Vermisstenfall Jennifer Scharinger: Sieben Jahre Angst, Hoffnung, Fragen
Seit Jänner 2018 ist Jennifer Scharinger aus Wien spurlos verschwunden. Sie war damals 21 Jahre alt, Jus-Studentin, mitten im Leben. Heute, mehr als sieben Jahre später, ist ihr Name wieder in allen Medien – und ganz Österreich stellt sich die gleiche Frage: Wo ist Jennifer?
Wer war Jennifer Scharinger?
Jennifer, von vielen einfach „Jenni“ genannt, wuchs in Hanfthal in Niederösterreich auf und zog schon früh nach Wien. Sie arbeitete, holte die Matura nach und begann Jus zu studieren. Eine junge Frau, die ihren Weg gehen wollte – so wie viele in ihrem Alter.
Ihre Mutter beschrieb sie in Interviews als jemanden, der die Familie „immer in den Mittelpunkt“ stellte. Man merkt schnell: Hinter dem Namen Jennifer Scharinger steckt kein anonymer Fall, sondern ein Mensch mit Träumen, Plänen und einer Familie, die sie schmerzlich vermisst.
Die Nacht, in der Jennifer verschwand
Der 21. Jänner 2018 ist der Tag, der für ihre Familie alles verändert hat. Jennifer lebte damals in Wien-Brigittenau, in einer Wohnung, die sie mit ihrem Freund teilte. Kurz zuvor hatte sie sich von ihm getrennt. Es soll Streit gegeben haben.
In dieser Nacht schickt Jennifer noch ein Foto an eine Freundin, aufgenommen in einer Parkgarage. Sie wirkt darauf, als wolle sie beruhigen: „Bin safe“, schreibt sie laut Medienberichten. Wenig später verliert sich ihre Spur.
Was macht diesen Fall so unheimlich? Jennifer ließ in der Wohnung alles zurück – Kleidung, Ausweise, Bankkarte. Nichts deutet darauf hin, dass sie einfach neu anfangen wollte. Genau das macht die Ermittler bis heute so misstrauisch.
Ermittlungen, Suchaktionen, Leichenspürhunde
Schon 2018 begann die Polizei großangelegte Suchaktionen. Immer wieder rückten Ermittler mit Leichenspürhunden aus, unter anderem in Wälder in Niederösterreich. Auch Seen wurden durchsucht, Wohnungen gefilzt, Handydaten ausgewertet.
- Suche in Wäldern, unter anderem bei Hollabrunn
- Durchsuchungen im Umfeld des Ex-Freundes
- Auswertung von Handys, Bewegungsdaten und Kontakten
- Mediale Aufrufe, TV-Berichte, Zeitungsartikel
Trotz all dieser Maßnahmen: Kein eindeutiger Beweis, keine Spur, kein Fund. Die Ermittler schließen vieles nicht aus – aber sie gehen heute klar von einem Gewaltdelikt aus.
Der Ex-Freund im Fokus – und viele offene Fragen
Von Beginn an stand der damalige Freund von Jennifer im Mittelpunkt der Ermittlungen. Nach der Trennung und dem Streit liegt dieser Verdacht natürlich nahe. Es gab Hausdurchsuchungen, Befragungen, sogar Suchaktionen in seinem Umfeld.
Doch: Strafrechtlich festnageln konnte man ihn nicht. Ein Verfahren wegen des Verdachts der Freiheitsentziehung wurde 2019 eingestellt. Für die Familie bleibt damit ein bitterer Beigeschmack: Viele Indizien, aber keine Verurteilung – und vor allem keine Antwort auf die wichtigste Frage: Was ist mit Jennifer passiert?
„Cold Case“ – und doch nie vergessen
Offiziell spricht die Polizei inzwischen von einem „Cold Case“. Das bedeutet: Es gibt derzeit keine heiße Spur. Der Fall ist aber keineswegs abgeschlossen. Immer wieder werden Akten geprüft, Hinweise bewertet, Spuren neu betrachtet.
In den letzten Jahren zeigte sich die Familie kämpferisch. Mahnwachen, Gedenkfeiern, Interviews – alles mit einem Ziel: Jennifer darf nicht in Vergessenheit geraten. Die Mutter zog selbst mit Gummistiefeln und Schaufel durch Wälder, in der Hoffnung, wenigstens Gewissheit zu finden. Allein dieser Gedanke lässt viele Leserinnen und Leser sprachlos zurück.
Neuer Zeugenaufruf 2025: 50.000 Euro Belohnung
Im Herbst 2025 ist der Fall plötzlich wieder groß in den Medien. Die Landespolizeidirektion Wien startet einen neuen Zeugenaufruf und veröffentlicht das Foto von Jennifer erneut – mit ausdrücklicher Genehmigung der Staatsanwaltschaft.
Die Fakten, die die Polizei dabei betont:
- Jennifer Scharinger wird seit dem 21.01.2018 vermisst.
- Sie war damals rund 175 cm groß, schlank, braune mittellange Haare.
- Sie verschwand aus der gemeinsamen Wohnung in Wien-Brigittenau nach einem Streit.
- Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus.
Spektakulär ist vor allem eines: Die Familie setzt eine Belohnung von 50.000 Euro aus. So eine Summe sieht man in Vermisstenfällen in Österreich nicht alle Tage.
