Anja Windl vor Gericht: Was hinter der Klima-Shakira steckt
Wer ist Anja Windl überhaupt?
Anja Windl – vielen nur als „Klima-Shakira“ bekannt – ist wohl das bekannteste Gesicht der Klimaproteste in Österreich. Die gebürtige Niederbayerin lebt seit 2017 in Klagenfurt, studiert Psychologie und wurde durch die Aktionen der Gruppe „Letzte Generation“ zur Dauergestalt in den Nachrichten.
Fast jeder in Österreich hat schon einmal ein Foto von ihr gesehen: lange blonde Haare, Warnweste, oft auf der Straße sitzend. Medien wie die „Krone“ oder „Heute“ nennen sie „Klima-Shakira“, weil ihre Haare an den Popstar erinnern – und weil sie genauso präsent in den Schlagzeilen ist.
Doch wer ist diese Frau wirklich? Und warum droht ihr jetzt sogar ein Aufenthaltsverbot in Österreich?
Vom Dorf in Bayern auf die Straßen Österreichs
Anja Windl ist 1997 in Niederbayern geboren. Aufgewachsen ist sie in einer Großfamilie mit mehreren Geschwistern. Schon früh, so erzählt sie in Interviews, habe sie sich für Tiere und Umwelt interessiert. Seit ihrem zehnten Lebensjahr lebt sie vegetarisch, später vegan.
Sie selbst beschreibt sich gern als das „schwarze Schaf“ der Familie. Während andere vielleicht lieber Ruhe haben wollen, sucht sie offen die Auseinandersetzung – mit Politik, mit Konzernen, mit dem System.
Nach der Matura zieht sie nach Österreich, nach Klagenfurt, um Psychologie zu studieren. Dort kommt sie mit Klimabewegungen in Kontakt, zuerst mit Fridays for Future, später mit der radikaleren Gruppe „Letzte Generation“.
Der Einstieg in den Klimaprotest
Ab 2022 ist Anja Windl regelmäßig bei Aktionen der Letzten Generation dabei. Sie blockiert Straßen in Wien, Graz, Innsbruck, klebt sich fest, hält Schilder hoch, spricht mit Autofahrern, mit der Polizei, mit Kamerateams.
Laut eigenen Angaben kann sie schon gar nicht mehr zählen, wie oft sie sich auf die Straße geklebt hat. Medienberichte sprechen von mehr als einem Dutzend Blockaden.
Ihr Ziel:
- mehr Tempo beim Klimaschutz
- Abkehr von fossilen Energien
- Erfüllung der Ziele des Pariser Klimaabkommens
Sie sagt sinngemäß immer wieder: Wenn jetzt nichts passiert, werden in Zukunft „Milliarden Menschen sterben“. Für viele klingt das übertrieben – für sie ist es eine nüchterne Folge der Klimakrise.
Wie aus Anja Windl die „Klima-Shakira“ wurde
Den Spitznamen hat sie sich nicht selbst ausgesucht. Eine große Gratis-Boulevardzeitung in Österreich taufte sie so – wegen ihrer auffälligen Haare und ihrer ständigen Präsenz auf Protestfotos.
Aus PR-Sicht ist das ein Geschenk: Ein Name wie „Klima-Shakira“ bleibt hängen. Plötzlich berichten nicht nur Politikressorts über sie, sondern auch Society- und Boulevardspalten. Aus der Aktivistin wird eine Figur, fast schon eine Marke.
Doch dieser Spitzname hat zwei Seiten:
- Für Unterstützer: Sie wird zum Symbol für zivilen Ungehorsam und Klimaschutz.
- Für Kritiker: Sie ist das Gesicht einer nervigen, überzogenen Protestform.
Genau diese Mischung macht sie für Medien so interessant – und für Behörden so unbequem.
Die umstrittensten Aktionen von Anja Windl
Straßenblockaden und Klebeaktionen
Bekannt wurde Anja Windl vor allem durch Blockaden innerstädtischer Straßen. Sie sitzt mit anderen Aktivistinnen mitten auf der Fahrbahn, klebt ihre Hände fest, lässt sich von der Polizei wegtragen.
