Regnet es an Nikolaus? Was die Bauernregel wirklich verspricht
Jedes Jahr am 6. Dezember stellen sich viele in Österreich dieselbe Frage: „Regnet es an Nikolaus – und was heißt das für den Winter?“ Die alte Bauernregel dazu lautet:
„Regnet’s an St. Nikolaus, wird der Winter streng und graus.“
Eine zweite Variante sagt das Gegenteil:
„Trockener Nikolaus, milder Winter rund ums Haus.“
Klingt simpel, oder? Ein Blick aus dem Fenster – und schon wissen wir, wie der ganze Winter wird. Aber stimmt das wirklich? Schauen wir uns das in Ruhe an.
Was steckt hinter der Nikolaus-Bauernregel?
Der 6. Dezember, der Tag des heiligen Nikolaus, gilt in Österreich als sogenannter Lostag. Lostage sind Fixtermine im Kalender, an denen das Wetter traditionell als Zeichen für die kommenden Wochen und Monate gedeutet wird. In vielen österreichischen Bauernkalendern findet man die Formulierung:
- „Regnet’s an St. Nikolaus, wird der Winter streng und graus.“
- „Trockener Nikolaus, milder Winter rund ums Haus.“
- Manchmal auch: „St. Nikolaus spült die Ufer aus.“ – wenn es besonders kräftig regnet.
Die Idee dahinter: Wie sich das Wetter an diesem einen Tag zeigt, so soll sich der Winter insgesamt entwickeln.
Woher kommen solche Bauernregeln überhaupt?
Bevor es Wetter-Apps, Radarbilder und 10-Tages-Prognosen gab, mussten Menschen anders planen. Bauern orientierten sich an:
- dem Stand der Sonne
- dem Verhalten von Tieren
- Wolkenformen, Wind und Luftfeuchtigkeit
- wiederkehrenden Mustern im Jahreslauf
Über Generationen wurden Beobachtungen gesammelt – oft in kurzen, einprägsamen Reimen. So entstanden Bauernregeln. Viele davon beziehen sich, wie die Nikolaus-Regel, auf kirchliche Feiertage und Heilige. Das war praktisch, denn diese Tage kannte jeder auswendig.
„Wenn es an Nikolaus regnet“ – was bedeutet das konkret?
Stell dir vor, du wachst am 6. Dezember auf, schaust aus dem Fenster – und es schüttet. Laut Bauernregel heißt das:
- Ein strenger, unangenehmer Winter soll folgen.
- Viel Kälte, Schnee oder zumindest ungemütliches Wetter werden erwartet.
Ist es dagegen trocken, vielleicht sogar leicht sonnig, heißt es:
- Der Winter wird eher mild, vor allem rund um Haus und Hof.
- Also weniger extremes Wetter, weniger Frost – angeblich.
Viele Menschen nehmen das heute eher mit einem Augenzwinkern. Trotzdem: Gerade ältere Leute erzählen oft, dass sie sich als Kinder sehr wohl gemerkt haben, wie es an Nikolaus war – und dann den restlichen Winter beobachtet haben.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Vielleicht kennst du das selbst: Du gehst mit den Kindern oder Enkerln am Nikolaus-Abend zur Krampus- oder Nikolausfeier. Es regnet in Strömen, die Schuhe sind nass, der Schirm ist durch, und irgendwer sagt lachend:
„Na super, wenn’s an Nikolaus so regnet, wird der Winter heuer grauslich!“
Und schon ist die Bauernregel mitten im Gespräch. Niemand macht daraus eine wissenschaftliche Vorhersage – aber als Thema für Smalltalk taugt sie immer.
Was sagt die Wissenschaft zu dieser Bauernregel?
Moderne Meteorologen sehen das nüchtern: Ein einzelner Tag kann den Winter nicht vorhersagen. Das Wetter in Mitteleuropa hängt von vielen Faktoren ab:
- Luftdruckgebiete (Tiefs und Hochs)
- Strömungen in der Atmosphäre
- Temperaturen über dem Atlantik
- Schneelage in Skandinavien und im Osten Europas
- langfristige Klimamuster
Ein Regen-Tag Anfang Dezember ist daher kein verlässlicher Indikator für einen strengen Winter. Studien und Auswertungen zeigen: Mal trifft so eine Bauernregel zufällig zu, mal nicht – aber statistisch belastbar ist sie nicht.
Oder anders gesagt: Die Nikolaus-Regel ist Tradition, kein Wettergesetz.
Warum lieben wir solche Sprüche trotzdem?
Spannend ist: Obwohl wir alle Wetter-Apps am Handy haben, sind Bauernregeln populärer denn je. Sie tauchen in Zeitungen, im Radio, auf Social Media oder in Regionalportalen auf. Warum?
- Nostalgie: Sie erinnern uns an die Großeltern und ans Landleben.
- Einfachheit: Ein Satz, und alles scheint erklärt.
- Humor: Viele Reime sind witzig und pointiert.
- Naturnähe: Sie zeigen, wie eng das Leben früher mit dem Wetter verbunden war.
Und Hand aufs Herz: Ein flotter Spruch bleibt besser hängen als eine komplexe Wetteranalyse. „Regnet’s an St. Nikolaus…“ versteht jedes Kind.
