experten
Die Karriere von Ernst Gelegs liest sich wie ein Stück Zeitgeschichte. In den 1980er Jahren arbeitete er beim Landesstudio Niederösterreich. Als 1989 der Eiserne Vorhang fiel, war er mittendrin. Er berichtete von der Grenze beim Zollamt Berg, vom „Marsch der Freiheit“ nach Hainburg und von den Demonstrationen in Bratislava.
In einem Interview erzählt er offen, dass er damals oft ohne Pass über die Grenze fuhr, mit einem mulmigen Gefühl, aber getrieben von einem starken Wunsch nach Information. Genau dieser „Hunger nach Informationen“ zieht sich durch seine gesamte Laufbahn.
- Ende der 1980er: Berichte über den Fall des Eisernen Vorhangs.
- 1990er Jahre: Auslandseinsätze, u. a. London und Krisengebiete.
- Ab 2000: Aufbau des ORF-Büros in Budapest.
- Seitdem: Zuständig für Berichte aus Ungarn und mehreren osteuropäischen Ländern.
Wer die Europa-Geschichte der letzten Jahrzehnte verstehen will, landet immer wieder bei Bildern und Analysen, die auch durch seine Arbeit geprägt wurden.
Wie berichtet Ernst Gelegs über Ungarn und Viktor Orbán?
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Berichterstattung über Ungarn und Ministerpräsident Viktor Orbán. Gerade hier ist Gelegs immer wieder angeeckt – vor allem, weil die ungarische Regierung sehr genau beobachtet, wie ausländische Medien über das Land berichten.
In Interviews hat Gelegs erzählt, dass die Regierung versucht habe, ihn „mundtot“ zu machen: weniger Zugang zu Informationen, weniger Einladungen, weniger Gespräche. Trotzdem blieb seine Berichterstattung kritisch. Er zeigte, wie die Medienlandschaft in Ungarn umgebaut wurde, wie Pressefreiheit eingeschränkt und wie Wahlkämpfe geführt wurden.
Ein Beispiel: Bei der ungarischen Parlamentswahl erklärte Gelegs in der „ZiB“, wie Orbán den Ukraine-Krieg politisch für sich nutzte. Laut seiner Analyse stellte Orbán die Opposition als „Kriegsbefürworter“ dar, während er selbst sich als Garant für Frieden und Sicherheit präsentierte. In unsicheren Zeiten zog dieses Bild – und viele Ungarn wählten erneut Orbán.
Warum ist das für Österreich wichtig?
Vielleicht fragen Sie sich: Was hat das mit uns in Österreich zu tun? Sehr viel. Ungarn ist nicht nur Nachbar, sondern auch EU-Partner. Entscheidungen in Budapest haben Auswirkungen auf Wien, Brüssel und auf die gesamte EU-Politik – von Sanktionen gegen Russland bis zur Migrationsfrage.
Korrespondenten wie Ernst Gelegs helfen dabei, diese Zusammenhänge zu verstehen. Er übersetzt sozusagen: Was bedeutet ein Wahlsieg von Orbán? Warum streitet sich Ungarn mit Brüssel? Wieso blockiert Budapest plötzlich EU-Entscheidungen? Solche Fragen hat Gelegs immer wieder in einfachen Worten erklärt – ohne Schönfärberei, aber auch ohne Panikmache.
Ein Korrespondent an den Bruchlinien Europas
Osteuropa ist in den letzten Jahren in vielen Bereichen zur Frontlinie geworden: Krieg in der Ukraine, Streit um Rechtsstaatlichkeit, Konflikte um Medienfreiheit und Korruption. Genau an dieser Bruchlinie war Ernst Gelegs mit seinem Team im Einsatz.
Ein paar Themen, bei denen sein Name immer wieder auftaucht:
- Ungarn-Wahlen und die Rolle staatlich beeinflusster Medien.
- Politische Entwicklungen in der Slowakei und Tschechien, etwa rund um Andrej Babiš.
- Die Haltung osteuropäischer Staaten zum Ukraine-Krieg und zu Russland.
- Demokratie-Fragen in EU-Ländern, die sich von Brüssel entfernen.
Gerade bei komplexen Themen ist seine Stärke, komplizierte Vorgänge leicht verständlich zu erklären. Oft mit klaren Bildern und Beispielen aus dem Alltag der Menschen vor Ort.
Persönlicher Stil: Direkt, ruhig, ohne Show
Viele Zuschauerinnen und Zuschauer schätzen an Ernst Gelegs seinen Ton: ruhig, sachlich, aber nie langweilig. Kein lautes Auftreten, keine große Show – dafür klare Sätze, die trotzdem hängen bleiben.
Ein bisschen so, wie wenn ein gut informierter Freund am Küchentisch erklärt, was in Budapest oder Prag gerade los ist. Man merkt, dass er das Gebiet seit Jahrzehnten kennt – nicht nur politisch, sondern auch kulturell. Ungarn, Tschechien oder die Slowakei sind für ihn keine abstrakten Landkarten, sondern Orte mit Gesichtern, Geschichten und Widersprüchen.
