Burgtheater Wien feiert 250 Jahre Drama, Glanz und Skandale
Kaum ein Ort steht so sehr für Theater in Österreich wie das Burgtheater in Wien. Jetzt wird es ernst: In der Spielzeit 2025/26 feiert die BURG ihr 250-jähriges Jubiläum – mit großem Programm, prominenten Namen und jeder Menge Stoff für Gespräche in der Pause.
Was ist das Burgtheater überhaupt?
Falls du Wien nur von Postkarten kennst: Das Burgtheater ist das österreichische Nationaltheater am Universitätsring, gleich gegenüber vom Rathaus. Es zählt zu den größten Sprechtheatern Westeuropas und gilt vielen als die wichtigste Schauspielbühne im deutschsprachigen Raum.
Zum Burgtheater gehören heute gleich vier Spielstätten:
- Burgtheater – das große Haus am Ring
- Akademietheater – schräg, mutig, oft experimenteller
- Kasino am Schwarzenbergplatz – für Premierenfeiern, kleinere Formate, Specials
- Vestibül – die „kleine Burg“, nah am Publikum
Gespielt wird alles, was Rang und Namen hat: von Shakespeare und Kafka über Thomas Mann und Bernhard bis hin zu zeitgenössischen Autor:innen und politischen Stücken.
250 Jahre Burgtheater – warum dieses Jubiläum so besonders ist
In der Saison 2025/26 feiert das Burgtheater offiziell 250 Jahre BURG. Laut offizieller Seite des Hauses gehört die Burg damit zu den ältesten Nationaltheatern Europas und blickt auf eine lange Geschichte als „Theater der Wiener Hofburg“ zurück.
Infos und Jubiläumsprogramm findest du direkt auf der Website des Hauses unter burgtheater.at.
Statt sich aber nur im eigenen Glanz zu sonnen, setzt die Burg auf vorwärtsgewandte Projekte: Führungen, digitale Angebote, Gastspiele und natürlich neue Inszenierungen sollen zeigen, dass das Haus nicht im Museum steht, sondern mitten in der Gegenwart.
Ein bisschen Boulevard: Glanz, Skandal, Geschichte
Das Burgtheater war nie nur eine Bühne. Es war immer auch eine Bühne der Republik: für Politik, Eitelkeiten, Machtkämpfe – und natürlich Skandale.
- Legendäre Schauspielstars, die über den Ring spazieren wie Könige.
- Inszenierungen, über die der ganze Stammtisch diskutiert.
- Autor:innen wie Elfriede Jelinek, die mit ihren Texten die Republik durchschütteln.
Genau daraus lebt der Mythos „BURG“: Ein bisschen ehrwürdiger Tempel, ein bisschen Klatschspalte – und immer wieder ganz großes Drama.
Aktuelle Highlights: Was läuft gerade im Burgtheater Wien?
Ein typischer Fehler: Viele glauben, im Burgtheater werden nur alte Klassiker gespielt. Ein Blick in den Spielplan 2025/26 zeigt schnell, dass das Programm viel breiter ist. Hier ein paar Produktionen, die derzeit besonders herausstechen (Spielplan und Termine direkt auf burgtheater.at):
„Burgtheater“ nach Elfriede Jelinek – Skandalstoff kehrt heim
Schon der Titel ist ein Statement: „Burgtheater“ – das Stück, mit dem Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek Anfang der 1980er ihren Ruf als „Nestbeschmutzerin“ festigte, bekommt nun endlich eine große Bühne an genau jenem Haus, das sie damals so scharf attackierte. Die neue Inszenierung stammt von Regisseur Milo Rau in einer Koproduktion mit den Wiener Festwochen.*
Erzählt wird von einer berühmten Schauspielerfamilie, von Verdrängung, Anpassung, Faschismus und der Geschichte der BURG – und Europas. Es ist ein Blick hinter die Kulissen eines Systems, das nach außen glänzt und nach innen brodelt.
Wenn du Theater liebst, das weh tun darf und Diskussionen auslöst, solltest du dieses Stück vormerken.
„Die letzten Tage der Menschheit“ – Weltuntergang als Theatermarathon
Karl Kraus’ Monumentaldrama „Die letzten Tage der Menschheit“ gehört zu den großen, düsteren Werken der österreichischen Literatur. Im Burgtheater läuft eine opulente Inszenierung, entstanden in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen. Die Aufführungen sind lang, laut – und gnadenlos aktuell.
Regie führt Dušan David Pařízek, auf der Bühne steht ein prominent besetztes Ensemble. Wer wissen will, wie sich ein Weltuntergang auf Wienerisch anhört, ist hier richtig.
„Der Bau“ – Kafka im Akademietheater
Im Akademietheater kommt Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“ auf die Bühne. Ein denkendes Wesen vergräbt sich in seinem selbstgebauten Schutzsystem und wird vom eigenen Sicherheitswahn aufgefressen. Der Monolog, inszeniert von und mit Max Simonischek, wirkt wie eine Parabel auf unsere Zeit zwischen Überwachung, Angst und Dauer-Alarm.
