Mikaela Shiffrin im Riesentorlauf: Vom Ski-Wunder zur Rätsel-Queen
Wenn irgendwo auf der Welt ein Riesentorlauf im Weltcup angesetzt ist, fällt fast automatisch ein Name: Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin hat die Szene jahrelang dominiert – auch in Österreich. Doch zuletzt sorgt sie im RTL eher für Fragezeichen als für Jubelstürme.
Shiffrin und der Riesentorlauf – eine große Liebe mit Dellen
Viele Fans in Österreich erinnern sich noch gut: In Sölden hat Shiffrin schon für Gänsehaut gesorgt. Legendär ist etwa die Saison 2014/15, als sie sich den Sieg auf dem Rettenbachferner mit Anna Veith teilte – ein Moment, über den hierzulande heute noch gesprochen wird.
Aktuell sind die Schlagzeilen aber andere:
- In Sölden 2024 verspielt sie eine Halbzeitführung und landet „nur“ auf Platz fünf (Bericht bei Eurosport).
- Beim Killington-Riesentorlauf fliegt sie aus dem Rennen, der Traum vom 100. Weltcupsieg platzt vorerst (oe24).
- In Sestriere verpasst sie sogar das Finale – das gab es für sie im Riesentorlauf seit 2012 nicht mehr (Sky Sport).
- Beim neuesten Riesentorlauf in Copper Mountain reicht es nur zu Platz 14, während Alice Robinson gewinnt (Reuters).
Aus der einst unantastbaren Riesentorlauf-Königin ist plötzlich eine Athletin geworden, bei der man sich fragt: Was ist mit Shiffrin los?
Verletzung, Druck, Rekorde – wie viele Lasten kann eine Athletin tragen?
Um Shiffrins aktuelle RTL-Form zu verstehen, muss man ein paar Schritte zurückgehen. Die Amerikanerin ist längst mehr als nur eine Skifahrerin. Sie ist eine Marke, ein Weltrekord auf zwei Brettern, ein Dauer-Thema in jedem Weltcup-Winter.
Schon 2023 schrieb sie Geschichte: Mit einem Sieg im Riesentorlauf von Kronplatz holte sie ihren 83. Weltcuperfolg und wurde damit alleinige Rekordhalterin im Frauen-Skiweltcup (Puls 24). Jeder weitere Start, jeder Riesentorlauf, jede Torstange bringt seither eine Frage mit sich: Kommt heute der nächste Rekord?
Dazu kommen Verletzungen und Rückschläge. Nach einem schweren Sturz und längerer Pause versucht Shiffrin, Schritt für Schritt wieder dorthin zu kommen, wo sie jahrelang war: ganz oben. Dass das gerade im Riesentorlauf nicht auf Knopfdruck klappt, ist logisch – auch wenn es auf den ersten Blick überraschend wirkt.
Der Riesentorlauf – die „Königsdisziplin“ für Technik-Freaks
Für viele Fans ist „RTL“ einfach ein weiterer Bewerb im Kalender. Für die Athletinnen ist der Riesentorlauf aber oft die echte Königsdisziplin im Technikbereich.
Was macht den Riesentorlauf so besonders?
- Weitere Tore: Größere Radien, mehr Tempo als im Slalom.
- Hohe Geschwindigkeit: Fehler verzeiht der Riesentorlauf kaum – wer einmal zu spät ist, fährt der Ideallinie hinterher.
- Balance aus Risiko und Kontrolle: Zu viel Sicherheit kostet Zeit, zu viel Risiko endet im Ausfall.
Genau in dieser Disziplin war Shiffrin lange das Maß aller Dinge. Sie fuhr wie auf Schienen, mit einer Mischung aus Präzision und Angriff, die kaum jemand kopieren konnte. Wenn sie mit halber Sekunde Vorsprung in den 2. Lauf ging, haben viele den Fernseher eigentlich schon abschalten können – Sieg gebucht.
Und jetzt? Jetzt wirkt es oft so, als würde sie um jede Torfahrt kämpfen. Ein bisschen so, wie wenn man nach Jahren wieder aufs Rad steigt: Man kann es noch, aber es fühlt sich nicht mehr so locker an wie früher.
Österreich schaut genau hin – und jubelt inzwischen anderen
Aus österreichischer Sicht ist das Ganze doppelt spannend. Denn während Shiffrin im Riesentorlauf schwächelt, erleben andere Fahrerinnen ihren großen Moment. Besonders eindrucksvoll: Julia Scheib.
Die Steirerin holte am 25. Oktober 2025 in Sölden einen Sieg, der fast schon historisch war: Nach fast zehn Jahren ohne ÖSV-Erfolg im RTL beendete sie die österreichische Durststrecke und gewann vor Paula Moltzan und Lara Gut-Behrami (Salzburger Nachrichten). Da denkt man automatisch zurück an 2014, als Anna Veith und Shiffrin zeitgleich triumphierten – nur diesmal steht Shiffrin nicht ganz oben, sondern eher im Schatten.
