Radstadt trauert: Wer Katharina Prommegger wirklich war
Ein schwarzer Tag für Radstadt
In Radstadt herrscht Trauer. Die Bürgermeisterin Katharina Prommegger ist nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Die Nachricht ging am Mittwochvormittag durch den Salzburger Landtag – die Sitzung begann mit einer Schweigeminute für die 56-jährige Stadtchefin.
Katharina Prommegger war nicht nur Bürgermeisterin von Radstadt, sie war auch Mutter, Unternehmerin und die erste Frau an der Spitze der Pongauer Stadtgemeinde. In kurzer Zeit ist sie zur prägenden Figur der Stadt geworden.
Wer war Katharina Prommegger?
Katharina Prommegger, geboren 1969, war ein echtes Radstädter Gesicht. Seit rund zehn Jahren war sie in der Gemeindepolitik aktiv, bevor sie 2023 zur Bürgermeisterin gewählt wurde.
Was viele besonders beeindruckt hat: Sie war keine klassische Berufspolitikerin. Sie kam aus dem Alltag der Menschen.
- Alter: 56 Jahre
- Funktion: Bürgermeisterin von Radstadt (ÖVP)
- Seit 2023 im Amt, 2024 von den Bürgerinnen und Bürgern bestätigt
- Beruf: Unternehmerin im Bereich Kosmetik, Massage, medizinische Fußpflege
- Familie: Mutter von drei Kindern
Sie führte ein Kosmetikstudio in Radstadt und kannte dadurch die Sorgen und Geschichten vieler Menschen im Ort – beim Gespräch im Behandlungsstuhl, beim Kaffee danach, im schnellen Tratsch am Stadtplatz.
Vom Kosmetikstudio ins Bürgermeisterbüro
Der Schritt in die Politik war für viele überraschend, für sie selbst aber offenbar ein Herzenswunsch: mitgestalten statt nur zusehen.
2023 trat der damalige Bürgermeister Christian Pewny ab, um Landesrat zu werden. In der Gemeindevertretung wurde dann Katharina Prommegger zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Sie rückte damit mitten hinein in die erste Reihe der Lokalpolitik.
Medien berichteten damals, dass sie scherzhaft meinte, für die Kosmetik bleibe jetzt „wenig Zeit“. Hinter dem Schmäh steckte aber viel Ernst: Sie wusste genau, dass das Amt als Bürgermeisterin kein gemütlicher Nebenjob ist.
Für Radstadt bedeutete diese Wahl:
- Die erste Bürgermeisterin in der Geschichte der Stadt
- Ein Wechsel von einem FPÖ-Bürgermeister zu einer ÖVP-Bürgermeisterin
- Eine Stadtchefin, die direkt aus dem Berufs- und Familienleben kam
2024 bestätigten die Bürgerinnen und Bürger von Radstadt sie bei der Bürgermeisterwahl mit einer soliden Mehrheit im Amt. Ein klares Zeichen: Die Menschen stellten sich hinter ihre neue Stadtchefin.
Was ihr in Radstadt wichtig war
In Interviews und Berichten wurde rasch klar, welche Themen Katharina Prommegger besonders am Herzen lagen. Es waren nicht die großen, abstrakten Schlagworte, sondern ganz konkrete Dinge vor Ort.
Seniorenheim und Pflege
Ein großes Anliegen war der Ausbau des Seniorenheims. In Zeiten, in denen viele Familien Betreuung kaum alleine stemmen können, sind Pflegeplätze Gold wert.
Sie wollte, dass ältere Menschen in Radstadt bleiben können, in ihrem gewohnten Umfeld, in der Nähe von Familie und Freunden. Nicht irgendwo weit weg, nur weil dort gerade ein Platz frei ist.
Kinderbetreuung und Familien
Als Mutter von drei Kindern wusste sie, wie herausfordernd es sein kann, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Kein Wunder also, dass sie sich stark bei der örtlichen Kinderbetreuung engagierte.
