Marco Odermatt schreibt Ski-Geschichte – warum ihn alle lieben
Ein Schweizer sorgt in Österreich für Gänsehaut
Wenn im Winter in Österreich der Fernseher läuft, gibt es ein Fixprogramm: Ski alpin. Und mitten drin fährt einer, der zwar Schweizer ist, aber hierzulande fast schon wie ein eigener Held gefeiert wird: Marco Odermatt.
Der 27-Jährige dominiert seit Jahren den Weltcup, holt Kristallkugel um Kristallkugel und lässt selbst österreichische Legenden nervös auf die Rekordlisten schauen. In der Saison 2024/25 hat er erneut zugeschlagen: Gesamtweltcup, Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf – alles an ihn.
Doch warum ist dieser Mann aus Nidwalden plötzlich das Maß aller Dinge? Und wieso fiebern so viele Fans in Österreich mit ihm mit – obwohl er den eigenen Stars oft die Siege „wegfährt“?
Genau das schauen wir uns jetzt an.
Wer ist Marco Odermatt überhaupt?
Vom Junioren-Wunderkind zum Weltcup-Boss
Marco Odermatt wurde 1997 in Buochs im Kanton Nidwalden geboren. Schon früh war klar: Der Bursche hat’s drauf. 2018 räumte er bei der Junioren-WM in Davos gleich fünf Goldmedaillen ab – Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf, Kombination und Team. Das hat vor ihm noch niemand geschafft.
Danach ging alles schnell:
- erste Weltcup-Punkte schon 2016 in Sölden
- Durchbruch im Riesentorlauf wenige Jahre später
- Olympia-Gold im Riesentorlauf in Peking 2022
- seit 2021/22 viermal in Folge Gesamtweltcup-Sieger (bis 2024/25)
Während andere Fahrer eine gute Saison haben und dann wieder verschwinden, ist Odermatt einfach immer da – und fast immer ganz vorne.
Mehr Kristall als manche Vitrine
Bis zum Ende der Saison 2024/25 hat Marco Odermatt schon 13 Kristallkugeln gesammelt: vier für den Gesamtweltcup, dazu Kugeln in Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf.
Damit kratzt er an den Rekorden von Namen, die in Österreich quasi heilig sind: Marcel Hirscher, Hermann Maier, Ingemar Stenmark. In der ewigen Riesentorlauf-Liste liegt er bereits hinter Hirscher und Stenmark auf Platz drei.
Für einen, der gerade mal Ende 20 ist, wirkt das fast wie ein Computerspiel auf „leicht gestellt“.
Die aktuelle Saison: Rekorde, Comebacks und ein Crash
Vierfach-Sieger und Kugel-Sammler
Die Saison 2024/25 war wieder ein Odermatt-Fest. Schon früh setzte er Zeichen, etwa mit einem Sieg im Super-G von Crans-Montana, wo er einen großen Schritt Richtung Gesamtweltcup machte.
Beim Weltcupfinale in Sun Valley war er wieder in aller Munde:
- 2. Platz im Riesentorlauf – den Disziplin- und Gesamtweltcup hatte er da längst fixiert.
- Im Super-G „nur“ Fünfter, aber die Disziplin-Kugel war ohnehin schon sicher.
Auf die gesamte Saison gesehen stand er in allen Speed-Disziplinen und im Riesentorlauf immer wieder am Podium und holte insgesamt acht Weltcupsiege.
Auch der Beste fällt einmal – der Sturz in Copper Mountain
Doch selbst einer wie Odermatt ist nicht unverwundbar. Beim Riesentorlauf in Copper Mountain flog er im ersten Lauf spektakulär aus dem Rennen – sein erster Ausfall im Riesenslalom seit fast einem Jahr.
Profitierte davon? Ausgerechnet ein Österreicher: Stefan Brennsteiner holte mit einem Traumlauf seinen ersten Weltcupsieg im Riesentorlauf.
Viele Fans in Österreich dachten sich an diesem Tag wahrscheinlich: „Endlich hat ihn einmal wer geschlagen.“ Gleichzeitig zeigte die Szene aber auch, wie besonders Odermatt ist: Man erinnert sich an einen Ausfall, weil sie sonst so selten vorkommen.
