Florence Gaub erklärt, wie sicher unsere Zukunft wirklich ist
Wer in Österreich die Nachrichten verfolgt, ist vermutlich schon über den Namen Florence Gaub gestolpert. Ob bei Talkshows wie „Markus Lanz“, in Interviews mit deutschsprachigen Medien oder als Autorin von Büchern wie „Zukunft. Eine Bedienungsanleitung“ – die Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin ist längst eine feste Stimme, wenn es um Sicherheit, Krieg und unsere gemeinsame Zukunft geht.
Doch wer ist diese Frau eigentlich, die europäische Spitzenpolitiker berät und gleichzeitig versucht, uns die Angst vor der Zukunft zu nehmen?
Wer ist Florence Gaub?
Florence Gaub wurde 1977 in München geboren und ist deutsch-französische Politikwissenschaftlerin. Heute leitet sie die Forschungsabteilung des NATO Defense College in Rom – also die Denkfabrik der NATO, in der über künftige Konflikte, Risiken und Chancen nachgedacht wird.
Sie ist damit eine der wichtigsten Sicherheitsexpertinnen Europas.
Ihr Weg dorthin war klassisch akademisch, aber alles andere als trocken:
- Studium der Politikwissenschaft und Geschichte in München und Paris
- Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin über Armeen nach Bürgerkriegen
- Tätigkeit am NATO Defense College in Rom bereits ab 2009
- Später: Stellvertretende Direktorin am Institut der Europäischen Union für Sicherheitsstudien (EUISS) in Paris
- Beraterin für den Rat der Europäischen Union und die EU-Kommission
Heute arbeitet sie an der Schnittstelle von Geopolitik, Sicherheitspolitik und Zukunftsforschung. Sie spricht mehrere Sprachen, bewegt sich souverän zwischen Brüssel, Rom, Paris und Berlin – und tritt immer wieder in deutschsprachigen Medien auf, die auch in Österreich viel gesehen werden, etwa im ZDF oder in großen Zeitungen.
Warum reden plötzlich alle über Zukunftsforschung?
„Zukunftsforschung“ klingt im ersten Moment ein bisschen nach Science-Fiction. Aber bei Florence Gaub geht es nicht um Kristallkugeln, sondern um harte Analyse.
Die Idee dahinter ist simpel: Wenn wir uns mögliche Zukünfte vorstellen, können wir heute bessere Entscheidungen treffen. Gaub nennt das „Foresight“ – vorausschauendes Denken. Sie hat für die Europäische Union etwa den Bericht „Global Trends to 2030“ mitgeschrieben, in dem sie beschreibt, wie sich die Welt bis 2030 verändern könnte: politisch, wirtschaftlich und technologisch.
Statt nur zu fragen: „Was passiert morgen?“, fragt sie:
- Welche Konflikte zeichnen sich heute schon ab?
- Welche Rolle soll Europa in einer unsicheren Welt spielen?
- Wie verändern Klimawandel, Migration und Technologie unser Leben – auch in Ländern wie Österreich?
Das klingt abstrakt, betrifft aber unseren Alltag ganz direkt: Energiepreise, Inflation, Sicherheit in Europa, Krieg und Frieden an den Grenzen der EU – all das gehört zu ihrem Themenfeld.
Florence Gaub und die Sicherheit Europas
Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wird Sicherheitspolitik wieder bei jedem von uns am Küchentisch diskutiert. In Talkshows und Interviews wird Florence Gaub immer wieder gefragt: Wie gefährdet ist Europa? Und: Wie sicher ist Österreich?
Als Forschungsdirektorin am NATO Defense College analysiert sie Szenarien, die uns allen Sorgen machen:
- Angriffe auf Infrastruktur – etwa Stromnetze oder Kommunikationsleitungen
- Drohnenangriffe und neue Waffentechnologien
- Cyberangriffe, die ganze Staaten lahmlegen könnten
In Sendungen wie „Markus Lanz“ erklärt sie, wie vorbereitet Europa – und damit auch Österreich – auf solche Bedrohungen ist. Besonders betont sie, dass Verteidigung heute nicht nur eine Frage von Panzern und Soldaten ist, sondern auch von Daten, Strom, Wasser, Lieferketten und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Was heißt das für uns in Österreich?
Auch wenn Österreich neutral ist, ist es nicht abgeschottet. Gaspreise, Stromversorgung, Internet – all das hängt eng an europäischen und globalen Netzen. Wenn irgendwo etwas schiefgeht, spüren wir es hier oft sehr schnell.