Mehr Plätze, längere Öffnungszeiten, bessere Angebote – solche Forderungen klingen trocken, sind aber für viele Eltern im Alltag entscheidend. Wer keinen Platz im Kindergarten oder in der Nachmittagsbetreuung bekommt, muss oft Arbeitszeit reduzieren oder ganz daheim bleiben.
Sportzentrum und Infrastruktur
Auch ein geplantes Sportzentrum in Radstadt lag ihr am Herzen. Ein Ort, an dem sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene bewegen, treffen und gemeinsam Zeit verbringen können.
Wegen steigender Kosten wurde das Projekt zwar nach hinten geschoben, doch sie hielt daran fest. Der Plan: Fertigstellung in einigen Jahren, sobald die Finanzierung gesichert ist. Solche Vorhaben zeigen, dass sie nicht nur an heute, sondern auch an morgen gedacht hat.
Bildung und besondere Kinder
Bei Terminen etwa in der Sonderschule in Radstadt sprach sie offen darüber, wie wichtig ihr Bildung für alle Kinder ist. Kein Kind solle „verloren gehen“, nur weil es besondere Bedürfnisse hat.
Gerade in einer ländlichen Region wie dem Pongau ist das keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Engagement, damit solche Schulen gut ausgestattet sind und im Bewusstsein der Bevölkerung bleiben.
„Eine von uns“ – warum sie so viele berührt hat
Was hat Katharina Prommegger so besonders gemacht? Wenn man mit Menschen in Radstadt spricht, fällt immer wieder derselbe Satz: „Sie war eine von uns.“
Sie stand im Supermarkt in derselben Schlange, sie fuhr mit den Kindern zu Terminen, sie kämpfte wie viele andere mit der Zeit zwischen Job, Familie und Verpflichtungen.
Gerade deshalb wirkte sie für viele glaubwürdig. Wer selbst einmal am Abend noch schnell im Studio staubsaugt oder am Wochenende Rechnungen sortiert, hat ein anderes Verständnis für jene, die jeden Cent umdrehen müssen.
Politik zum Angreifen
Politik kann schnell abstrakt werden: Beschlüsse, Ausschüsse, Budgets. Katharina Prommegger holte das alles herunter auf den Boden:
- Straßen, die repariert werden müssen
- Vereine, die Unterstützung brauchen
- Familien, denen Kinderbetreuungsplätze fehlen
- Seniorinnen und Senioren, die sich Sorgen um Pflege machen
Solche Themen sind nah dran an der Lebensrealität. Vielleicht war genau das ihr Erfolgsrezept.
Der Kampf gegen die Krankheit
Öffentlich wurde lange nur wenig über ihre Krankheit bekannt. Klar ist: Sie kämpfte über einen längeren Zeitraum gegen eine schwere, letztlich tödliche Erkrankung.
Trotzdem blieb sie – soweit es ging – im Amt, nahm Termine wahr, führte Gespräche, arbeitete mit ihrem Team weiter. Wer schon einmal in der Familie eine längere Krankheitsgeschichte miterlebt hat, weiß, was das bedeutet: Jeder Schritt wird schwerer, jeder Tag ist unberechenbar.
Dass sie in dieser Zeit weiterhin Verantwortung für eine ganze Stadt trug, zeigt viel von ihrem Pflichtgefühl. Am Ende aber verlor sie den Kampf.
Die Reaktionen: Trauer und Dankbarkeit
Im Salzburger Landtag erhoben sich am Mittwoch alle Abgeordneten zu einer Schweigeminute. Politikerinnen und Politiker unterschiedlichster Parteien drückten ihre Anteilnahme aus.
Die Landeshauptfrau sprach von einem viel zu frühen Tod. Kolleginnen und Kollegen hoben hervor, wie engagiert und bodenständig Katharina Prommegger gewesen sei.