Vielleicht kennen Sie das selbst: Man schaltet die „ZiB“ ein, hört seine Stimme und denkt sich: „Okay, jetzt kriege ich das in fünf Minuten so erklärt, dass ich mitreden kann.“ Genau dieses Vertrauen war und ist ein wichtiger Teil seiner Wirkung.
Wie geht es nach Ernst Gelegs beim ORF weiter?
Mit dem Pensionsantritt von Ernst Gelegs stellt sich natürlich die Frage: Wer erzählt uns künftig, was in Osteuropa passiert? Die Antwort: Paul Krisai übernimmt mit 1. Dezember 2025 das ORF-Büro in Budapest. Krisai hat sich zuletzt als Korrespondent in Moskau einen Namen gemacht und dort in einer extrem schwierigen Zeit berichtet.
Aus Sicht des ORF ist das ein klares Signal: Die Bedeutung Osteuropas nimmt weiter zu. Vom neuen „Osteuropabüro Budapest“ aus werden künftig mehrere Länder betreut – von Ungarn bis Rumänien. Die Aufgabe bleibt also groß, die Herausforderungen ebenso.
Für das Publikum bedeutet das: Eine vertraute Stimme geht, eine neue kommt. Der Stil wird anders sein, die Themen bleiben ähnlich: Ukraine-Krieg, Russland, EU-Streit, Wahlen, Demokratiethemen. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick zurück auf das, was Gelegs in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat.
Was bleibt von Ernst Gelegs?
Wenn man die Karriere von Ernst Gelegs zusammenfasst, bleiben vor allem drei Punkte hängen:
- Konsequente Auslandberichterstattung: Er hat über Osteuropa berichtet, als es vielen noch „fern“ vorkam – und gezeigt, wie nah es in Wahrheit ist.
- Kritischer Blick auf Macht: Ob Orbán-Regierung oder andere Regime – Gelegs hat sich nicht einschüchtern lassen, auch wenn es Gegenwind gab.
- Verständliche Erklärungen: Komplexe Entwicklungen, einfach erklärt. Genau das braucht es in Zeiten von Desinformation und Fake News.
In Interviews sagt er selbst, die 26 Jahre als Osteuropakorrespondent seien „wie im Flug vergangen“. Er betont, es sei ein „großes Privileg“ gewesen, so lange im Dienst des ORF-Publikums zu stehen. Man spürt: Hier spricht jemand, der seinen Job nicht nur als Arbeit, sondern als Aufgabe verstanden hat.
Warum der Name Ernst Gelegs im Netz boomt
Gibt man aktuell „Ernst Gelegs ORF“ in eine Suchmaschine ein, stößt man auf vieles: alte Interviews über den Fall des Eisernen Vorhangs, Analysen zu Wahlen in Ungarn, Kommentare zu Tschechien oder der Slowakei – und jetzt auch Meldungen über seinen Abschied aus dem ORF.
Kein Wunder also, dass das Interesse gerade hoch ist. Viele wollen wissen: Wer war dieser Mann im Hintergrund, der so oft im Vordergrund stand, wenn Osteuropa wieder einmal in die Schlagzeilen geriet?
Gerade in Österreich, wo der ORF nach wie vor die wichtigste Informationsquelle für internationale Politik ist, spielen Persönlichkeiten wie Gelegs eine zentrale Rolle. Sie sind so etwas wie Übersetzer zwischen Wien und der Welt.
Fazit: Abschied von einer ORF-Legende – und ein Blick nach vorn
Mit dem Pensionsantritt von Ernst Gelegs endet eine Ära in der ORF-Auslandsberichterstattung. Er hat uns den Osten Europas nähergebracht, lange bevor viele überhaupt verstanden haben, wie sehr sich dort die Zukunft Europas entscheidet.
Sein Weggang ist ein guter Anlass, einmal bewusst hinzuschauen: Wie informieren wir uns über Osteuropa? Welche Stimmen lassen wir an uns heran? Und wie wichtig sind Korrespondenten, die vor Ort sind, statt nur Agenturmeldungen zu lesen?
Eine Ära geht, eine neue beginnt. Der Name Ernst Gelegs wird aber wohl noch lange mit dem Bild des ORF-Osteuropabüros in Budapest verbunden bleiben. Und vielleicht denken Sie beim nächsten Beitrag aus Ungarn oder Tschechien kurz daran, wer diesen Blick nach Osten über Jahrzehnte mitgeprägt hat.
Fest steht: In einer Zeit voller Krisen, Kriege und politischer Gräben braucht es Stimmen, denen man vertraut. Für viele in Österreich war Ernst Gelegs genau so eine Stimme.


