Gaub macht in ihren Auftritten immer wieder klar:
- Europa muss resilienter werden – also widerstandsfähiger gegen Krisen.
- Wir brauchen Vorsorge statt Panik.
- Politik und Wirtschaft müssen langfristig denken, nicht nur bis zur nächsten Wahl.
Das trifft auch die österreichische Debatte: Wie sicher ist unser Gesundheitssystem, unsere Energieversorgung, unser Bundesheer? Welche Rolle spielt Österreich als kleiner, aber wohlhabender Staat mitten in Europa? Genau an diesen Fragen arbeitet Gaub – wenn auch meist auf europäischer Ebene.
Vom Kriegsgebiet ins Klassenzimmer: Ihre Forschung im echten Leben
Bevor sie zu einer bekannten TV-Stimme wurde, war Florence Gaub vor allem Forscherin im Feld. Sie hat über Armeen in Bürgerkriegsländern wie Nigeria, Libanon oder Bosnien-Herzegowina gearbeitet. Sie untersuchte, wie man nach einem Bürgerkrieg wieder funktionierende Streitkräfte aufbauen kann, die nicht selbst Teil des Problems sind.
Später verlegte sie den Blick stärker auf die arabische Welt: Irak, Libyen, Syrien, Afghanistan – Länder, über die wir in Österreich meist nur als Krisenregionen lesen. Sie fragte sich:
- Was hält ein Land nach einem Krieg überhaupt noch zusammen?
- Was passiert, wenn Wasser knapp wird und der Klimawandel das Leben in der Region umkrempelt?
- Welche Folgen hat das für Europa – also für Migration, Konflikte und Sicherheit?
Ein Beispiel: In ihrer Studie „Arab Climate Futures“ beschreibt sie, wie der Klimawandel im Nahen Osten schon heute wirkt: Wasserknappheit, Hitzewellen, sinkende Erträge in der Landwirtschaft. Das klingt weit weg, aber es kann Druck auf Städte, Staaten und ganze Regionen ausüben – und damit auch auf Europa.
Wenn wir also hier in Wien, Graz oder Innsbruck über Klimapolitik diskutieren, dann geht es nicht nur um das Wetter im Sommer, sondern auch um die Stabilität ganzer Regionen. Genau diese Verknüpfungen macht Gaub sichtbar.
„Zukunft. Eine Bedienungsanleitung“ – so denkt Gaub über morgen
Mit ihrem Buch „Zukunft. Eine Bedienungsanleitung“ hat Florence Gaub ihren Blick auf die Zukunft einem breiten deutschsprachigen Publikum geöffnet. Das Buch ist kein trockener Fachtext, sondern versucht, uns allen den Umgang mit der Zukunft zu erleichtern.
Sie beschreibt dort unter anderem:
- Warum der Mensch die einzigartige Fähigkeit hat, sich Zukunft vorzustellen
- Wie wir aus möglichen Zukünften bessere Entscheidungen im Heute ableiten können
- Weshalb Optimismus nichts Naives ist, sondern eine Form von aktivem Handeln
Ein Satz, den sie häufig betont: „Optimismus kommt aus dem Handeln.“ Angst lähmt uns, sagt sie, aber wer sich konkrete Szenarien überlegt und Pläne macht, kann auch in Krisenzeiten handlungsfähig bleiben.
Für viele Leserinnen und Leser in Österreich ist das ein wichtiger Punkt: Nach Jahren voller Krisen – Pandemie, Krieg in Europa, Teuerung – ist die Stimmung oft gedrückt. Gaub versucht, hier gegenzusteuern: nicht mit Schönreden, sondern mit Struktur. Sie zeigt: Ja, die Lage ist ernst. Aber gerade deshalb lohnt es sich, aktiv zu gestalten.
Kontroversen: Wenn Analysen anecken
Wo viel Öffentlichkeit ist, sind auch Kritik und Kontroversen nicht weit. Florence Gaub hat das am eigenen Leib erlebt. In einer Talkshow-Äußerung zur russischen Gesellschaft wurde ihr vorgeworfen, sie generalisiere zu stark und bediene gefährliche Bilder.
Das zeigt eines sehr deutlich: Sicherheitspolitik ist niemals nur nüchterne Wissenschaft. Es geht immer auch um Gefühle, Identität, Geschichte. Wer vor laufenden Kameras erklärt, wie eine Gesellschaft „tickt“, steht rasch im Kreuzfeuer der Meinungen.