Auch in Radstadt selbst ist die Betroffenheit groß. In Gesprächen hört man oft Sätze wie:
- „So jung, das ist einfach tragisch.“
- „Sie hat wirklich noch viel vorgehabt.“
- „Sie hat Radstadt gutgetan.“
Solche Reaktionen zeigen, dass es hier nicht nur um eine Funktion geht, sondern um einen Menschen, der Lücken hinterlässt – in der Familie, im Freundeskreis, in der Stadt.
Was bleibt von ihrer Arbeit?
Wenn eine Bürgermeisterin mitten aus dem Leben gerissen wird, stellt sich automatisch die Frage: Was bleibt?
Zum einen bleiben ihre Projekte:
- Pläne für den Ausbau des Seniorenheims
- Verbesserungen in der Kinderbetreuung
- Die Vision eines modernen Sportzentrums
- Ihr Einsatz für Bildung und besondere Kinder
Zum anderen bleibt aber auch eine Haltung: Politik muss nicht abgehoben und unnahbar sein. Eine Bürgermeisterin kann Kosmetikerin sein, Mutter, Unternehmerin – und trotzdem (oder gerade deshalb) eine Stadt führen.
Vielleicht ermutigt ihr Weg auch andere Frauen und Männer aus dem Pongau, sich zu engagieren. In der Gemeindevertretung, im Verein, im Elternbeirat. Lokalpolitik beginnt oft mit einem einfachen Satz: „Da will ich mitreden.“
Wie geht es jetzt weiter in Radstadt?
Nach dem Tod einer amtierenden Bürgermeisterin greifen klare gesetzliche Abläufe. Die Gemeindevertretung und die Stadtverwaltung müssen rasch klären, wer die Geschäfte vorübergehend führt und wie die Nachfolge geregelt wird.
Für die Bürgerinnen und Bürger ist aber noch etwas anderes wichtig: Dass Projekte weiterlaufen und die Stadt handlungsfähig bleibt. Viele werden genau hinschauen, wie respektvoll nun mit dem politischen Erbe von Katharina Prommegger umgegangen wird.
Wer auch immer ihr nachfolgt, übernimmt kein leichtes Amt. Die Erwartungen sind hoch, die Emotionen stark, die Trauer frisch. Gleichzeitig ist es eine Chance, ihre Linie fortzuführen – bodenständig, bürgernah, mit offenem Ohr für die Menschen.
Ein persönlicher Blick: Warum uns ihr Tod so nahe geht
Wenn wir in den Nachrichten vom Tod einer Politikerin hören, wirkt das manchmal weit weg. Bei Katharina Prommegger ist das anders. Sie war keine ferne Figur aus Wien oder Brüssel, sie war die Frau, der man beim Bäcker begegnet ist.
Vielleicht kennen Sie das auch: Ein persönliches Gespräch, ein gemeinsames Projekt, ein kurzer Moment bei einer Veranstaltung. Solche Erinnerungen tauchen gerade jetzt wieder auf.
Der Tod erinnert uns daran, wie schnell alles vorbei sein kann – auch bei Menschen, die mitten im Leben stehen, mit Plänen, Terminen, To-do-Listen. Für ihre Familie ist es ein tiefer Einschnitt, für ihre Freunde ein Schock, für Radstadt ein echter Verlust.
Abschied von einer Bürgermeisterin, die Spuren hinterlässt
Radstadt trauert um seine Bürgermeisterin. Doch Trauer heißt auch: dankbar zurückschauen.
Katharina Prommegger hat in kurzer Zeit viel bewegt. Sie hat gezeigt, dass eine Bürgermeisterin nicht perfekt sein muss, aber ehrlich, fleißig und nahbar. Sie hat Verantwortung übernommen, während sie zugleich mit einer schweren Krankheit kämpfte.
Am Ende bleiben ein Name, eine Geschichte – und eine Stadt, die sagen kann: „Sie war eine von uns.“
Mehr offizielle Informationen zur Stadt Radstadt und zur Funktion der Bürgermeisterin finden Sie auf der Homepage der Stadtgemeinde Radstadt.




































