Désirée Nosbusch: Vom TV-Wunderkind zur starken Frauenstimme
Der Name Désirée Nosbusch taucht gerade wieder überall auf – in Serien, bei Filmfestivals, in Interviews. Höchste Zeit, sich diese außergewöhnliche Frau genauer anzuschauen. Wer ist die Luxemburgerin, die seit Jahrzehnten im deutschsprachigen Fernsehen präsent ist und jetzt als Regisseurin durchstartet?
Wer ist Désirée Nosbusch?
Désirée Nosbusch wurde am 14. Jänner 1965 im luxemburgischen Esch-sur-Alzette geboren. Ihr Vater war LKW-Fahrer, ihre Mutter Schneiderin aus Italien. Vielleicht kommt genau aus dieser Mischung – bodenständig und gleichzeitig international – ihre besondere Ausstrahlung: nahbar, aber mit weltläufigem Flair.
Sie spricht mehrere Sprachen fließend, darunter Luxemburgisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch. Für Zuschauer in Österreich ist sie vor allem als TV-Moderatorin, Schauspielerin und seit einigen Jahren als markante Serienfigur bekannt.
Der frühe Start: Radio Luxemburg und TV mit 12
Während andere Kinder noch über Schulaufsätze stöhnen, steht Désirée schon im Studio. Mit nur zwölf Jahren moderiert sie beim legendären Radio Luxemburg. Das war damals so etwas wie der Spotify- und YouTube-Mix einer ganzen Generation – nur eben im Radio.
Von dort ging es rasant weiter:
- Kindermoderatorin in der ARD
- Frühe TV-Auftritte in Deutschland
- Musiksendungen im ZDF wie „Hits von der Schulbank“ und „Hits mit Desirée“
Schon damals fällt auf: Sie ist frech, schnell im Kopf und traut sich, Dinge auszusprechen, die andere nur denken. Viele Medien nennen sie später „die erste freche Jungmoderatorin im deutschen Fernsehen“.
Eurovision 1984: Die Nacht, in der ganz Europa zuschaut
Ein echter Meilenstein: 1984 moderiert Désirée Nosbusch mit 19 Jahren den Eurovision Song Contest in Luxemburg. Millionen von Zuschauern in ganz Europa sehen eine junge, selbstbewusste Frau, die locker durch die Show führt.
Spannend für Fans in Österreich: Im selben Jahr nimmt sie mit dem österreichischen Popstar Falco das Duett „Kann es Liebe sein?“ auf. Für viele ist das bis heute ein Kult-Song der 80er.
Skandale, Mut und ein Auftrittsverbot
Ein Boulevard-Leben ohne Skandale? Unvorstellbar. Auch bei Désirée Nosbusch gab es heftige Schlagzeilen.
„Der Fan“ – Film, FSK-Schock und Kultstatus
Mit 17 spielt sie die Hauptrolle im Psychothriller „Der Fan“. Die Story ist düster, brutal und für damalige Verhältnisse skandalös. Der Film wird lange Zeit als jugendgefährdend eingestuft. Heute hat er Kultstatus – gerade im Netz suchen viele gezielt nach ihrem Namen wegen dieses Films.
Die Strauß-Affäre – eine junge Frau sagt Nein
1981 sitzt sie in der Unterhaltungssendung „Auf los geht’s los“. Thema: Eine Beamtin darf wegen angeblichen Übergewichts nicht verbeamtet werden. Am Telefon ist niemand Geringeres als Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß.
Désirée Nosbusch äußert deutlich ihr Unverständnis. Ergebnis: ein längeres Auftrittsverbot im Bayerischen Rundfunk. Heute, im Zeitalter von Body Positivity und Diversity, wirkt die Szene fast wie eine frühe Protestaktion gegen Diskriminierung – nur eben im Fernsehen der 80er.
Bad Banks, Irland-Krimi & Co: Später Durchbruch als Schauspielerin
Viele kannten Désirée Nosbusch vor allem als Moderatorin. Doch dann kam eine Serie, die alles veränderte: „Bad Banks“. In dem deutsch-luxemburgischen Finanzthriller spielt sie die eiskalte Investmentchefin Christelle Leblanc. Plötzlich reden alle über ihre Schauspielkunst.
Für diese Rolle erhält sie unter anderem:
- 2018: Auszeichnung der Deutschen Akademie für Fernsehen (Nebenrolle)
- 2019: Grimme-Preis in der Kategorie Darstellung
Seit 2019 ist sie außerdem in der ARD-Reihe „Der Irland-Krimi“ zu sehen. Dort verkörpert sie eine deutsche Polizeipsychologin in Irland. Viele Zuschauer lieben gerade diese Kombination: raue irische Landschaft, psychologische Tiefe und eine reife Hauptfigur, die nicht dem üblichen TV-Einheitsbild entspricht.
Regiedebüt „Poison – Eine Liebesgeschichte“
Während viele in ihrem Alter über langsamere Töne nachdenken, schlägt Désirée Nosbusch eine neue Richtung ein: Regie. Mit über 50 dreht sie ihren ersten Spielfilm „Poison – Eine Liebesgeschichte“, unter anderem beim Filmfest München gezeigt.