Dominanz auch im Dezember 2025
Pünktlich zum Start des Skiwinters 2025/26 meldete sich Odermatt in Beaver Creek wieder eindrucksvoll: erst Sieg in der Abfahrt, dann auch noch der Riesentorlauf – sein 48. und 49. Weltcupsieg insgesamt.
Auf der berüchtigten „Birds of Prey“-Piste hatte er zuvor nie wirklich glänzen können, jetzt gewann er sowohl auf Tempo- als auch auf Technik-Strecke. Damit zeigte er, warum viele Experten sagen: Er ist der kompletteste Rennfahrer seiner Zeit.
Warum lieben ihn so viele Fans in Österreich?
1. Er fährt wie Hirscher, aber mit Vollgas
Viele österreichische Fans vergleichen ihn mit Marcel Hirscher. Die Parallele liegt auf der Hand:
- extrem saubere Technik
- wahnsinnige Konstanz
- immer voll auf Angriff
Gleichzeitig ist Odermatt nicht nur Techniker – er gewinnt auch Abfahrten. In Crans-Montana oder Beaver Creek zeigt er, dass er im Speed genauso zu Hause ist wie im Riesentorlauf.
Wenn man ihm zuschaut, wirkt es oft, als würde jemand ein perfekt geschnittenes Ski-Video in Zeitlupe abspielen – nur dass es in Echtzeit ist.
2. Er ist ein „sympathischer Hund“
Trotz aller Rekorde wirkt Marco Odermatt erstaunlich normal. Kein großes Drama, keine Show, keine großen Sprüche. Nach Siegen bedankt er sich beim Team, nach Fehlern gibt er sie schlicht zu.
Ein Beispiel: Nach einem Rennen in Saalbach-Hinterglemm, bei dem er „nur“ Fünfter wurde, meinte er trocken: „Heute hatte ich keine Chance“, und freute sich trotzdem ehrlich über die Kristallkugel im Super-G.
Genau diese Art kommt im Alpenraum gut an. Man hat das Gefühl: Wenn der neben dir im Sessellift sitzen würde, könnte man ganz normal mit ihm über den Schnee plaudern.
3. Er macht den Weltcup spannender – auch für Österreich
Klingt komisch, aber: Ein dominanter Fahrer wie Odermatt pusht die Konkurrenz. Gerade in Österreich.
Wenn ein Lukas Feurstein im Super-G von Sun Valley plötzlich gewinnt oder ein Stefan Brennsteiner im Riesentorlauf ganz oben steht, dann heißt es sofort: „Die haben es sogar gegen Odermatt geschafft!“
Damit bekommen österreichische Siege automatisch mehr Glanz – weil sie nicht „irgendjemanden“, sondern den Besten schlagen.
Ein Blick auf die Zahlen: Was macht ihn so besonders?
Rekordjagd im Weltcup
Laut Analysen von alpineskiworldcup.com ist Odermatt aktuell:
- vierfacher Gesamtweltcup-Sieger in Serie (2021–2025)
- Sieger von 45 Weltcuprennen bis Saisonende 2024/25
- Rekordhalter bei Schweizer Herren mit den meisten Podestplätzen
- mit 13 Kristallkugeln die Nummer vier der Ski-Geschichte bei den Männern
Dazu kommen 88 Podestplätze in allen Disziplinen – und das alles noch vor seinem 30. Geburtstag.
Riesentorlauf wie aus dem Lehrbuch
Wenn man Kinder in einem österreichischen Skiverein fragt, wie man einen Riesentorlauf fahren soll, sagen viele: „So wie der Odermatt.“
Kein Wunder:
- Er hat seit 2021/22 24 von 36 Weltcup-Riesentorläufen gewonnen.
- Viermal in Folge holte er die Kugel in dieser Disziplin.
Trainer zeigen in Kursen oft Zeitlupen-Videos von ihm, um die Körperposition zu erklären: Druckaufbau, Kantenwechsel, Oberkörper ruhig – es sieht fast unheimlich kontrolliert aus.
