Schellhorns Pickerl‑Plan: Was Autofahrer jetzt wirklich wissen müssen
In Österreich kocht gerade ein Thema hoch, das fast jeden Autofahrer betrifft: das Auto-Pickerl. Genau, die berühmte §57a-Begutachtung, ohne die kein Auto legal auf der Straße unterwegs sein darf.
Und mittendrin: NEOS-Staatssekretär Sepp Schellhorn mit seinem Plan, die Pickerl-Regeln ordentlich umzuräumen.
Worum geht es bei Schellhorns Auto-Pickerl-Vorstoß?
Derzeit gilt in Österreich für die meisten Pkw die bekannte 3-2-1-Regel:
- 1. Pickerl: 3 Jahre nach der Erstzulassung
- 2. Pickerl: 2 Jahre später (also im 5. Jahr)
- Danach: jedes Jahr zur §57a-Begutachtung
Das ist strenger als es die EU eigentlich vorgibt. In vielen anderen Staaten schaut die Sache entspannter aus. Genau da setzt Schellhorn an.
Was will Schellhorn konkret ändern?
Nach dem Wunsch der NEOS soll das Pickerl-Intervall für Pkw so aussehen:
- 1. Begutachtung: erst nach 4 Jahren statt nach 3
- Danach: nur noch alle 2 Jahre zur Überprüfung
- Erst ab 10 Jahren Fahrzeugalter wieder jährlich in die Werkstatt
Damit würde sich Österreich an Länder wie Frankreich anlehnen und an die EU-Richtlinie, die genau so ein Schema erlaubt. Für viele klingt das nach:
Weniger Stress, weniger Kosten, weniger Bürokratie.
Warum reden jetzt alle vom „Pickerl-Skandal“?
Der Boulevard ist voll von Schlagzeilen à la „Regierung streitet wie wild“ – und das nicht ohne Grund. In der Koalition kracht es ordentlich, wenn es um dieses Thema geht. Warum?
Hunderttausende Fahrzeuge, Millionen an Euro
In Österreich werden laut Schätzungen jedes Jahr rund 4,5 Millionen §57a-Begutachtungen gemacht. Wenn man grob mit etwa 70 Euro pro Pickerl rechnet, geht es um mehr als 300 Millionen Euro jährlich – nur für die Prüfung, Reparaturen gar nicht eingerechnet.
Wen wundert es, dass da viele auf der Bremse stehen:
- Werkstätten
- Interessenvertreter
- Autoclubs wie ÖAMTC und ARBÖ
Je seltener das Pickerl fällig wird, desto weniger Prüf-Termine – und das spürt die Branche direkt in der Kassa.
Was bedeutet das für dich als Autofahrer in Österreich?
Stell dir vor, du hast dir vor kurzem einen Neuwagen gegönnt. Nach der aktuellen 3-2-1-Regel heißt das:
- 1. Pickerl im 3. Jahr
- 2. Pickerl im 5. Jahr
- ab dem 6. Jahr jährliche Kontrolle
Mit dem Schellhorn-Modell würdest du:
- erst im 4. Jahr überhaupt das erste Mal zum Pickerl müssen
- dann bis zum 10. Jahr nur alle zwei Jahre hinfahren
Rechne das mal auf 10 Jahre Besitzzeit hoch – das sind mehrere Pickerl-Termine weniger. Und jeder Termin kostet Geld und Zeit.
Wie viel könntest du dir sparen?
Je nach Werkstatt und Region kostet ein Pickerl grob zwischen 60 und 100 Euro, manchmal mehr – etwa bei großen Prüforganisationen wie TÜV AUSTRIA oder in Vertragswerkstätten.
Spart man sich über die Jahre 2–3 Termine, kommt da rasch ein dreistelliger Betrag zusammen. Für viele Haushalte ist das kein Pappenstiel.
Aber ist selteneres Pickerl nicht gefährlich?
Genau an diesem Punkt setzen die Kritiker an. Werkstätten, Fachverbände und Autoclubs warnen:
Wenn das Pickerl-Intervall verlängert wird, könnten mehr schlecht gewartete Fahrzeuge unterwegs sein.
Was wird beim Pickerl eigentlich kontrolliert?
Viele sehen das Pickerl nur als lästige Plakette auf dem Kennzeichen. In Wirklichkeit steckt eine ziemlich umfangreiche Kontrolle dahinter. Überprüft werden unter anderem:
- Bremsen
- Lenkung und Fahrwerk
- Reifen und Achsen
- Beleuchtung und elektrische Anlagen
- Sicherheitseinrichtungen wie Gurte, Airbags-Anzeige etc.
- Karosserie und Fahrgestell (z.B. Rost)
- Abgas– und Umweltwerte
Organisationen wie ARBÖ oder ÖAMTC betonen immer wieder, dass diese Checks ein wichtiges Sicherheitsnetz sind. Gerade bei älteren Autos sind jährliche Kontrollen oft der Moment, in dem versteckte Mängel auffliegen – bevor etwas passiert.