Hinweise – auch anonym – nimmt das Landeskriminalamt Wien unter den Nummern 01 / 31310 – 33800 oder 33801 entgegen. Mehr Infos und offizielle Meldungen finden sich zum Beispiel auf wien.orf.at oder bei aktuellen Polizeiaussendungen, etwa über polizei-nachrichten.at.
Warum berührt der Fall ganz Österreich?
Vielleicht, weil sich viele denken: Das könnte auch meine Tochter sein. Meine Freundin. Meine Nachbarin. Eine junge Frau geht fort, schickt noch schnell eine Nachricht – und kommt nie wieder nach Hause.
Solche Geschichten liest man sonst in Krimis. Doch hier ist es bittere Realität – mitten in Wien, mitten in unserem Alltag. Die Kombination aus:
- junger, unbescholtener Frau
- plötzlichem Verschwinden ohne Vorbereitung
- Beziehungskonflikt im Hintergrund
- und völliger Spurenlosigkeit
macht Jennifer Scharinger zu einem der bekanntesten Vermisstenfälle in Österreich.
Boulevard, soziale Medien und die Macht der Öffentlichkeit
Boulevardmedien, TV-Sendungen, Onlineportale – sie alle berichteten in den letzten Jahren über Jenni. Manche nehmen jede kleine Wendung zum Anlass für neue Schlagzeilen: „Hohe Belohnung!“, „Polizei rollt Fall neu auf!“, „Wo ist Jenni?“
Das kann man kritisch sehen. Doch die andere Seite ist: Ohne Öffentlichkeit wäre dieser Fall wohl längst in einer staubigen Aktenlade verschwunden. Jede neue Story, jeder Social-Media-Post, jeder geteilte Artikel könnte genau jene Person erreichen, die damals etwas gesehen hat – und sich bisher nicht gemeldet hat.
Hast du dich beim Lesen auch schon gefragt: War ich damals in der Gegend? Könnte ich irgendetwas bemerkt haben? Genau auf diesen Moment hofft die Polizei.
Was können wir als Gesellschaft tun?
Natürlich kann nicht jeder selbst Ermittler spielen. Aber es gibt ein paar Dinge, die wir alle tun können – und die gerade in einem Fall wie dem von Jennifer Scharinger wichtig sind:
- Hinsehen statt Wegschauen: Streit im Stiegenhaus, Schreie in der Nacht, bedrohliche Situationen auf der Straße – lieber einmal zu oft die Polizei rufen als einmal zu wenig.
- Beiträge teilen: Offizielle Zeugenaufrufe, Fotos und Infos zu Vermisstenfällen in den sozialen Medien verbreiten. Man weiß nie, wen es erreicht.
- Über Gewalt reden: Ob in Schulen, am Arbeitsplatz oder in der Familie – je mehr wir Gewalt ansprechen, desto eher können Betroffene Hilfe bekommen, bevor es eskaliert.
- Hilfsangebote kennen: Nummern von Frauenhelplines, Opferschutzeinrichtungen oder Beratungsstellen sollte man zumindest einmal gesehen haben.
In Österreich gibt es z.B. die Frauenhelpline gegen Gewalt unter 0800 222 555 – rund um die Uhr, anonym und kostenlos.
Ein Fall, der nicht kalt werden darf
Für die Polizei ist der Vermisstenfall Jennifer Scharinger ein Cold Case, für die Familie ist er ein offener Wundpunkt. Für viele Menschen in Österreich ist er zu einem Symbol geworden – für Gewalt an Frauen, für offene Fragen in der Justiz, aber auch für Durchhaltevermögen und Hoffnung.
Solange Jennifer nicht gefunden ist, bleibt alles möglich. Vielleicht gibt es irgendwo noch eine Person, die etwas weiß. Vielleicht gibt es ein Detail, das damals unwichtig schien und heute plötzlich entscheidend wäre.
Wenn du glaubst, etwas zum Fall Jennifer Scharinger sagen zu können – auch wenn es dir noch so klein vorkommt – melde dich beim Landeskriminalamt Wien oder bei jeder Polizeidienststelle. Manchmal reicht ein einziger Hinweis, um einen ganzen Fall ins Rollen zu bringen.
Fazit: Hinter jedem Namen steht ein Mensch
Zwischen all den großen Schlagzeilen und dramatischen Überschriften darf eines nicht verloren gehen: Jennifer war Tochter, Freundin, Kollegin, Nachbarin. Ein junger Mensch mit einem Leben, das plötzlich endete – irgendwo, irgendwie, irgendwann in dieser Januarnacht 2018.
Solange wir über sie sprechen, solange ihr Foto geteilt wird, solange Menschen nach ihr fragen, passiert etwas Wichtiges: Dieser Fall bleibt im Bewusstsein. Und genau das ist die größte Chance, dass die Frage „Wo ist Jennifer?“ eines Tages eine Antwort bekommt.
Du hast Informationen zum Fall Jennifer Scharinger?
Dann wende dich bitte an das Landeskriminalamt Wien unter 01 / 31310 – 33800 oder 33801 oder an jede andere Polizeidienststelle in Österreich.





































