Handels-KV Verhandlungen 2025 und 2026 – Was jetzt auf den Handel zukommt
Die Handels-KV Verhandlungen sorgen jedes Jahr für Spannung – heuer aber ganz besonders. In Österreich geht es dabei um die Einkommen von rund 430.000 Angestellten und tausenden Lehrlingen im Handel. Also um genau jene Menschen, die uns täglich an der Kassa, im Lager oder im Online-Shop betreuen.
Was wurde beschlossen? Wer bekommt wie viel mehr Geld – und ab wann? Und was bedeutet das alles für dich, wenn du im Handel arbeitest oder ein Geschäft führst? Schauen wir uns die aktuellen KV-Verhandlungen im Handel Schritt für Schritt an.
Was ist der Handels-KV überhaupt?
Der Handels-KV (Kollektivvertrag für Angestellte im Handel) ist so etwas wie ein großes Grundregelbuch für die Branche. Darin steht unter anderem:
- Mindestgehälter für alle Beschäftigten im Handel
- Lehrlingseinkommen
- Zuschläge, Arbeitszeiten und Rahmenbedingungen
- Regeln zu Überzahlungen und Einstufungen
Verhandelt wird zwischen der Gewerkschaft GPA und der Wirtschaftskammer Österreich bzw. den Arbeitgebervertretern des Handels. Beide Seiten sitzen am Tisch, ringen um Prozentzahlen und Bedingungen – und versuchen, einen Kompromiss zu finden, der irgendwie für alle passt.
Die Ausgangslage: Teuerung, Flaute und volle Regale
In den letzten Jahren ist das Leben in Österreich spürbar teurer geworden. Auch wenn die Inflation inzwischen etwas zurückgegangen ist, liegen die Preise für Wohnen, Essen und Energie deutlich über dem Niveau von vor ein paar Jahren. Viele Handelsangestellte merken das Monat für Monat beim Blick aufs Konto.
Gleichzeitig kämpft der Handel mit schwacher Kauflaune, hohen Energie- und Personalkosten und starkem Online-Wettbewerb. Die Kassen klingeln also längst nicht überall so laut, wie es von außen manchmal wirkt. Genau zwischen diesen Fronten spielen sich die Handels-KV Verhandlungen ab.
Rückblick: Harte Runden für den Handels-KV 2025
Bereits im Herbst 2024 fiel der Startschuss für die KV-Verhandlungen Handel 2025. Schon damals war klar: Das wird kein Spaziergang.
Die Gewerkschaft GPA forderte zu Beginn eine deutliche Gehaltserhöhung über der rollierenden Inflation und bessere Bedingungen, etwa mehr freie Tage je nach Dienstalter und Verbesserungen für Lehrlinge.
Die Arbeitgeberseite verwies dagegen auf schwache Konjunktur, hohe Kosten und die Gefahr für Arbeitsplätze, wenn die Lohnkosten zu stark steigen.
Erste Runden ohne Ergebnis
Mehrere Verhandlungsrunden blieben zunächst ohne Abschluss. Die GPA senkte ihre ursprüngliche Forderung zwar schrittweise – trotzdem lagen die Vorstellungen weit auseinander. Es kam zu Betriebsversammlungen und Kundgebungen im ganzen Land. In Einkaufszentren wie dem Donauzentrum oder im Linzer Schillerpark standen Beschäftigte mit Plakaten, forderten einen „fairen Abschluss“ und schilderten, wie knapp das Geld im Alltag oft ist.
Der Zweijahres-Abschluss für 2025 und 2026
Am Ende gab es für den Handels-KV 2025 einen Kompromiss in Form eines Zweijahres-Abschlusses. Die Eckpunkte:
- Ab 1. Jänner 2025: Gehälter im Handel steigen um rund 3,3 % – inklusive Staffelungen je nach Einstufung.
- Für 2026: wurde vereinbart, dass die Gehälter um 0,5 % über der rollierenden Inflationsrate steigen sollen, solange diese unter einem bestimmten Wert liegt. Steigt die Inflation höher, greifen Staffelungen, die zumindest eine Abgeltung der Teuerung vorsehen.
- Überzahlungen bleiben aufrecht – also das, was viele Beschäftigte über dem KV-Mindestgehalt bekommen.
Damit wollten die Sozialpartner Planungssicherheit schaffen: Die Beschäftigten sollten eine Perspektive auf reale Gehaltssteigerungen haben, die Unternehmen eine etwas bessere Kalkulationsbasis für zwei Jahre.