Was bedeutet Odermatt für den Skisport in Österreich?
Freundliche Rivalität statt „Feindbild“
Früher waren es Norweger oder Deutsche, die man in Österreich nicht unbedingt lieben musste, wenn sie zu oft gewonnen haben. Bei Odermatt ist das anders.
Vielleicht, weil die Schweiz kulturell so nah ist. Vielleicht, weil er so bescheiden wirkt. Oder auch, weil viele Fans die großen Namen wie Maier, Hirscher, Stenmark im Kopf haben und merken: So einer kommt nur alle paar Jahrzehnte.
Ich habe zum Beispiel in einer Skihütte am Hochkönig erlebt, wie eine Runde Einheimischer beim Weltcuprennen mitgefiebert hat. Einer sagte: „I hoff, dass der Brennsteiner g’winnt – aber wenn’s da Odermatt wieder macht, passt’s a.“ Genau das beschreibt die Stimmung ziemlich gut.
Motivation für die nächste ÖSV-Generation
Für junge österreichische Fahrer ist Marco Odermatt ein lebendes Ziel. Wer jetzt 18 oder 20 ist, ist mit Videos von ihm aufgewachsen.
Trainer in österreichischen Skiclubs sagen ihren Talenten sinngemäß: „Wenn ihr irgendwann vorne mitfahren wollt, müsst ihr an einem Odermatt vorbei.“ Das mag brutal klingen – aber es ist auch eine Riesenchance.
Je stärker der internationale Maßstab, desto besser werden am Ende auch die heimischen Athleten.
Wie geht es weiter mit Marco Odermatt?
Rekorde im Visier – aber nicht um jeden Preis
Die spannende Frage: Wie lange kann er dieses Niveau halten?
Schaut man auf die großen Namen, dann sieht man:
- Marcel Hirscher dominierte knapp ein Jahrzehnt
- Hermann Maier kämpfte nach seinem Unfall zurück und gewann trotzdem weiter
- Ingemar Stenmark holte seine Rekorde über viele Jahre
Odermatt ist jetzt in einem Alter, in dem viele Fahrer ihren Zenit erreichen – oder schon überschritten haben. Seine Vielseitigkeit (Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf) ist ein Vorteil, aber auch eine Belastung für den Körper.
Seine bisherigen Verletzungen und Ausfälle zeigen, dass er nicht unzerstörbar ist. Schon als junger Fahrer musste er mit einem Meniskusschaden pausieren.
Olympia, WM, Legendenstatus
Was noch fehlt? Mehr große Titel bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Die Olympia-Goldmedaille im Riesentorlauf hat er, WM-Titel ebenfalls – aber wenn er seine Weltcup-Dominanz auch dort durchzieht, ist die Diskussion klar: Dann reden wir von einem der größten Skifahrer aller Zeiten.
Und ja, dann wird man in Österreich wohl in einem Atemzug sagen: Hirscher, Maier, Odermatt.
Fazit: Ein Schweizer, der Österreichs Skiherz erobert
Marco Odermatt ist mehr als nur ein weiterer schneller Fahrer.
Er ist:
- der dominierende Mann im aktuellen Ski-Weltcup
- ein Riesentorlauf-Künstler, den Trainer als Lehrbeispiel verwenden
- ein Speed-Ass, das Abfahrten wie in Beaver Creek gewinnt
- ein ruhiger, bodenständiger Typ, mit dem sich viele Fans identifizieren
Für österreichische Skifans ist er so etwas wie der perfekte Gegner: stark, fair, sympathisch. Man ärgert sich, wenn er den eigenen Fahrern die Siege wegschnappt – und applaudiert trotzdem.
Also: Wenn das nächste Weltcuprennen im Fernsehen läuft und der Sprecher „Startnummer … Marco Odermatt“ sagt – lehnen Sie sich zurück. Was dann kommt, ist meistens großes Kino.
Und wer weiß: Vielleicht ist gerade jetzt der Moment, in dem wieder ein neues Kapitel Ski-Geschichte geschrieben wird.




































