Argentinien unter Milei: Zwischenwahlsieg, Inflation sinkt, Ausblick
Kurz und knapp
- Zwischenwahlen gewonnen: Präsident Javier Milei und seine Partei La Libertad Avanza holten laut internationalen Medien und AT-Berichten etwas über 40 Prozent der Stimmen. Das stärkt seine Reformagenda, auch wenn er weiterhin Koalitionen braucht.
- Mehr Sitze, aber keine Alleinmacht: LLA gewinnt deutlich hinzu (u. a. 64 Sitze in der Abgeordnetenkammer in diesem Urnengang) und kann Vetos eher absichern, braucht aber Partner im Parlament.
- Inflation kühlt spürbar ab: Offizielle Daten zeigen stark sinkende Monatsraten; im Jänner lag sie bei 2,2 % und im Mai bei 1,5 % – der niedrigste Wert seit 2020.
- IWF & Budgetkurs: Das Parlament erlaubte Verhandlungen mit dem IWF über einen neuen Kredit, während die Regierung einen Budgetüberschuss meldete – erstmals seit Jahren.
Was ist passiert?
Argentinien hat am 26. Oktober 2025 gewählt. Javier Milei sprach von einem historischen Ergebnis. Seine Bewegung La Libertad Avanza landete landesweit vor der peronistischen Opposition. Besonders beachtet: Ein sehr knappes Rennen in der Provinz Buenos Aires – traditionell eine Hochburg der Peronisten. Für Milei bedeutet das: mehr Rückenwind für seinen strikten Sparkurs, aber weiterhin die Notwendigkeit, im Kongress Mehrheiten zu schmieden. Siehst du, wie sich Schritt für Schritt die Machtbalance verschiebt – ohne dass eine Seite alles alleine entscheiden kann?
Warum sorgt Mileis Kurs für Schlagzeilen?
Milei steht für einen radikalen Sparkurs – er kürzte Subventionen, bremste Staatsausgaben und stellte das „Geldrucken“ ein. Das Ergebnis: Die Inflation fällt deutlich, gleichzeitig steckt die Wirtschaft in einer Rezession, Jobs gingen verloren und Armut bleibt hoch. Klingt widersprüchlich? Ein wenig wie bei einem privaten Haushalt: Wenn du plötzlich stark sparst, schrumpfen erst Ausgaben – aber es zwickt an allen Ecken. Langfristig kann das Konto gesunden, kurzfristig ist es schmerzhaft.
Die wichtigsten Eckpunkte
- Inflation: Im Jänner 2025 stiegen die Preise monatlich um 2,2 %. Im Mai lag die Monatsrate bei 1,5 % – der niedrigste Stand seit 2020.
- Budget: Für 2024 wurde ein Überschuss gemeldet – das erste Mal seit langer Zeit.
- IWF: Der Kongress gab im März 2025 grünes Licht für Verhandlungen mit dem IWF über einen neuen Kredit.
Was heißt das für uns in Österreich?
Auch wenn Buenos Aires weit weg ist: Entwicklungen in Argentinien spürt man in Europa – von Rohstoffen und Lebensmitteln bis zur Stimmung an den Finanzmärkten. Für österreichische Betriebe, die mit Lateinamerika handeln, zählt jetzt vor allem Planbarkeit. Je stabiler Inflation und Währung, desto einfacher sind Verträge, Lieferketten und Finanzierung. Gleichzeitig bleibt das soziale Umfeld angespannt – was sich auf Konsum, Transport und Politik auswirken kann.
Wie geht’s weiter?
Nach dem Wahlsieg wächst Mileis Handlungsspielraum. Dennoch braucht er Partner, um große Reformpakete durchs Parlament zu bringen. Kurz gesagt: Mehr Schwung, aber keine Blankovollmacht. Die nächsten Monate zeigen, ob die Regierung neben Sparen auch Wachstum ankurbeln kann – etwa durch Investitionen, Energie- und Rohstoffprojekte oder den Abbau von Hürden für Unternehmen. Gelingt der Mix, könnte 2026 ruhiger werden. Wenn nicht, drohen neue Spannungen.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Stell dir vor, du führst einen kleinen Lebensmittelhandel in Córdoba. Im Vorjahr hast du Preise fast wöchentlich angepasst. Heuer fällt die Inflation – gut für deine Kalkulation. Gleichzeitig kommen weniger Leute, weil Löhne real gesunken sind. Du überlebst, indem du Kosten drückst und mit Lieferanten neu verhandelst. Genau zwischen diesen Polen bewegt sich aktuell die argentinische Wirtschaft.
Fazit
Argentinien unter Milei erlebt einen seltenen Mix: Rückendeckung an der Urne, fallende Inflation, aber harte soziale Einschnitte. Für Österreichs Leserinnen und Leser heißt das: aufmerksam bleiben. Wer mit dem Land Geschäfte macht – oder sich einfach fürs große Bild interessiert – sollte die Kombination aus politischem Rückenwind und ökonomischer Gratwanderung im Blick behalten.
Quellen
- Reuters: Mileis Partei gewinnt die Zwischenwahl (27.10.2025)
- Financial Times: Historischer Sieg bei den Zwischenwahlen (27.10.2025)
- El País (EN): Ergebnisse und Provinzen im Überblick (27.10.2025)
- Euronews/AP: LLA über 40 % – internationale Reaktionen (27.10.2025)
- Salzburger Nachrichten/APA/Reuters: Ergebnis & Sitzverteilung (27.10.2025)
- ORF: Inflation auf niedrigstem Stand seit vier Jahren (14.02.2025)
- Financial Times: Monatsinflation 1,5 % im Mai (2025)
- ORF: Budgetüberschuss vermeldet (18.01.2025)
- ORF: Parlament erlaubt IWF-Verhandlungen (20.03.2025)





































