8. Dezember in Österreich – Heiliger Feiertag und Shoppingtag
Warum der 8. Dezember in Österreich so besonders ist
In Österreich markiert der 8. Dezember jedes Jahr einen besonderen Punkt im Kalender. Offiziell heißt der Tag Mariä Empfängnis – ein religiöses Hochfest – gleichzeitig ist er aber auch einer der wichtigsten Weihnachtseinkaufs-Tage des Jahres. Ein typischer österreichischer Kompromiss: ein bisschen Kirche, ein bisschen Konsum.
Viele freuen sich einfach über den zusätzlichen freien Tag in der Vorweihnachtszeit. Andere nützen ihn für einen besinnlichen Gottesdienst oder einen Spaziergang über den Christkindlmarkt. Und wieder andere stürzen sich in volle Einkaufsstraßen und Shoppingcenter.
Doch was steckt wirklich hinter dem 8. Dezember? Und warum ist dieser Tag ausgerechnet in Österreich so wichtig?
Was an Mariä Empfängnis wirklich gefeiert wird
Fangen wir mit einem verbreiteten Irrtum an:
Mariä Empfängnis ist NICHT die Empfängnis von Jesus.
Viele glauben das – verständlich, weil der Tag mitten in die Adventzeit fällt. In Wirklichkeit geht es um etwas anderes: gefeiert wird die Empfängnis der Maria, also der Mutter Jesu, durch ihre Mutter Anna. Neun Monate später, am 8. September, feiert die Kirche dann „Mariä Geburt“.
Kurz gesagt:
- 8. Dezember: Empfängnis Marias
- 8. September: Geburt Marias
Die katholische Kirche verbindet mit diesem Tag ein großes Dogma: Maria soll vom ersten Augenblick ihres Daseins an ohne Erbsünde gewesen sein – daher spricht man von der „unbefleckten Empfängnis“. Papst Pius IX. hat diese Lehre im 19. Jahrhundert offiziell als Glaubenssatz festgelegt.
Klingt sehr theologisch? Im Alltag bedeutet es vor allem: Für viele Gläubige ist der 8. Dezember ein Tag, an dem sie bewusst in die Kirche gehen, Kerzen entzünden oder Maria um Schutz und Beistand bitten.
Wie der 8. Dezember zum österreichischen Feiertag wurde
Der 8. Dezember ist in Österreich nicht irgendein Feiertag – er hat eine lange, zum Teil dramatische Geschichte.
Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Zweiten Republik
Bereits im Jahr 1647 erklärte Kaiser Ferdinand III. Maria zur Schutzheiligen Österreichs und führte den 8. Dezember als gesetzlichen Feiertag ein – aus Dank für die Errettung Wiens im Dreißigjährigen Krieg. In dieser Zeit entstand auch die berühmte Mariensäule „Am Hof“ in Wien.
Während der NS-Zeit wurde der Feiertag abgeschafft. Österreich war besetzt, kirchliche Traditionen wurden bewusst zurückgedrängt. Doch die Bevölkerung gab nicht auf: Nach dem Krieg kam es zu einem von Hunderttausenden unterstützten Volksbegehren, den 8. Dezember wieder als Feiertag einzuführen.
1955 beschloss der Nationalrat schließlich die Wiedereinführung – auch als Dank für die wiedererlangte Freiheit Österreichs.
Seither ist der 8. Dezember wieder ein gesetzlicher Feiertag und damit grundsätzlich arbeitsfrei.
Feiertag oder Shoppingtag? – Das Ladenöffnungsgesetz
Viele erinnern sich: Früher war an Feiertagen „tote Hose“ in den Einkaufsstraßen.
Auch am 8. Dezember blieben die Geschäfte lange geschlossen. Doch genau dieser Tag liegt ideal für den Weihnachtsumsatz – mitten in der heißen Phase vor Weihnachten. Also wich die Praxis langsam von der Theorie ab: Immer mehr Österreicher fuhren am 8. Dezember zum Einkaufen ins benachbarte Ausland, etwa nach Tschechien, Deutschland oder Ungarn.
Die Politik reagierte:
1995 wurde das Ladenöffnungsgesetz geändert. Seither dürfen Geschäfte in Österreich an Mariä Empfängnis öffnen, wenn sie sich daran beteiligen wollen. Für den Handel ist der 8. Dezember seither einer der umsatzstärksten Tage vor Weihnachten geworden.
Typisch Boulevard-Realität:
- Die Kirche spricht vom Hochfest.
- Die Händler sprechen von Rabatt-Schlachten.
- Viele Menschen sehen einfach: „Noch ein Tag, um alle Geschenke rechtzeitig zu besorgen.“
Je nachdem, auf welchen Wochentag der 8. Dezember fällt, kann es auch Jahre geben, in denen viele Geschäfte dennoch geschlossen bleiben – etwa wenn der Feiertag auf einen Sonntag fällt.
Wie Österreich den 8. Dezember feiert
Schauen wir uns an, wie dieser Tag im Alltag aussieht.
Gottesdienste und religiöse Feiern
In ganz Österreich finden am 8. Dezember zahlreiche Messen und Hochämter statt. Besonders im Mittelpunkt:
- feierliche Gottesdienste in den Domen (z.B. Stephansdom in Wien, Dom in Salzburg)
- Lichterprozessionen und „Immaculata“-Feiern
- Segensfeiern für Schwangere und Familien
Die Erzdiözese Wien berichtet jedes Jahr über die wichtigsten Feiern, von festlichen Pontifikalämtern bis zu stillen Andachten in den Pfarren.
Auch der Papst begeht den Tag traditionell mit einem Gebet an Maria an der Piazza di Spagna in Rom – ein starkes Symbol für die weltweite Bedeutung des Festes.