Gerade in Österreich, wo die Debatte über Neutralität, Russland und die EU seit 2022 stark polarisiert ist, werden Aussagen von Expertinnen wie Gaub aufmerksam beobachtet. Das Boulevard-Phänomen kennt man: Ein Satz aus einer einstündigen Analyse reicht und die Schlagzeile steht.
Für uns als Publikum lohnt sich daher die Frage: Lesen wir nur die Schlagzeile – oder hören wir auch den ganzen Kontext?
Was können wir persönlich von Florence Gaub lernen?
Natürlich wird die meisten von uns niemand morgen nach Brüssel oder Rom einladen, um dort über NATO-Strategien zu beraten. Aber ein paar ihrer Grundideen lassen sich leicht auf unseren Alltag in Österreich übertragen.
1. Zukunft ist kein Schicksal, sondern ein Projekt
Gaub betont immer wieder: Es gibt nicht die eine Zukunft, sondern viele mögliche Zukünfte. Welche davon eintritt, hängt auch von unseren Entscheidungen ab – in der Politik, in Unternehmen, aber auch im Privaten.
Statt zu sagen: „Es wird eh alles schlimmer“, schlägt sie vor zu fragen:
- Welche Zukunft will ich – für meine Familie, meine Stadt, mein Land?
- Was kann ich heute tun, damit diese Zukunft wahrscheinlicher wird?
2. Krisen frühzeitig ernst nehmen
Zukunftsforschung bedeutet auch, Warnsignale nicht zu ignorieren. Klimawandel, Spannungen zwischen Staaten, soziale Ungleichheiten – all das sind Themen, die wir in Österreich gerne als „irgendwo da draußen“ sehen. Gaub erinnert daran: Frühe Reaktion ist immer günstiger als spätes Feuerlöschen.
3. Keine Panik, aber klare Augen
In ihren Medienauftritten wirkt Florence Gaub oft nüchtern, manchmal streng, aber zugleich erstaunlich optimistisch. Sie will nicht, dass wir in die Katastrophenlust verfallen, wie sie Boulevard-Schlagzeilen gerne produzieren. Stattdessen plädiert sie für einen realistischen Optimismus: Probleme klar benennen, aber nicht in Lähmung verfallen.
Florence Gaub im deutschsprachigen Raum
Für Leserinnen und Leser in Österreich ist ein Vorteil: Sehr viel von Gaubs Arbeit liegt auf Deutsch vor. Interviews, Kolumnen und Bücher sind leicht zugänglich. Wer sich näher mit ihr beschäftigen will, findet etwa auf ihrer eigenen Seite florencegaub.de einen Überblick über Medienauftritte, Vorträge und Publikationen.
Immer wieder tritt sie auch im deutschsprachigen Raum als Keynote-Speakerin auf – etwa bei Konferenzen, Wirtschaftsevents oder politischen Foren. Dabei richtet sie sich nicht nur an Militärs und Politiker, sondern auch an Unternehmen, Organisationen und ein allgemeines Publikum. Ihre Botschaft bleibt dabei im Kern gleich:
- Die Welt wird unübersichtlicher.
- Wir können uns darauf vorbereiten.
- Und wir haben mehr Einfluss auf die Zukunft, als wir denken.
Fazit: Warum Florence Gaub auch für Österreich wichtig ist
Ob man ihre Analysen immer teilt oder nicht – an Florence Gaub kommt man in der europäischen Sicherheitsdebatte kaum vorbei. Sie steht für eine Generation von Expertinnen, die gleichzeitig in der Wissenschaft, in den Medien und in der Politikberatung zu Hause sind.
Für Österreich ist sie aus mehreren Gründen spannend:
- Sie verbindet Sicherheitspolitik mit Zukunftsforschung – zwei Themen, die im Alltag oft getrennt werden.
- Sie zeigt, wie sehr globale Entwicklungen auch ein Land wie Österreich betreffen.
- Sie versucht, Angst vor der Zukunft in Handlungswillen zu verwandeln.
Vielleicht ist das die wichtigste Lehre aus ihrer Arbeit: Die Zukunft fällt nicht vom Himmel – sie wird gemacht. Und wer sich, wie Florence Gaub, traut, sie laut zu denken, hilft uns allen, ein bisschen klarer zu sehen – auch hier in Österreich.




