Für die österreichischen Fans ist das ein Geschenk: Endlich wieder eine ÖSV-Siegerin im Riesentorlauf – und das ausgerechnet in einem Rennen, in dem sonst Shiffrin oft für Glanz sorgte.
Vom Überflieger zur Angreiferin – Shiffrins neue Rolle
Spannend ist vor allem eines: Die Rollen haben sich verschoben. Jahrelang jagten alle Shiffrin. Heute jagt Shiffrin die anderen. Namen wie Federica Brignone, Lara Gut-Behrami oder Alice Robinson bestimmen aktuell viele Riesentorlauf-Ergebnislisten. Shiffrin ist mittendrin, aber nicht mehr automatisch davor.
Beim jüngsten Riesentorlauf in Copper Mountain zum Beispiel nutzte Robinson ihre starke Halbzeitführung und gewann das Rennen, während Shiffrin nach einem schwachen ersten Lauf nur auf Rang 14 landete (Reuters). Vor ein paar Jahren wäre das fast undenkbar gewesen.
Emotionen statt Übermacht – warum Fans Shiffrin jetzt anders sehen
Wer Shiffrin in den letzten Monaten beobachtet hat, sieht eine Athletin, die kämpft – nicht nur gegen die Uhr, sondern auch mit sich selbst. Tränen nach schwachen Riesentorläufen, sichtbare Enttäuschung im Ziel, viel Selbstkritik. Medien in Österreich berichten immer wieder über diese Szenen, etwa nach ihrem schweren Comeback im Riesentorlauf, als sie weit hinter den Erwartungen ins Ziel kam und die Emotionen hochkochten (Heute).
Und genau das macht sie vielleicht menschlicher. Früher war Shiffrin die perfekte Skimaschine: Start – Bestzeit – Siegerinterview. Jetzt wirkt sie greifbarer. Sie hat schlechte Tage, Rückschläge, Unsicherheit. Kurz gesagt: Sie erlebt das, was viele Sportlerinnen und Sportler ihr ganzes Leben lang spüren – nur unter einem riesigen Scheinwerfer.
Perspektive Olympia – zählt am Ende nur Gold?
Ein weiterer Faktor, der immer mitschwingt: Olympia Milano-Cortina rückt näher. Auf dem Weg dorthin wird jeder Riesentorlauf genau seziert. Ist Shiffrin bereit? Kommt sie rechtzeitig in Form? Oder hebt sie sich das große Comeback für die Spiele auf?
Für Fans in Österreich ist das ein spannender Mix: Man fiebert mit den eigenen Fahrerinnen wie Scheib mit, verfolgt aber gleichzeitig neugierig, ob und wie Shiffrin im Riesentorlauf zurückschlägt. Gerade weil Österreich immer wieder Austragungsort wichtiger Riesentorläufe ist – von Sölden bis Lienz – bleibt Shiffrin hier ein Dauer-Thema.
Warum der Riesentorlauf mit Shiffrin einfach spannender bleibt
Man kann Mikaela Shiffrin mögen oder nicht – aber eines ist klar: Mit ihr ist jeder Riesentorlauf spannender. Entweder, weil sie alle deklassiert. Oder, wie zuletzt, weil sie plötzlich angreifbar ist. Beides sorgt für Gesprächsstoff, von der Skihütte bis zum Stammtisch.
Was uns in den nächsten RTL-Rennen erwartet
- Shiffrin unter Beobachtung: Jeder Lauf, jede Zwischenzeit wird analysiert.
- Neue Stars im RTL: Robinson, Brignone, Gut-Behrami – die Liste der Sieganwärterinnen ist lang.
- ÖSV-Frauen im Aufwind: Nach dem Scheib-Sieg in Sölden darf Österreich wieder träumen.
Ob Shiffrin noch einmal zur alten Riesentorlauf-Dominanz zurückkehrt, weiß niemand. Aber genau diese Ungewissheit macht den Weltcup derzeit so interessant. Die Riesentorlauf-Geschichte von Mikaela Shiffrin ist nämlich noch lange nicht zu Ende – sie hat nur ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Fazit: Shiffrin bleibt der Maßstab – auch im Krisenmodus
Ja, die Resultate im Riesentorlauf sind aktuell nicht das, was man sich vom größten Ski-Star der Welt erwartet. Aber man darf nicht vergessen: Shiffrin hat Rekorde aufgestellt, von denen andere nur träumen. Sie hat bewiesen, dass sie jede Disziplin gewinnen kann – und das immer wieder.
Vielleicht ist es gerade diese Phase, in der sie struggelt, die am Ende ihre Geschichte komplett macht. Vom Wunderkind zur Rekordjägerin, von der Überfliegerin zur Kämpferin. Und wer weiß: Vielleicht stehen wir in ein, zwei Jahren wieder in Sölden oder Lienz am Pistenrand und sagen: „Weißt du noch, damals, als alle dachten, Shiffrin ist im Riesentorlauf fertig?“
Eines ist sicher: Solange Mikaela Shiffrin im Starthaus steht, bleibt jeder Riesentorlauf ein Ereignis.





