Einkaufsstress statt Stillen Nacht?
Parallel dazu sieht die Realität in vielen Innenstädten so aus:
- volle Parkhäuser
- Staus in der Innenstadt
- lange Schlangen an den Kassen
- Sonderangebote und „-20 % auf fast alles“-Plakate
Der 8. Dezember ist für den Handel eine Art „Mini-Black-Friday auf Österreichisch“ – aber mit Weihnachtsbeleuchtung und Punschstand.
Wenn du schon einmal am 8. Dezember durch die Mariahilfer Straße in Wien, die Getreidegasse in Salzburg oder die Innenstadt von Graz geschoben wurdest, weißt du, wovon die Rede ist.
Traditionelles Brauchtum rund um den 8. Dezember
Neben Kirche und Konsum gibt es auch altes und neues Brauchtum:
- Früher hieß es, Frauen sollen an diesem Tag nicht arbeiten – aber ausgerechnet am 8. Dezember begann man mit dem Backen der Weihnachtskekse. Ein Widerspruch, der sehr österreichisch klingt.
- In manchen Gegenden werden an diesem Tag Felder, Häuser und Familien besonders der Gottesmutter anvertraut.
- Neuere Bräuche sind Segensfeiern für werdende Mütter oder Lichterprozessionen, die wieder verstärkt aufgegriffen werden.
Vielleicht kennst du auch lokale Traditionen in deiner Gemeinde – vom besonderen Glockenläuten bis zu eigenen Marienandachten.
8. Dezember: Was gilt rechtlich in Österreich?
Damit du beim Planen nicht den Überblick verlierst, hier eine vereinfachte Übersicht:
- Gesetzlicher Feiertag: Ja, der 8. Dezember ist in ganz Österreich ein Feiertag.
- Arbeitsrecht: Grundsätzlich arbeitsfrei wie an anderen gesetzlichen Feiertagen – Ausnahmen gibt es insbesondere im Handel, in Dienstleistungsbetrieben, Gastronomie, Verkehr etc.
- Schulen: haben an diesem Tag frei.
- Geschäfte: dürfen seit der Gesetzesänderung 1995 am 8. Dezember öffnen, wenn sie sich dafür entscheiden. Je nach Jahr und Region kann das aber unterschiedlich gehandhabt werden.
Wenn du ganz genau wissen willst, was in deinem Bundesland oder deiner Stadt gilt, lohnt ein Blick auf die Seiten deiner Landesregierung oder Wirtschaftskammer, z.B.:
Wie man den 8. Dezember sinnvoll nutzen kann
Der 8. Dezember kann mehr sein als nur „Shoppen oder auf der Couch liegen“.
Ein paar Ideen:
- Am Vormittag einen Gottesdienst oder eine Andacht besuchen – auch wenn du selten in die Kirche gehst, kann die Stimmung in den alten Kirchen gerade in der Adventzeit sehr berührend sein.
- Anschließend einen Weihnachtsmarkt besuchen – z.B. Rathausplatz in Wien, Christkindlmarkt in Innsbruck oder den Adventmarkt im Schloss Hellbrunn.
- Statt Einkaufsstress einen Familientag machen: Kekse backen, Gesellschaftsspiele, gemeinsam Dekorieren.
- Wenn du einkaufen musst: einen Plan machen. Liste schreiben, Budget festlegen, bestimmte Geschäfte auswählen – so vermeidest du Chaos und unnötige Spontankäufe.
- Den Tag für einen bewussten Adventstart nützen: Kerze anzünden, kurz zur Ruhe kommen, vielleicht ein paar Zeilen in ein Notizbuch schreiben – was wünsche ich mir eigentlich von diesem Advent?
Persönliche Note: Was der 8. Dezember für viele bedeutet
Fragt man Menschen in Österreich, was sie mit dem 8. Dezember verbinden, kommen sehr unterschiedliche Antworten:
- „Endlich Zeit für die ersten Vanillekipferl.“
- „Der Tag, an dem ich jedes Jahr alle Weihnachtsgeschenke auf einmal erledige.“
- „Familientradition: gemeinsamer Kirchgang und danach Punsch am Christkindlmarkt.“
- „Für mich der stille Start in die besinnliche Adventzeit, bevor der ganz große Stress losgeht.“
Vielleicht erkennst du dich in einer dieser Antworten wieder. Oder du nutzt den 8. Dezember ab jetzt ganz bewusst anders.
Frag dich doch einmal: Was soll dieser Tag für mich persönlich bedeuten? Nur Shopping? Nur Tradition? Oder eine Mischung aus allem – ganz im österreichischen Stil?
Fazit: Ein Tag zwischen Himmel und Rabatt-Hölle
Der 8. Dezember vereint vieles, was typisch österreichisch ist:
- tief verwurzelte katholische Tradition
- eine spannende historische Rolle – vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Zweiten Republik
- moderne Konsumgewohnheiten mit vollen Einkaufsstraßen und Shoppingcentern
- Familienrituale, Kekse, Kerzen und Christkindlmärkte
Ob du den 8. Dezember als religiöses Hochfest, Einkaufs-Feuerwerk oder einfach als willkommenen Pausentag erlebst – eines ist sicher:
In Österreich ist der 8. Dezember weit mehr als nur ein Datum im Kalender.
Vielleicht ist gerade dieses Spannungsfeld aus Glaube, Geschichte und Gegenwart der Grund, warum der 8. Dezember jedes Jahr wieder so viele Geschichten schreibt – in Kirchenbänken, Einkaufszentren und Wohnzimmern im ganzen Land.





































