Legionellen in Österreichs Leitungen: Wie gefährlich ist Ihre Dusche?
In Vorarlberg hat es erst vor Kurzem einen großen Legionellen-Ausbruch gegeben: Rund 40 Menschen erkrankten, viele davon mussten ins Spital, einige sogar auf die Intensivstation. Als wahrscheinliche Ursache gilt ein Kühlturm eines Betriebs im Raum Bregenz. Plötzlich war ein unsichtbares Bakterium Thema in allen Nachrichten – und viele fragen sich seitdem: Wie sicher ist mein eigenes Wasser aus der Leitung?
Genau darum geht es in diesem Artikel. In einfacher Sprache, ohne Fachchinesisch – aber mit allen Infos, die Sie wirklich brauchen.
Was sind Legionellen überhaupt?
Legionellen sind Bakterien, die im Wasser leben. Das klingt harmlos – ist es aber nicht immer. Gefährlich werden sie, wenn sie sich stark vermehren und mit dem Wasser feine Tröpfchen bilden, die wir einatmen. Das passiert vor allem beim Duschen, in Whirlpools, bei Nebelduschen oder auch an Kühltürmen von Betrieben.
Trinkt man Legionellen, passiert meistens nichts. Problematisch ist die Luft, nicht das Glas Wasser.
Welche Krankheit lösen Legionellen aus?
Legionellen können zwei Krankheitsbilder verursachen:
- Legionärskrankheit: eine schwere Lungenentzündung, die lebensgefährlich sein kann.
- Pontiac-Fieber: eher grippeähnlich, meist milder, aber trotzdem unangenehm.
Besonders gefährdet sind:
- ältere Menschen
- Raucherinnen und Raucher
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem
- chronisch Lungenkranke
Warum sind Legionellen in Österreich jetzt ein Thema?
Österreich hat eigentlich sehr gutes Trinkwasser. Das wird immer wieder betont – etwa von Gebäudetechnik-Firmen und Behörden. Trotzdem steigen die gemeldeten Legionellen-Erkrankungen. Fachleute sagen, das Risiko wird in Österreich oft unterschätzt – sogar von Profis.
Drei Gründe, warum das Thema gerade jetzt so präsent ist:
- Der Ausbruch in Vorarlberg: Der größte bekannte Legionellen-Ausbruch in Österreich hat gezeigt, wie schnell es viele Menschen treffen kann, wenn eine Anlage nicht optimal funktioniert.
- Der Klimawandel: Wärmere Temperaturen begünstigen die Vermehrung der Bakterien im Wasser.
- Komplexe Gebäudetechnik: Große Wohnanlagen, Hotels, Kühlanlagen – überall dort kann es zu Problemen kommen, wenn Wartung und Temperatur nicht passen.
Ab welcher Temperatur werden Legionellen gefährlich?
Hier wird es wichtig – und gleichzeitig ganz einfach zu merken:
- Unter 20–25 °C: Legionellen fühlen sich nicht sehr wohl, sie vermehren sich kaum.
- Ab ca. 25 °C: Sie legen richtig los – die Vermehrung läuft auf Hochtouren.
- Über 50–55 °C: Sie werden gebremst oder sterben langsam ab.
- Ab ca. 60 °C: Legionellen haben kaum mehr eine Chance.
Experten empfehlen für Gebäude in Österreich: Warmwasserleitung mindestens 55 °C, Speicher oder Boiler mindestens 60 °C. Gleichzeitig sollte das Kaltwasser möglichst unter 20–25 °C bleiben.
Wo lauert die Legionellengefahr im Alltag?
Vielleicht denken Sie jetzt: „Bei mir daheim ist sicher alles in Ordnung.“ Das kann stimmen – muss aber nicht. Typische Risiken sind:
1. Selten genutzte Duschen und Leitungen
Steht Wasser lange in der Leitung, spricht man von Stagnationswasser. Genau das mögen Legionellen besonders. Experten raten daher, an allen Entnahmestellen regelmäßig Wasser laufen zu lassen, um stehendes Wasser zu vermeiden.
2. Ferienwohnungen und Zweitwohnsitze
Eine große Gefahr: Ferienwohnungen, die lange leer stehen. In Österreich wurde explizit vor der Legionellengefahr in Ferienwohnungen gewarnt. Dort kann das Wasser wochenlang oder monatelang nicht fließen – ideal für Bakterien.
