Heinz Lederer: Neuer ORF-Macher zwischen Politik, PR und Power
In Österreichs Medienwelt gibt es einen neuen starken Mann: Heinz Lederer. Seit Juni 2025 ist er Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats – also jenes Gremiums, das über Programm, Budget und am Ende auch über die ORF-Chefetage entscheidet.
Doch wer ist dieser Mann, der nun so viel Einfluss auf den öffentlich‑rechtlichen Rundfunk hat? Und was bedeutet das für Gebührenzahler, Medienbranche und Politik?
Wer ist Heinz Lederer überhaupt?
Heinz Lederer ist kein Unbekannter. Der 1963 geborene Wiener ist seit Jahrzehnten in der österreichischen Kommunikations- und Medienwelt unterwegs. Er gilt als klassischer „Spin-Doktor“ – ein Mann, der Botschaften formt, Geschichten erzählt und Stimmungen lenkt.
- Geboren: 3. Jänner 1963
- Ausbildung: Kommunikation/Politik (berufliche Laufbahn in Partei & Medien)
- Familie: verheiratet, drei Söhne
- Heutiger Job: PR- und Kommunikationsberater, Agenturinhaber
Bekannt wurde er vor allem als Kommunikationschef der SPÖ in den 1990er-Jahren. Später wechselte er in die Privatwirtschaft, unter anderem als Vorstand der Libro-Onlinetochter lion.cc. Seit Mitte der 2000er-Jahre arbeitet er als PR-Berater und Lobbyist und gründete seine eigene Agentur „Lederer Communication“, die sich auf Krisenkommunikation, Stakeholder-Management und die Vermittlung zwischen Medien, Wirtschaft und Politik spezialisiert hat.
Kurz gesagt: Dieser Mann kennt alle – und alle kennen ihn.
Der Weg in den ORF-Stiftungsrat
Mit dem ORF ist Heinz Lederer schon lange verbunden. Bereits 2007 zog er erstmals in den ORF-Stiftungsrat ein, damals auf einem SPÖ-Mandat. Nach einer Pause kehrte er 2017 zurück und wurde zum Sprecher des SPÖ-nahen „Freundeskreises“ im Stiftungsrat.
Der Stiftungsrat ist so etwas wie der Aufsichtsrat des ORF. Er entscheidet unter anderem über:
- Bestellung des Generaldirektors und der Direktoren
- Budget und große Investitionen
- Programmschemata und strategische Weichenstellungen
- in „normalen Zeiten“ auch über die Höhe des ORF-Beitrags
Im Juni 2025 wurde es dann ernst: In der konstituierenden Sitzung des neuen Stiftungsrats wählten ihn die 34 Mitglieder mit 32 Stimmen – bei zwei Enthaltungen – zum Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats. Er folgt damit auf Lothar Lockl, der das Gremium verließ.
Der neue Vizevorsitzende an seiner Seite: Gregor Schütze, Sprecher der ÖVP-nahen Stiftungsräte und ebenfalls PR-Unternehmer. Ein roter Kommunikationsprofi und ein schwarzer PR-Mann an der Spitze des wichtigsten ORF-Gremiums – das sorgt natürlich für Gesprächsstoff.
Warum hat Heinz Lederer jetzt so viel Macht?
Der Stiftungsrat entscheidet ab 2026 über die nächste ORF-Führung. Und im Falle eines Stimmengleichstands entscheidet die Stimme des Vorsitzenden – also von Heinz Lederer.
Damit sitzt er in einer Schlüsselposition, wenn es um Fragen wie diese geht:
- Wer wird der nächste ORF-Generaldirektor?
- Wie stark wird gespart – und wo?
- Wie digital, wie jung, wie regional wird der ORF in Zukunft?
In Boulevard-Deutsch gesagt: Wer den Stiftungsratsvorsitz hat, hält den ORF-Schlüssel in der Hand.
Was will Heinz Lederer mit dem ORF?
