Andreas Caminada – Der leise Superstar der Schweizer Spitzenküche
Wenn in Österreich über große Köche gesprochen wird, fallen oft Namen aus Paris, Kopenhagen oder dem Piemont. Doch einer der spannendsten Chefs Europas arbeitet ganz in unserer Nachbarschaft – in der Schweiz: Andreas Caminada. Drei Michelin-Sterne, ein Schloss als Bühne und trotzdem bodenständig wie ein Dorfwirt. Klingt nach Märchen? Schauen wir uns den Mann genauer an, der die Gourmetwelt aufmischt.
Wer ist Andreas Caminada eigentlich?
Andreas Caminada wurde 1977 im bündnerischen Ilanz geboren und ist in Sagogn aufgewachsen, einem kleinen Ort in Graubünden. Heute gilt er als einer der besten Köche Europas – und das nicht nur laut Michelin, Gault&Millau und diversen „World’s 50 Best“-Listen, sondern auch in Medien von FAZ bis Schweizer Wirtschaftszeitschriften.
Sein berühmtestes Projekt: das Restaurant Schloss Schauenstein in Fürstenau. Dort kocht er seit 2003, hat es von einem verschlafenen Schlösschen zu einem Pilgerort für Feinschmecker aus aller Welt gemacht und wurde 2010 mit dem dritten Michelin-Stern gekrönt.
Ein Schloss als Restaurant – so lebt Caminada seinen Traum
Stell dir vor, du fährst von Österreich über die Schweizer Berge, durch enge Täler, kleine Dörfer – und plötzlich stehst du vor einem historischen Schloss, in dem nicht Adelige, sondern Genießer herrschen. Genau das ist Schloss Schauenstein in Fürstenau.
Das Gebäude hat eine lange Geschichte, wurde aber 2003 von Caminada und seinem Team wachgeküsst und in ein Gourmetrestaurant mit Boutique-Hotel verwandelt. 2022 hat er das Schloss gemeinsam mit einem Schweizer Unternehmer sogar gekauft – die perfekte Bühne also, um seine kulinarische Welt nachhaltig weiterzuentwickeln.
Casa Caminada: Bündner Seele in moderner Form
Gleich neben dem Schloss steht die Casa Caminada. Dort geht es weniger um Luxus und mehr um Region, Handwerk und Bodenständigkeit. Serviert werden Bündner Spezialitäten, das Brot kommt aus der eigenen Backstube, und die Zutaten stammen großteils aus der Umgebung.
- Rustikale Gerichte mit moderner Handschrift
- Regionale Produzenten statt globaler Importwahnsinn
- Einfache Produkte, aber auf Spitzenniveau zubereitet
Für österreichische Gäste wirkt das fast vertraut: Es erinnert an unsere besten Almhütten oder Landgasthäuser, nur eben mit Schweizer Präzision und einem Hauch Schlossromantik.
Von der Bauernarbeit zum Weltstar – ein ungewöhnlicher Weg
Andreas Caminada hat früh gelernt, was Arbeit bedeutet. In Interviews erzählt er, wie er als Jugendlicher in den Sommerferien beim Bauern gearbeitet hat. Später folgte die klassische Kochlehre, Stationen in Spitzenhäusern in der Schweiz, in Deutschland und auch im nahen Bregenz – also praktisch vor der österreichischen Haustür.
Was ihn aber wirklich auszeichnet, ist nicht nur sein Talent, sondern seine Hartnäckigkeit. Statt eine große Stadt zu wählen, ging er in ein kleines Städtchen, renovierte ein Schloss und baute dort langsam, aber konsequent seinen Kosmos auf. Das ist eher der Weg eines Handwerkers als der eines Stardesigners – und genau das macht ihn so glaubwürdig.
Wie schmeckt ein Menü bei Andreas Caminada?
Viele Österreicher fragen sich: Lohnt sich die lange Fahrt für ein Menü bei Andreas Caminada wirklich? Wer einmal dort war, sagt meistens: ja.
Regionale Produkte als Stars
Caminada kocht mit dem, was die Region hergibt: Gemüse aus dem Tal, Fleisch von Bauern aus der Nähe, Kräuter von Wiesen und Gärten. Dazu kommen Produkte aus der Schweiz, die man auch bei uns kennt – etwa Alpenkäse, Forellen oder Wild. Statt Show-Effekten setzt er auf Klarheit im Geschmack.
- Wenige Zutaten pro Teller
- Viel Arbeit in den Details
- Optisch elegant, aber nicht überladen
Wer österreichische Küche liebt, erkennt Parallelen: Auch bei uns werden die besten Gerichte oft aus einfachen Dingen gemacht – man denke nur an ein perfektes Schulterscherzl, ein frisch gefangenes Saiblingsfilet oder eine einfache, aber göttliche Grießnockerlsuppe.
Kein Fan von künstlichem Fleisch
Spannend – und durchaus boulevardtauglich – ist Caminadas klare Meinung zu Fleischersatzprodukten. In einem Interview mit der NZZ, über das unter anderem das österreichische Portal VOL.AT berichtet hat, sagt er deutlich, dass stark verarbeitete vegane Ersatzprodukte für ihn „Horror“ seien und ihm schlicht nicht schmecken.