Darum gilt: Wenn Sie nach langer Zeit wieder ankommen – ob im Ferienhaus am See oder in der Stadtwohnung – zuerst alle Wasserhähne und Duschen einige Minuten heiß laufen lassen.
3. Hotels, Wellness, Whirlpools
Auch Hotels und Wellness-Bereiche sind kritisch, weil viele Menschen die Duschen benutzen und es oft Whirlpool-, Nebel- oder Massageduschen gibt – also viel feiner Sprühnebel. Fachleute sagen: Am häufigsten stecken sich Menschen zu Hause oder in Hotels an, weniger in gut kontrollierten Gesundheitseinrichtungen.
4. Große technische Anlagen
Der Fall in Vorarlberg hat gezeigt, dass auch Kühltürme und andere Großanlagen eine Quelle sein können. Hier sind Betreiber in der Pflicht – aber die Folgen treffen am Ende ganz normale Menschen, die im Umkreis wohnen oder arbeiten.
Pflichten von Vermietern in Österreich
In Österreich ist die Trinkwasserqualität gesetzlich geregelt. Wasserwerke und Betreiber müssen sicherstellen, dass das Wasser bestimmte Grenzwerte einhält. Doch auch Vermieter haben Pflichten, wenn sie das Wasser im Haus verteilen.
Wichtig:
- Die Warmwasseranlage muss so betrieben werden, dass keine Gesundheitsgefährdung durch Legionellen entsteht.
- Dazu gehört besonders die richtige Temperatur im Speicher und in den Leitungen.
- In größeren Anlagen sind regelmäßige Kontrollen und Wartungen Standard – teils auch verpflichtend.
Die genauen Pflichten können je nach Anlagengröße, Gebäudeart und Bundesland unterschiedlich aussehen. Wer vermietet, sollte sich daher bei der eigenen Gemeinde, bei AGES, der Gesundheitsberatung oder beim Mieterschutz informieren.
Was ist mit der Therme oder dem Boiler in der Mietwohnung?
In Österreich ist die Zuständigkeit oft zwischen Vermieter und Mieter aufgeteilt:
- Ist die Therme oder der Boiler mitvermietet, ist der Vermieter für Reparatur oder Austausch zuständig.
- Der Mieter ist aber meist zur regelmäßigen Wartung verpflichtet. Kommt er dem nicht nach, kann das finanzielle Folgen haben.
Gut zu wissen: Eine korrekt gewartete, ausreichend heiße Therme schützt auch besser vor Legionellen.
Was können Sie selbst zu Hause tun?
Die gute Nachricht: Sie müssen keine Angst haben, aber Sie sollten das Thema ernst nehmen. Mit ein paar einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko stark senken.
1. Regelmäßig Wasser laufen lassen
- Lassen Sie alle paar Tage kurz Wasser aus selten benutzten Hähnen und Duschen laufen.
- Nach Urlaub oder längerer Abwesenheit: erst alle Leitungen gut spülen, dann duschen.
2. Warm genug einstellen
- Im Speicher/Boiler: mindestens 60 °C.
- An den Warmwasserstellen: mindestens 55 °C.
Sie können das leicht testen: Lassen Sie das Wasser eine halbe Minute laufen und halten Sie ein Thermometer darunter. Experten sagen: Gut eingestellt ist die Leitung, wenn nach spätestens 30 Sekunden das Kaltwasser deutlich kühl (max. 20 °C) und das Warmwasser mindestens 55 °C hat.
3. Keine „Dauer-Lauwarmeinstellung“
Aus Energiespargründen drehen manche die Warmwasser-Temperatur weit herunter. Klingt vernünftig, kann aber riskant sein. Ein lauwarmes System ist für Legionellen ideal. Besser: Heiß betreiben, gezielt sparen – z.B. mit Spar-Duschköpfen oder kürzeren Duschzeiten statt mit dauerhaft zu niedriger Temperatur.
4. Duschkopf reinigen
Im Duschkopf können sich Beläge und Biofilm bilden, in denen Bakterien leben. Schrauben Sie den Duschkopf regelmäßig ab, reinigen Sie ihn gründlich und entkalken Sie ihn, zum Beispiel mit Essiglösung. So verringern Sie die Keimzahl zusätzlich.