Wer im Stau steht, ist sauer: Pendler kommen zu spät in die Arbeit, Lieferanten hängen fest, Rettungswege werden diskutiert. Genau diese Wut ist Teil der Strategie – Protest, der niemanden stört, landet selten in der Zeitung.
Speiseöl auf der Fahrbahn
In Wien sorgte eine Aktion für Schlagzeilen, bei der gefärbtes Speiseöl auf einer Straße verschüttet wurde. Interessantes Detail: Der Verkehr stand Berichten zufolge schon vor der Aktion still. Trotzdem schlugen Emotionen hoch, weil Bilder von rutschigen Fahrbahnen und blockierten Autos stark wirken.
Hundekot an der ÖVP-Zentrale
Im Jänner 2025 ging Anja Windl noch einen Schritt weiter. Bei einem Protest gegen die Koalitionsverhandlungen von ÖVP und FPÖ wurden die Fassade und der Eingangsbereich der ÖVP-Parteizentrale in Wien mit Hundekot beschmiert. Dazu die Schriftzüge:
- „Hier stinkts nach brauner Scheisse“
- „Ihr stinkt nach brauner Scheisse“
Für viele war das die Grenze des guten Geschmacks – und auch rechtlich ein klarer Fall von Sachbeschädigung und Beleidigung. Für sie selbst war es eine starke symbolische Aktion gegen eine aus ihrer Sicht „rechte“ Politik.
Diese Aktion spielt heute eine zentrale Rolle im fremdenrechtlichen Verfahren gegen sie.
Haft, Geldstrafen und ein Esel im Internet
Klimaproteste sind selten gratis. Auch Anja Windl hat bereits eine lange Liste an Verwaltungsstrafen angesammelt – vor allem wegen Blockaden.
Ersatzfreiheitsstrafe in Klagenfurt
Weil sie einige dieser Geldstrafen nicht bezahlen konnte oder wollte, landete sie Anfang 2025 im Gefängnis: In Klagenfurt verbüßte sie eine sechswöchige Ersatzfreiheitsstrafe. Mitte Februar wurde sie wieder entlassen, nachdem Unterstützer über eine Spendenkampagne Geld gesammelt hatten.
Bekannte Medien wie der ORF und regionale Portale berichteten ausführlich darüber. Die Geschichte: Die „Klima-Shakira“, gesundheitlich angeschlagen, wird aus der Haft quasi „freigekauft“.
Der Haftbescheid für den Esel
Ein anderes Detail zeigt ihren provokanten Stil: In einem Instagram-Video füttert sie eine Eselin namens „Lara“ mit einem amtlichen Haftbescheid. Während das Tier gemütlich kaut, kommentiert sie lachend, dass „Primärarrest essen legitim“ sei.
Für Fans ist das frech und kreativ, für Gegner respektlos gegenüber Behörden. Für Algorithmen auf Social Media ist es vor allem eines: hochviral.
Aufenthaltsverbot: Darf sie in Österreich bleiben?
Und jetzt wird es richtig ernst. Im März 2025 verhängte das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) ein zweijähriges Aufenthaltsverbot gegen Anja Windl.
Die Begründung:
- „massiv querulatorische Neigung“
- „weitreichende Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung“
Kurz gesagt: Die Behörden sehen in ihr eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Auch ihre Aktion mit dem Hundekot und verschiedene Aussagen werden angeführt.
Ihr Anwalt und zahlreiche Unterstützer – von Juristen über Uni-Professoren bis hin zu Umweltorganisationen – halten das für völlig überzogen. Sie argumentieren:
- Ihre Delikte seien nicht „schwer genug“, um ein Aufenthaltsverbot zu rechtfertigen.
- Sie sei in Österreich strafrechtlich nicht vorbestraft.
- Es handle sich um zivilen Ungehorsam, nicht um Gewalt.
Die Verhandlung in Graz
Gegen das Aufenthaltsverbot hat ihr Anwalt Beschwerde eingebracht. Genau darüber verhandelt nun das Bundesverwaltungsgericht in Graz.
Die Frage: Darf Anja Windl in Österreich bleiben – oder muss sie gehen?
Damit wird ihr persönlicher Fall zum Präzedenzfall für die gesamte Klimabewegung:
- Wie weit darf ziviler Ungehorsam gehen?