In Interviews und Gesprächen zeichnet er ein klares Bild: Der ORF steht unter massivem Druck – finanziell, politisch und durch die Konkurrenz aus dem Internet. Lederer spricht von einem „heißen Sommer“ und einem „sehr hohen Sparpaket“, das auf den ORF zukommt.
Ein paar seiner zentralen Punkte:
- Keine „personellen Kahlschläge“ – also keine Massenkündigungen beim Personal.
- Mehr Service statt bloß Inkasso beim ORF-Beitrag.
- Stärkerer Fokus auf Programmqualität als Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags.
- Kampf gegen den Abfluss von Werbegeldern ins Ausland, etwa zu Google, Meta & Co.
Vor allem letzteres ist spannend: Jährlich wandern Milliarden an Werbegeldern von österreichischen Firmen zu internationalen Tech-Giganten. Lederer will hier klare Regeln und faire Konkurrenz – und damit auch bessere Rahmenbedingungen für heimische Medien.
Gebührenzahler im Fokus: Was bedeutet das für dich?
Die meisten Österreicherinnen und Österreicher interessiert vor allem eine Frage: Was passiert mit meinem ORF-Beitrag?
Der Beitrag ist derzeit gesetzlich bis 2029 fixiert. Gleichzeitig steigen Kosten für Produktion, Technik und Personal. Lederer spricht offen von „wirklich hohen Lasten“, die auf den ORF zukommen.
Was heißt das konkret?
- Der ORF muss sparen, ohne an Programmqualität zu verlieren.
- Neue Ideen wie mehr Kooperationen, effizientere Technik oder Spartensender stehen im Raum.
- Gleichzeitig sollen Arbeitsplätze möglichst gesichert bleiben.
In einfachen Worten: Mehr machen, mit weniger Geld – ein Drahtseilakt.
Politik, Freundeskreise und der Vorwurf der Einflussnahme
Rund um den ORF gibt es seit Jahren eine Grundfrage: Wie unabhängig ist der Sender wirklich von der Politik?
Heinz Lederer kommt klar aus der SPÖ-Ecke. Er war Kommunikationschef der Partei, gilt als bestens vernetzt in der Sozialdemokratie und leitet den SPÖ-nahen „Freundeskreis“ im Stiftungsrat. Gleichzeitig wird betont, dass er gute Gesprächsbasis auch zu ÖVP- und FPÖ-nahen Akteuren hat.
Kritische Stimmen stören sich daran, dass im Stiftungsrat nach wie vor parteinahe „Freundeskreise“ eine große Rolle spielen. Zwei Mitglieder enthielten sich bei seiner Wahl – unter anderem der Medienwissenschafter und Momentum-Gründer Leonhard Dobusch – mit Verweis auf diese parteipolitischen Strukturen.
Die heikle Frage lautet also: Kann ein Ex-Parteisprecher wirklich unabhängig über den ORF wachen? Befürworter sagen: Ja, weil er das System gut kennt und Kompromisse suchen kann. Kritiker sagen: Zu viel Nähe zur Politik schadet der Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Heinz Lederer als Krisenmanager
Wer sich seine Karriere ansieht, erkennt einen roten Faden: Krisenkommunikation. Ob Parteienkrisen, Firmenpleiten oder Skandale – Lederer war oft dort, wo es brennt.
Seine Agentur arbeitet seit vielen Jahren für große Unternehmen, auch für Banken und problematische Fälle, die später in Untersuchungsausschüssen landeten. Das hat ihm das Image eines knallharten, aber professionellen Krisenprofis eingebracht.
Ein ehemaliger ORF-Mitarbeiter erzählte mir einmal in einem Kaffeehaus sinngemäß: „Wenn es ungemütlich wird, rufst du Leute wie Lederer an. Der weiß, wie man eine Geschichte dreht – und wann man besser schweigt.“
Genau diese Fähigkeiten könnten im Stiftungsrat nun wichtig werden. Denn der ORF steckt mitten im Umbau: neue Finanzierungsmodelle, Digitalplattformen, politischer Druck von allen Seiten. Da braucht es jemanden, der nicht gleich nervös wird, wenn die Schlagzeilen lauter werden.