5. Vorsicht bei alten Anlagen
Wohnen Sie in einem älteren Haus mit komplizierter Rohrführung, mehreren toten Leitungsenden oder sichtbaren Alt-Installationen? Dann lohnt sich eine Nachfrage beim Vermieter oder Hausverwalter, ob die Anlage schon einmal auf Legionellen geprüft wurde.
Und im Urlaub? Legionellen in Hotels und Ferienwohnungen
Gerade in der Urlaubszeit denken wenige an Bakterien in der Dusche. Experten warnen aber: In Ferienwohnungen, die nicht dauerhaft bewohnt sind, ist die Legionellengefahr deutlich erhöht.
Darum ein einfacher Urlaubs-Tipp:
- Beim ersten Betreten der Unterkunft: Duschen und Wasserhähne auf heiß stellen und ein paar Minuten laufen lassen.
- Währenddessen Badezimmer gut lüften und nicht direkt im Sprühnebel stehen.
Klingt vielleicht übertrieben – ist aber ein kleiner Aufwand im Vergleich zu einer möglichen schweren Lungenentzündung.
Was tun, wenn man sich Sorgen macht?
Wenn Sie das Gefühl haben: „Bei uns im Haus könnte etwas nicht stimmen“, haben Sie mehrere Möglichkeiten:
- Sprechen Sie mit Vermieter oder Hausverwaltung und schildern Sie Ihre Sorge.
- Fragen Sie nach, welche Temperaturen eingestellt sind und ob regelmäßige Wartungen stattfinden.
- Bei anhaltender Unsicherheit: Kontaktieren Sie die örtliche Gesundheitsbehörde oder holen Sie sich Beratung bei der Arbeiterkammer oder beim Mieterverein.
Treten gehäuft schwere Lungenentzündungen in einem Haus oder einer Gegend auf, kann es sinnvoll sein, die Landesgesundheitsbehörde oder AGES zu informieren. Genau solche Meldungen haben in Vorarlberg geholfen, den großen Ausbruch zu erkennen.
Persönliche Geschichte: Der erste Schock unter der Dusche
Eine Bekannte aus Wien erzählte mir, wie sie das Thema Legionellen zum ersten Mal ernst genommen hat. Sie zog in eine alte Altbauwohnung, die vorher monatelang leer gestanden war. Am ersten Abend: ab unter die Dusche – schön heiß, viel Dampf, viel Sprühnebel.
Ein paar Tage später lag sie mit hoher Temperatur und schwerem Husten im Spital. Zum Glück war es „nur“ eine starke Lungenentzündung ohne Legionellenbefund. Die Ärzte fragten trotzdem genau nach: „Neue Wohnung? Alte Leitungen? Stand das Wasser länger in den Rohren?“
Seitdem lässt sie nach jeder längeren Abwesenheit zuerst alle Leitungen laufen, bevor sie sich entspannt unter die Dusche stellt. Und sie erzählt es jedem, der es hören will – oder nicht hören will.
Fazit: Keine Panik, aber bitte hinschauen
Legionellen sind keine neue Erfindung und Österreichs Trinkwasser ist weiterhin von hoher Qualität. Aber: Der Vorarlberger Ausbruch, Fachartikel und Behördenwarnungen zeigen, dass sorgloser Umgang mit Warmwasseranlagen schwere Folgen haben kann.
Wenn Sie diese Punkte beachten, sind Sie schon sehr gut unterwegs:
- Warmwasser nicht zu kalt einstellen – mindestens 55–60 °C im System.
- Regelmäßig alle Leitungen durchspülen, vor allem nach längerer Pause.
- Duschköpfe reinigen und entkalken.
- Im Urlaub zuerst Wasser laufen lassen, dann duschen.
- Bei Unsicherheit Vermieter, Hausverwaltung oder Behörden ansprechen.
Am Ende ist es wie mit dem Gurt im Auto: Meist passiert nichts – aber wenn doch, sind Sie froh, wenn Sie sich vorher einfach und rechtzeitig geschützt haben.





