- Ab wann gilt jemand als Gefahr für die öffentliche Ordnung?
- Und soll Klimaprotest über das Fremdenrecht „gelöst“ werden?
Heldin, Nervensäge oder Gefahr? Warum sie so polarisiert
Rund um Anja Windl prallen Meinungen aufeinander wie bei kaum einer anderen Aktivistin in Österreich.
So sehen sie ihre Unterstützer
Für viele Klimaschützer ist sie eine Mutige, die das ausspricht, was andere verdrängen. Sie wirft sich buchstäblich auf die Straße, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Ihre Botschaft: Wir leben auf Kosten der Zukunft unserer Kinder.
Typische Argumente ihrer Fans:
- „Ohne Druck bewegt sich in der Politik nichts.“
- „Klimaschutz ist wichtiger als Pünktlichkeit im Frühverkehr.“
- „Sie nimmt Strafen und Haft in Kauf, um etwas Größeres zu schützen.“
So sehen sie ihre Kritiker
Auf der anderen Seite stehen jene, die von „Klima-Extremisten“, „Klebeterror“ und „Erpressung der Gesellschaft“ sprechen. Sie fühlen sich in ihrem Alltag massiv eingeschränkt – oder haben grundsätzlich ein Problem mit radikalem Protest.
Typische Vorwürfe:
- Sie gefährde Rettungswege und damit Menschenleben.
- Sie schade der Akzeptanz von Umweltschutz.
- Sie habe keinen Respekt vor Gesetzen, Polizei und demokratischen Prozessen.
Kurz gesagt: Anja Windl ist für viele entweder Symbolfigur für Klimaschutz – oder Symbolfigur für nervige Blockaden.
Was die Causa Windl über Österreich verrät
Wenn man ehrlich ist, geht es bei der Diskussion um Anja Windl längst nicht mehr nur um eine einzelne Aktivistin. Ihr Name steht für eine viel größere Frage: Wie radikal darf Protest in einer Demokratie sein?
Ein paar Gedanken dazu:
- Klimakrise: Die Fakten sind klar, die Zeit drängt. Viele fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.
- Protestformen: Demos am Ring am Samstag sind erlaubt – aber oft wirkungslos. Radikalere Aktionen erzeugen Druck, aber auch Hass.
- Rechtsstaat: Der Staat muss die öffentliche Ordnung schützen, darf aber Grundrechte wie Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit nicht aushebeln.
Gerade beim Aufenthaltsverbot wird sich zeigen, wie Österreich diese Balance zieht. Wird hier ein starkes Signal gegen Klimaproteste gesetzt – oder entscheidet das Gericht, dass zivilgesellschaftlicher Protest, so nervig er auch sein mag, nicht über das Fremdenrecht bestraft werden darf?
Was bleibt: Mehr als nur ein Spitzname
Ob man Anja Windl mag oder nicht – sie hat eines geschafft: Ganz Österreich redet über sie und über Klimaschutz.
Sie selbst sagt, sie wolle in 20 Jahren noch in den Spiegel schauen können. Für sie bedeutet das: heute unbequem sein, damit die Welt morgen noch lebenswert ist.
Vielleicht lohnt es sich, sich das einmal ehrlich zu fragen:
Was wäre mir persönlich wichtiger – freie Fahrt zur Arbeit oder eine ernsthaft entschlossene Klimapolitik?
Natürlich muss es nicht entweder oder sein. Aber solange die Politik bei vielen Maßnahmen zögert, werden Menschen wie Anja Windl wohl weiter Grenzen austesten.
Und die nächste Schlagzeile über die „Klima-Shakira“ kommt bestimmt.
Weiterführende Informationen
Wenn du dich selbst ein Bild machen willst, findest du hier einige Quellen und Hintergründe:
- Porträt über Anja Windl bei News.at
- Berichte zu ihren Verfahren und Protesten bei ORF Kärnten und VOL.AT
- Allgemeine Infos zur Gruppe „Letzte Generation“ auf Wikipedia
So kannst du dir deine eigene Meinung bilden – jenseits von Schlagworten wie „Klima-Shakira“ oder „Klimaterror“.





