Neue Runde: Handels-KV Verhandlungen für 2026
Kaum war etwas Ruhe eingekehrt, ging es im Herbst 2025 schon wieder hoch her. Denn: Die wirtschaftliche Lage blieb angespannt, die Inflation weiterhin ein Thema – und die Erwartungen an die Handels-KV Verhandlungen waren hoch.
Zweite Runde: Noch dicke Luft
In einer der frühen Runden für den neuen Handels-KV lagen die Angebote weit auseinander. Die Arbeitgeber boten rund 2,25 % Gehaltsplus, während die Gewerkschaft etwas knapp unter der Inflationsrate forderte. Für viele Beschäftigte klang das nach: „Schon wieder weniger im Börsel, real gesehen.“
Die GPA kündigte Betriebsversammlungen an – ein klares Signal: So nicht.
Die Einigung: 2,55 % ab 1. Jänner 2026
Nach zähen Stunden am Verhandlungstisch kam schließlich Bewegung hinein. Laut aktuellen Berichten haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf folgende Eckpunkte geeinigt:
- Mindestgehälter im Handel steigen mit 1. Jänner 2026 um 2,55 %.
- Die Verhandlungen basierten auf einer Jahresinflation von rund 3 %. Das heißt: Der Abschluss liegt unter der Inflation.
- Zusätzlich wurden Änderungen im Rahmenrecht vereinbart – etwa mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und organisatorischen Regeln, die vor allem den Unternehmen wichtig waren.
Die Arbeitgeber sprechen von einem „Kompromiss angesichts der wirtschaftlichen Lage“ und einem „attraktiven Gesamtpaket“. Die Gewerkschaft betont, dass der Abschluss schwierig sei, aber unter den aktuellen Bedingungen das Maximum darstelle, das am Verhandlungstisch erreichbar war.
Was bedeutet der Handels-KV Abschluss 2026 für Beschäftigte?
Die entscheidende Frage ist natürlich: Was kommt konkret bei dir im Geldbörsel an? Das hängt – wie immer – von deiner Einstufung, deinem Beschäftigungsausmaß und eventuellen Überzahlungen ab. Trotzdem lassen sich ein paar Punkte allgemein sagen:
- Real weniger Kaufkraft: Liegt die Inflation – wie aktuell – bei rund 3 %, die Lohnerhöhung aber bei 2,55 %, dann verliert dein Gehalt real leicht an Wert. Du bekommst zwar mehr Euro, kannst dir aber insgesamt etwas weniger leisten.
- Überzahlungen bleiben wichtig: Viele Handelsangestellte haben Überzahlungen, also Gehälter über dem KV-Mindestlohn. Ob und wie stark diese angepasst werden, ist oft eine Frage von Betriebsvereinbarungen oder individueller Verhandlung.
- Lehrlinge: Auch die Lehrlingseinkommen steigen mit. In den vergangenen Verhandlungsrunden war es der GPA immer wichtig, gerade für Lehrlinge ein attraktiveres Einkommen – etwa Richtung 1.000 Euro im ersten Lehrjahr – durchzusetzen.
Wenn du im Handel arbeitest, lohnt sich ein genauer Blick auf deinen neuen Gehaltszettel ab Jänner. Oft helfen der Betriebsrat oder die Gewerkschaft mit konkreten Tabellen und Rechnern, in denen du deine Einstufung nachsehen kannst. Auf den Seiten der GPA (www.gpa.at) und des Handelsverbands (www.handelsverband.at) findest du laufend aktualisierte Infos.
Und für Händlerinnen und Händler? Planungssicherheit mit Bauchweh
Für Unternehmerinnen und Unternehmer im Handel bringt der neue Handels-KV vor allem eines: Planbarkeit. Man weiß, wie stark die Lohnkosten ab 2026 steigen, und kann diese Zahlen in die Budgetplanung einbauen.
Gleichzeitig wird klar: Die Luft bleibt dünn. Der Wettbewerb – gerade durch internationale Online-Riesen – ist enorm. Viele kleinere Händler kämpfen mit geringen Margen. Jeder zusätzliche Prozentpunkt bei den Löhnen muss irgendwie über mehr Umsatz oder bessere Produktivität verdient werden.
Der Handelsverband betont daher immer wieder, dass Wachstum und Rahmenbedingungen – etwa bei Steuern, Energiepreisen, Bürokratie – entscheidend sind, damit Betriebe die Lohnerhöhungen langfristig stemmen können.