Die Geschichte basiert auf einem Theaterstück („Gift“ von Lot Vekemans) und ist alles andere als leichte Kost: Es geht um Trauer, Liebe, Schuld und einen Neuanfang nach einem schweren Verlust. In den Hauptrollen: internationale Stars wie Tim Roth und Trine Dyrholm.
Warum ist das so wichtig? Weil es zeigt, dass Frauen im Filmgeschäft nicht bei 40 oder 50 „ausgemustert“ werden müssen. Im Gegenteil: Nosbusch beweist, dass eine Karriere neu starten kann, wenn andere längst aufhören.
Privatleben: Beziehungen, Brüche und Neuanfang
Ihr Privatleben war oft Thema in den Medien. Vieles davon liest sich wie ein Drehbuch – nur, dass es echt ist.
- Frühe, komplizierte Beziehung zu ihrem älteren Manager
- Ehe mit dem österreichischen Filmkomponisten Harald Kloser (mit ihm hat sie zwei Kinder)
- Beziehungen mit Musikern, Schauspielern und sogar einem Top-Manager der Autoindustrie
- Seit 2018 verheiratet mit Kameramann Tom Alexander Bierbaumer
In Interviews spricht sie offen über Abhängigkeiten, Machtgefälle und Missbrauchserfahrungen. Das ist nicht selbstverständlich – gerade für eine Frau, die seit Teenager-Tagen in der Öffentlichkeit steht. Genau diese Offenheit macht sie für viele so glaubwürdig.
Engagement und Haltung: Mehr als nur Glamour
Désirée Nosbusch ist nicht nur auf roten Teppichen unterwegs. Sie engagiert sich zum Beispiel für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und unterstützt Charity-Events wie den „Dreamball“. Außerdem nutzt sie ihre Bekanntheit, um über Themen wie:
- Gewalt in Beziehungen
- Sexuelle Übergriffe in der Branche
- Machtmissbrauch
- Druck auf junge Frauen im Showgeschäft
zu sprechen.
Gerade im Zeitalter von #MeToo wirkt es fast prophetisch, wie früh sie problematische Erfahrungen benannt hat. Für viele jüngere Frauen in der Branche ist sie damit eine Art Wegbereiterin.
Warum ist Désirée Nosbusch in Österreich so interessant?
In Österreich hat Désirée Nosbusch gleich mehrere Anknüpfungspunkte:
- Das Duett mit Falco, einer der größten österreichischen Musikikonen
- Zahlreiche Einsätze im deutschsprachigen Fernsehen, das auch hierzulande täglich läuft
- Serien wie „Bad Banks“ und „Der Irland-Krimi“, die beim heimischen Publikum sehr gut ankommen
- Ihr Ex-Mann Harald Kloser, ein österreichischer Komponist mit Hollywood-Karriere
Viele Zuseherinnen und Zuseher in Österreich sagen, sie sei „immer schon da gewesen“ – und trotzdem wirkt sie heute moderner und relevanter als je zuvor.
Ein persönlicher Blick: Was macht ihren Reiz aus?
Wenn man ihre Karriere verfolgt, fällt etwas auf: Désirée Nosbusch hat nie so richtig in eine Schublade gepasst. Sie war nie nur „die Hübsche“, nie nur „die Skandalnudel“, nie nur „die Seriendarstellerin“.
Sie ist eher wie eine langjährige Bekannte, die man vom Bildschirm her kennt: Man hat ihre 80er-Jahre-Frisuren gesehen, ihre wilden Rollen, ihre seriösen Talkshows, ihre reifen Figuren in modernen Serien. Und jetzt sieht man sie plötzlich als Regisseurin und Autorin – und merkt: Diese Frau entwickelt sich weiter.
Vielleicht ist es genau das, was Menschen an ihr fasziniert: Sie zeigt, dass ein Leben nicht geradlinig verlaufen muss. Man kann stürzen, sich neu erfinden, mit über 50 noch einmal komplett durchstarten – und dabei immer noch neugierig bleiben.
Wo kann man mehr über Désirée Nosbusch erfahren?
Wer Lust bekommen hat, tiefer einzusteigen, hat einige Möglichkeiten:
- Ihre offizielle Website: desireenosbusch.com
- Infos zu „Bad Banks“ und „Der Irland-Krimi“ auf den Seiten von ZDF und ARD
- News und Hintergründe zu ihrem Film „Poison – Eine Liebesgeschichte“ über Filmfestivals und Fachportale
Fazit: Eine Frau, die immer wieder neu überrascht
Désirée Nosbusch ist weit mehr als ein TV-Gesicht aus den 80ern. Sie ist:
- Moderatorin mit Kultstatus
- Schauspielerin mit starkem späten Durchbruch
- Regisseurin, die mit „Poison“ ein sensibles Thema aufgreift
- Autorin und Sprecherin, die eigene Erfahrungen verarbeitet
- Stimme für Frauen, die über Machtmissbrauch und Abhängigkeiten spricht
Für das österreichische Publikum bleibt sie eine jener Persönlichkeiten, die man seit Jahrzehnten begleitet – und bei der man trotzdem das Gefühl hat: Das Beste könnte noch kommen.
Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis, wenn man sich mit Désirée Nosbusch beschäftigt: Dass es nie zu spät ist, noch einmal neu anzufangen.




