Das heißt nicht, dass er gegen vegetarische Küche ist – im Gegenteil. Aber er setzt lieber auf echtes Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte als auf Industrieware, die Fleisch imitieren soll. Ein Standpunkt, mit dem sich viele bewusste Esser in Österreich identifizieren können.
Vom Einzelrestaurant zur Caminada-Group
Aus dem einst kleinen Projekt in Fürstenau ist inzwischen eine Gruppe von Betrieben geworden. Gemeinsam mit seiner Frau Sarah führt Caminada die Caminada Group, zu der neben Schloss Schauenstein und Casa Caminada auch weitere Konzepte gehören – etwa die Restaurantlinie IGNIV, die an mehreren Standorten in der Schweiz vertreten ist.
Sein Erfolgsrezept als Unternehmer:
- Starke Partner wie die Gruppe „The Living Circle“, die Hotels mit eigener Landwirtschaft betreibt
- Ein klares Konzept, das immer wieder variiert, aber sich selbst treu bleibt
- Fokus auf Qualität statt auf schnelle Expansion
Während andere Starköche dutzende Lokale auf der ganzen Welt eröffnen, bleibt Caminada lieber in seiner Region verwurzelt. Er wächst, aber mit Maß.
Nachhaltigkeit und Regionalität – mehr als ein Trendwort
Wenn man seine Interviews liest, merkt man: Nachhaltigkeit ist für ihn kein Marketing-Gag, sondern Alltag. Er redet nicht nur von Regionalität, er lebt sie – vom Bäcker bis zum Gemüsebauern.
Gerade für Gäste aus Österreich ist das interessant, weil es stark an unsere eigene Entwicklung erinnert: Viele Wirte und Köche in Tirol, Vorarlberg, Salzburg oder der Steiermark setzen heute ebenfalls auf kurze Wege und ehrliche Produkte. Caminada zeigt, wie man dieses Prinzip bis zur absoluten Spitze treiben kann – bis hin zu drei Michelin-Sternen.
Was können österreichische Genießer von Andreas Caminada lernen?
Auch wenn man nie in Fürstenau essen geht, kann man sich einiges von ihm abschauen – im Alltag, im eigenen Kochen, ja sogar als Unternehmer.
1. Hochwertig statt abgehoben
Caminada beweist, dass Spitzenküche nicht abgehoben sein muss. Er arbeitet in einem Schloss, ja, aber seine Basis sind Bauernhöfe, Gärten und Handwerk. Diese Haltung lässt sich wunderbar nach Österreich übertragen: auf unsere Almhütten, Dorfwirtshäuser und Stadtbistros.
2. Regionale Produkte zuerst
Bevor man Exoten aus Übersee einkauft, lohnt sich ein Blick vor die Haustür. In der Schweiz wie in Österreich gibt es fantastische Produkte: Alpenlachs, Bergkäse, Wildkräuter, Äpfel, Marillen, Pilze und vieles mehr. Caminada zeigt, wie man damit Küche auf Weltniveau machen kann – ohne Trüffel aus Australien oder Beeren aus Übersee.
3. Weniger Show, mehr Inhalt
Andreas Caminada ist kein Lautsprecher. Er schreit nicht im Fernsehen herum, er inszeniert sich nicht ständig in Social Media. Er lässt lieber seine Teller sprechen. Das ist ein spannender Gegenpol zur Welt der Kochshows – und vielleicht genau das, was viele Gäste heute suchen: Ehrlichkeit statt Spektakel.
Wie kommen Gäste aus Österreich zu Andreas Caminada?
Für viele Österreicher ist ein Besuch bei Andreas Caminada ein kulinarischer Kurzurlaub. Besonders beliebt ist die Anreise mit dem Auto über Tirol und Vorarlberg in Richtung Graubünden. Wer es bequemer mag, wählt den Zug via Zürich und weiter Richtung Chur; von dort ist es nicht mehr weit nach Fürstenau.
Infos zu Restaurant, Übernachtung und Angeboten findet man auf der offiziellen Website von Schloss Schauenstein sowie auf den Seiten der The Living Circle-Gruppe.
Fazit: Warum der Hype um Andreas Caminada gerechtfertigt ist
Es gibt viele Starköche. Aber nur wenige schaffen es, Spitzenküche, Bodenständigkeit und Unternehmergeist so zu verbinden wie Andreas Caminada.
- Er kocht seit Jahren auf drei-Sterne-Niveau.
- Er bleibt seiner Region treu und baut sie gleichzeitig aus.
- Er hat eine klare Meinung zu Themen wie Fleischersatz und Nachhaltigkeit.
- Er zeigt, dass große Küche auch in kleinen Orten möglich ist.
Für Genießer aus Österreich ist er damit ein spannendes Ausflugsziel – und ein Vorbild dafür, wie man mit Leidenschaft, Handwerk und Respekt vor der Herkunft der Produkte ganz nach oben kommen kann, ohne sich selbst zu verlieren.
Vielleicht sitzt du ja demnächst selbst in einem historischen Saal in Fürstenau, blickst auf die Schweizer Berge – und fragst dich beim ersten Bissen: „Warum bin ich nicht schon früher zu Andreas Caminada gefahren?“




