Warum die Handels-KV Verhandlungen uns alle betreffen
Vielleicht fragst du dich: „Ich arbeite gar nicht im Handel – warum soll mich das interessieren?“
Ganz einfach: Der Handel ist eine der größten Branchen in Österreich. Wenn die Gehälter im Handel steigen oder stagnieren, hat das Folgen:
- Kaufkraft: Verdienen hunderttausende Menschen mehr oder weniger, wirkt sich das direkt auf den Konsum aus – also darauf, wie viel im Land gekauft wird.
- Preise im Geschäft: Steigen die Kosten für Unternehmen, kann das langfristig auch Preise beeinflussen.
- Arbeitsplätze: Zu hohe Kosten können Betriebe belasten, zu niedrige Löhne machen Jobs unattraktiv – beides ist gefährlich für Beschäftigung.
Die Handels-KV Verhandlungen sind daher immer auch ein Spiegel der wirtschaftlichen Stimmung im Land. Wenn es gut läuft, sind höhere Abschlüsse drinnen. Wenn die Konjunktur schwächelt, dominieren Kompromisse – wie jetzt.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Stell dir Anna vor, 32 Jahre, Verkäuferin in einem großen Modehaus in Wien, Vollzeit, seit acht Jahren im Unternehmen. Sie lebt in einer Mietwohnung, die Betriebskosten sind gestiegen, der Wocheneinkauf ist teurer, und die letzte Stromabrechnung hat sie ordentlich geschockt.
Als Anna hört, dass der neue Handels-KV Abschluss 2,55 % mehr Gehalt bringt, freut sie sich im ersten Moment: „Immerhin etwas.“ Doch als sie nachrechnet, merkt sie: Die Miete steigt, die Versicherung wird angepasst, und auch der Supermarkt dreht leicht an der Preisschraube.
Ihr bleibt am Ende des Monats vielleicht ein kleines Plus – aber der große Wurf ist es nicht. Gleichzeitig weiß sie: Wenn die Löhne viel höher angehoben würden, könnte ihr Arbeitgeber irgendwann Personal abbauen oder Filialen schließen. Sie steckt also mitten in dem Dilemma, das auch am Verhandlungstisch spürbar war.
Wie du dich informieren und wehren kannst
Ob du nun Verkäuferin, Lagerarbeiter, Lehrling oder Filialleiter bist – du musst die Beschlüsse nicht einfach hinnehmen, ohne sie zu verstehen. Du kannst:
- Deinen Gehaltszettel genau prüfen – passt die Einstufung, stimmen die neuen Beträge?
- Beim Betriebsrat nachfragen, wenn dir etwas komisch vorkommt.
- Die aktuellen KV-Tabellen auf gpa.at oder über die Wirtschaftskammer und den Handelsverband einsehen.
- Gespräche im Betrieb suchen – gerade rund um Jahresgespräche lässt sich manchmal auch individuell über Überzahlungen reden.
Und ganz wichtig: Wenn du das Gefühl hast, dass dein Lohn mit deinem Aufwand, deiner Verantwortung oder deiner Erfahrung gar nicht mehr zusammenpasst, sprich es an. Der Kollektivvertrag Handel ist das Mindestgerüst – nach oben ist immer Luft.
Fazit: Der Handels-KV zwischen Realität und Hoffnung
Die Handels-KV Verhandlungen in Österreich zeigen heuer einmal mehr, wie schwierig die Balance zwischen fairen Einkommen und wirtschaftlicher Realität ist. Die Lohnerhöhung von 2,55 % ab 1. Jänner 2026 ist ein Kompromiss: spürbar, aber unter der Inflation.
Für viele Beschäftigte bedeutet das, weiter genau rechnen zu müssen. Für Handelsbetriebe heißt es, noch stärker auf Umsatz, Effizienz und Kundenbindung zu achten.
Wie es weitergeht, hängt nicht nur von den nächsten KV-Verhandlungen im Handel ab, sondern auch von der allgemeinen Wirtschaftslage – und davon, ob Politik und Sozialpartner Wege finden, Arbeit im Handel wieder attraktiver zu machen.
Eines ist sicher: Die nächsten Runden am Verhandlungstisch kommen bestimmt. Und sie werden wieder darüber entscheiden, was sich hunderttausende Menschen in Österreich leisten können – und wie stark der Handel als Rückgrat unserer Innenstädte und Einkaufszentren bleibt.





