EU-Richtlinie vs. österreichische Strenge
Ein wichtiger Punkt in der Debatte: Die EU-Richtlinie 2014/45/EU schreibt nicht zwingend die strengen österreichischen 3-2-1-Intervalle vor. Viele Länder handhaben das lockerer:
- 1. Überprüfung nach 4 Jahren
- danach alle 2 Jahre
Österreich ist also aktuell strenger als nötig. Schellhorn argumentiert genau damit: Warum sollen heimische Autofahrer öfter und teurer zum Pickerl müssen als der Rest Europas?
Ist „strenger“ automatisch „sicherer“?
Das ist die große Frage. Befürworter der Reform sagen: Moderne Autos sind zuverlässiger als früher, haben mehr Assistenzsysteme und fallen seltener aus. Gegner halten dagegen: Mehr Technik bedeutet auch mehr Dinge, die kaputt gehen können – und die ein Laie nicht mehr selbst bemerkt.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich dazwischen. Klar ist: Das Pickerl ersetzt niemals die regelmäßige Wartung. Wer nur einmal alle paar Jahre eine Werkstatt von innen sieht, gefährdet eher sich selbst – egal, ob das Gesetz nun 3-2-1 oder 4-2-2 vorgibt.
Was gilt aktuell? Und was kommt als Nächstes?
Stand heute gilt für Pkw in Österreich weiterhin die 3-2-1-Regel.
Schellhorns Vorschlag ist Teil eines größeren Entbürokratisierungspakets, das in der Regierung noch heftig verhandelt wird. Ob und wann die neuen Pickerl-Regeln wirklich in Kraft treten, hängt von:
- den Koalitionspartnern
- dem parlamentarischen Gesetzgebungsprozess
- und möglichen Übergangsfristen
Selbst wenn sich die Regierung einigt, wird die Umstellung nicht von heute auf morgen passieren. Gesetzesänderungen brauchen Zeit – von der Beschlussfassung bis zur Veröffentlichung und dem tatsächlichen Inkrafttreten.
Was solltest du bis dahin tun?
- Halte dich an die aktuelle Fälligkeit deines Pickerls.
- Nutze die Toleranzfrist: 1 Monat vor und bis zu 4 Monate nach dem Termin (bei normalen Pkw) – aber schau in deine Versicherungspolizze, ob sie das auch so sieht.
- Checke bei Unsicherheit die Infos von Organisationen wie 57a.at, ARBÖ oder TÜV AUSTRIA.
Perspektive aus dem Alltag: Pickerl-Stress in der Praxis
Wer kennt es nicht? Man schaut zufällig aufs Kennzeichen, sieht die Plakette und denkt sich:
„Hoppla, war da nicht was?“
Dann beginnt der übliche Marathon:
- Werkstatt anrufen
- Termin finden, der mit Job und Familie vereinbar ist
- Auto hinstellen, Ersatzwagen organisieren oder Öffis nutzen
Ich erinnere mich an einen typischen Fall: Ein Bekannter hat sein Pickerl jedes Jahr so weit hinausgezögert, wie es nur geht. Am Ende war er einmal genau am letzten Tag der Toleranzfrist in der Werkstatt – und fiel wegen abgefahrener Reifen durch. Ergebnis:
Neuer Termin, neue Organisation, zusätzliche Kosten.
Egal ob 3-2-1 oder 4-2-2 – wer Wartung aufschiebt, zahlt oft drauf.
Wie findest du einen guten Platz fürs Pickerl in deiner Nähe?
In Österreich hast du mehrere Möglichkeiten, dein Auto begutachten zu lassen:
- Markenwerkstätten (z.B. große Händlerketten wie Keusch)
- Freie Werkstätten und kleine Meisterbetriebe
- Prüforganisationen wie TÜV AUSTRIA
- Autoclubs wie ARBÖ und ÖAMTC
Worauf kannst du achten?
- Preis: Fixpreis-Angebote vergleichen.
- Transparenz: Werden dir Mängel verständlich erklärt?
- Terminflexibilität: Gibt es schnelle Termine oder Online-Buchung?
- Zusatzleistungen: Ersatzwagen, Kaffee-Ecke, W-LAN – klingt banal, macht aber den Tag leichter.
Fazit: Pickerl-Reform – Entlastung oder Risiko?
Schellhorns Plan, das Pickerl-Intervall zu verlängern, ist ein klassischer Boulevard-Stoff:
Es geht um Geld, Sicherheit, Politik – und um ein Thema, das jeder Autofahrer sofort spürt.
Für dich als Autofahrer in Österreich bedeutet das:
- Potentiell weniger Termine in der Werkstatt
- spürbare Kostenersparnis über mehrere Jahre
- aber auch die Verantwortung, dein Auto trotzdem regelmäßig checken zu lassen
Ob die Reform wirklich kommt, steht noch nicht fest. Klar ist aber:
Das Thema „Schellhorn Auto Pickerl“ wird uns noch eine Weile begleiten – und vermutlich noch für einige Schlagzeilen sorgen.
Und du?
Wie stehst du dazu? Wünschst du dir längere Pickerl-Intervalle, oder fühlst du dich mit der jährlichen Kontrolle sicherer?
Egal wie du dich entscheidest:
Ein gut gewartetes Auto ist immer günstiger als ein Unfall – ganz ohne Boulevard-Titelblatt.




