Konfliktfeld Nebenjobs und ORF-Stars
Besonders brisant: Gemeinsam mit Vize Gregor Schütze brachte Lederer den Vorschlag auf den Tisch, dass ORF-Stars einen Teil ihrer Nebenverdienste – bis zu 15 Prozent – in einen Fonds einzahlen sollen. Dieser Fonds soll anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugutekommen, etwa für Fortbildungen.
Die Botschaft dahinter ist klar:
- Mehr Treuepflicht gegenüber dem ORF
- Weniger unkontrollierte Nebenjobs
- Stärkeres Gefühl von Fairness im Unternehmen
Für die einen ist das ein sinnvoller Schritt, um Gagenstars stärker einzubinden. Für andere ist es ein Angriff auf die Freiheit der Mitarbeiter. Eines ist aber sicher: Lederer scheut nicht davor zurück, heikle Themen anzusprechen – und das gefällt nicht allen.
ORF in Zeiten von Netflix, TikTok & Co.
Wer heute 20 ist, schaut oft kein klassisches Fernsehen mehr. Netflix, YouTube, TikTok, Podcasts – das ist die neue Medienwelt. Genau hier sieht Heinz Lederer eine der größten Herausforderungen.
Der ORF soll laut seinen Aussagen:
- moderner und digitaler werden, ohne seinen Kernauftrag zu verraten
- junge Zielgruppen besser erreichen
- trotzdem verlässliche Information liefern – vor allem in Krisenzeiten
Er spricht gern davon, dass das Programm der „zentrale Kern“ des Auftrags ist. Also nicht nur Technik, Apps und Mediatheken, sondern die einfache Frage: Was läuft da eigentlich? Nachrichten, Dokus, Serien, Unterhaltung – all das wird im Stiftungsrat mitbestimmt oder zumindest abgenickt.
Was heißt das alles für die Medienlandschaft in Österreich?
Wenn man es auf den Punkt bringen will: Heinz Lederer sitzt an einer entscheidenden Schaltstelle zwischen Politik, ORF-Führung, Werbewirtschaft und den Interessen der Zuschauerinnen und Zuhörer.
Seine Entscheidungen – und jene des Stiftungsrats – werden Auswirkungen haben auf:
- die Zukunft des ORF als größtes Medienhaus des Landes
- die Konkurrenzsituation zu Privatsendern und Onlineplattformen
- die Verteilung von Werbegeldern zwischen Österreich und internationalen Konzernen
- den Umgang mit Gebühren und Sparmaßnahmen
Wer sich tiefer einlesen will, findet auf österreichischen Nachrichtenseiten wie ORF.at, derStandard.at oder Branchenportalen wie medianet.at zahlreiche Hintergrundberichte und Analysen zu seiner Person und zum ORF-Stiftungsrat.
Fazit: Mister ORF im roten Anzug
Ob man ihn mag oder nicht – Heinz Lederer ist eine der Schlüsselfiguren in der österreichischen Medienpolitik.
Er ist:
- SPÖ-nah, aber mit guten Kontakten in andere Lager
- Kommunikationsprofi mit jahrzehntelanger Erfahrung
- ORF-Insider, der das Gremium seit Jahren von innen kennt
- und nun Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats – mit allen Machtmitteln, die dieser Posten mit sich bringt
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob er den Spagat schafft zwischen Sparen und Investieren, zwischen Politik und Unabhängigkeit, zwischen Tradition und digitaler Zukunft.
Und du? Was erwartest du dir vom ORF unter einem Stiftungsratschef wie Heinz Lederer? Mehr Qualität? Weniger Politik? Oder einfach nur, dass am Abend eine gute Sendung läuft? Eins ist sicher: Langweilig wird es nicht.





