Nikolaus als Lostag im Dezember
Der Dezember hat mehrere wichtige Lostage. Neben Nikolaus am 6. Dezember sind zum Beispiel auch Barbara (4.12.) und der Heilige Abend (24.12.) beliebt für Bauernregeln. Einige Beispiele:
- 4. Dezember – Barbara: „Wie der Barbaratag, so der Christtag.“
- 6. Dezember – Nikolaus: „Regnet’s an St. Nikolaus, wird der Winter streng und graus.“
- 24. Dezember – Heiliger Abend: „Ist die Weihnacht hell und klar, hofft man auf ein fruchtbar Jahr.“
So entsteht ein ganzes Netz aus Wetterweisheiten, das früher half, den landwirtschaftlichen Jahresablauf zu planen.
Treffen Bauernregeln manchmal doch zu?
Interessanterweise: Ja, manche Bauernregeln haben einen naturkundlichen Kern. Zum Beispiel, wenn sie sich auf längere Zeiträume, typische Wetterlagen oder astronomische Zusammenhänge beziehen. Bei der Nikolaus-Regel ist es schwieriger, weil:
- das Wetter Anfang Dezember stark schwankt,
- ein Tag statistisch kaum Aussagekraft hat,
- „strenger Winter“ sehr subjektiv ist.
Trotzdem erlebt jede und jeder von uns Winter, wo man im Nachhinein sagt: „Heuer hat die Bauernregel aber gut gepasst!“ – genau dann bleibt sie natürlich besonders in Erinnerung.
Wie du die Nikolaus-Bauernregel heute nutzen kannst
Auch wenn sie wissenschaftlich nicht haltbar ist, kannst du die Regel gut verwenden – nur eben anders:
- Als Gesprächseinstieg: beim Punschstand, in der Firma, in der Schule.
- Als Spiel mit Kindern: Gemeinsam am 6. Dezember Wetter beobachten und den Winter „tippen“.
- Als Ritual: Jedes Jahr notieren: Regen, Schnee, Sonne? Und dann am Saisonende nachschauen.
- Als Einstieg in Naturbeobachtung: Wer auf solche Details achtet, nimmt seine Umgebung bewusster wahr.
So wird aus der alten Spruchweisheit eine kleine Tradition für die ganze Familie.
Regen am Nikolaustag in Österreich – ein Blick nach draußen
Österreich liegt in einer Region, in der es im Dezember immer wieder zu wechselhaftem Wetter kommt: mal Schnee, mal Regen, mal Föhn, mal eisige Kälte. Gerade in tieferen Lagen, etwa im Osten und Süden, ist Regen rund um Nikolaus gar nicht so selten.
Die Folge: Die Bauernregel „wenn es an Nikolaus regnet“ wird relativ oft „aktiviert“. Mal folgt ein kalter Winter, mal ein milder – je nachdem, welche Großwetterlage sich danach etabliert. So gesehen ist die Regel eher Stoff für Diskussionen als ein ernstes Prognose-Werkzeug.
Tradition trifft Technik: Bauernregel vs. Wetter-App
Wie kannst du also mit der Bauernregel umgehen, ohne dich zu sehr darauf zu verlassen? Ein paar Ideen:
- Kombiniere beides: Schau am 6. Dezember aus dem Fenster – und parallel in deine Wetter-App.
- Vergleiche: Wie oft lag deine App richtig, wie oft die Bauernregel?
- Mach ein kleines „Wetter-Tagebuch“: Besonders spannend für Kinder und Schulprojekte.
So wird aus der Frage „Regnet es an Nikolaus?“ schnell ein spannendes Mini-Experiment über mehrere Wochen.
Warum solche Bräuche wichtig bleiben
Bauernregeln rund um Nikolaus sind mehr als nur Wetter-Sprüche. Sie sind Teil unseres österreichischen Brauchtums:
- Sie verbinden Religion, Natur und Alltag.
- Sie erzählen vom harten Leben früher, als ein strenger Winter wirklich bedrohlich war.
- Sie machen Wetter zu etwas, über das man gern redet – und das verbindet.
Ob du nun in Wien, Graz, Innsbruck oder in einem kleinen Dorf im Waldviertel lebst: Die Nikolaus-Bauernregel kennst du bald auswendig. Und vielleicht erzählst du sie irgendwann selbst weiter – an die nächste Generation.
Fazit: Wie ernst soll man „Regnet es an Nikolaus“ nehmen?
- Als exakte Wettervorhersage für den Winter? Eher nicht.
- Als spannendes Stück Tradition und Gesprächsstoff? Auf jeden Fall.
Wenn es also am 6. Dezember regnet, kannst du schmunzeln und sagen:
„Na dann – laut Bauernregel wird der Winter heuer streng und graus.“
Ob es wirklich so kommt, zeigen erst die nächsten Wochen. Bis dahin gilt: Warm anziehen, Natur beobachten – und die alten Sprüche genießen.
Mehr über Bauernregeln und Lostage
- Eine schöne Übersicht zu Bauernregeln im Dezember findest du zum Beispiel beim Kurier.
- Weitere Bauernregeln und Lostage sind etwa auf wissenswertes.at gesammelt.
- Wenn du generell mehr über Herkunft und Hintergrund von Bauernregeln erfahren möchtest, lohnt sich ein Blick in Beiträge von Regionalmedien wie meinbezirk.at.
Und jetzt die Frage an dich: Wie war das Wetter an deinem letzten Nikolaustag – und wie war danach der Winter?





