„Die Traumdeutung von Sigmund Freud“ – Psychoanalyse trifft Bühne
Ebenfalls im Akademietheater: „Die Traumdeutung von Sigmund Freud“ von Dead Centre. Das Stück nimmt Freuds berühmtes Werk als Ausgangspunkt und spielt mit der Grenze zwischen Traum und Realität, Bühne und Publikum. Wenn du dich schon immer gefragt hast, warum deine Träume so schräg sind, bekommst du hier keine einfache Antwort – aber viele spannende Fragen.
„Holzfällen“ – Thomas Bernhard und die Wiener Gesellschaft
Mit „Holzfällen“ holt die Burg einen weiteren Klassiker der österreichischen Skandalliteratur auf die Bühne. Thomas Bernhards Text über eine „künstlerische Abendgesellschaft“ zerlegt das Wiener Kulturbürgertum mit scharfer, manchmal bitterkomischer Präzision. Auf der Bühne: Publikumsliebling Nicholas Ofczarek gemeinsam mit der Musicbanda Franui.
„Die Kopien“ – Klon-Thriller im Vestibül
Im Vestibül läuft „Die Kopien“ von Caryl Churchill – ein moderner Thriller rund um Klone, Identität und die Frage: Wer bin ich, wenn es mich mehrfach gibt? Regisseur Sebastian McKimm gibt hier sein Wiener Debüt. Ideal, wenn du Lust auf einen intensiven Theaterabend im kleineren Rahmen hast.
Silvester in der Burg – Jahreswechsel mit Kaiserin Elisabeth
Zum Jahreswechsel 2025/26 gibt es ein besonderes Special: Unter dem Motto „Silvester in der BURG“ kannst du die letzten Stunden des Jahres im Theater verbringen. Auf dem Programm stehen u. a. der Monolog „ELISABETH!“ von Mareike Fallwickl mit Stefanie Reinsperger im Burgtheater sowie das Stück „EGAL“ im Akademietheater.*
Wenn du genug von Böllern hast und lieber kluge Texte hören willst, könnte das dein neues Silvester-Ritual werden.
Barrierefrei ins Burgtheater: PROMPT-App und mehr
Modernes Theater heißt auch: Zugang für alle. Das Burgtheater bietet verschiedene barrierefreie Angebote, unter anderem die BURGTHEATER PROMPT-App. Damit bekommst du bei ausgewählten Vorstellungen Surtitles direkt aufs Smartphone – auf Deutsch, Englisch, teils auch in anderen Sprachen.
So funktioniert es in Kürze:
- App „BURGTHEATER PROMPT“ im App- oder Play-Store laden
- Im Saal WLAN der Burg nutzen (LIBRBURG)
- Sprache wählen, Handy quer halten – und mitlesen
Das ist besonders praktisch, wenn du noch nicht so sicher auf Deutsch bist, Hörbeeinträchtigungen hast oder einfach gerne Text mitliest.
Mehr Infos gibt es direkt auf der Seite zur App unter burgtheater.at.
Ein Blick hinter die Kulissen: Führungen, Klimt & Geschichte
Zum 250-Jahre-Jubiläum öffnet die Burg ihre Türen noch weiter. Besonders spannend sind dabei die Einblicke in die Geschichte und Architektur des Hauses.
„Vorhangverbot!“ – ein humorvoller Streifzug durch 245 Jahre Burgtheater
Unter dem Titel „Vorhangverbot!“ führt Burgschauspieler Robert Reinagl bei einem Theaterspaziergang durch das Haus. Der Name kommt von einer Theaterordnung aus dem Jahr 1798: Bis 1983 war es den Schauspieler:innen verboten, sich vor dem Vorhang zu verbeugen – der Applaus war dem Kaiser vorbehalten!*
Genau solche Anekdoten machen klar, warum das Burgtheater nicht nur ein Gebäude, sondern ein Mythos ist.
Klimt-Deckengemälde und Theatermuseum
Im Rahmen der Jubiläumssaison kannst du außerdem:
- Klimts Deckengemälde über der Feststiege bei speziellen Führungen aus nächster Nähe sehen, solange die Renovierungsarbeiten laufen.
- Ein Gastspiel des Theatermuseums im 2. Pausenfoyer besuchen – dort werden 250 Jahre Theaterkultur neu präsentiert.
- Digitalisierte Theaterzettel durchstöbern: Über 100.000 historische Zettel sind via Touchscreens und online zugänglich.
Das alles zeigt: Das Burgtheater ist nicht nur Spielstätte, sondern auch lebendes Archiv der österreichischen Kulturgeschichte.
Wie kommst du an Tickets für das Burgtheater?
Du willst jetzt hin? Verständlich. Tickets bekommst du auf mehreren Wegen – alle Infos dazu gibt es gesammelt unter „So kommen Sie zu Ihren Karten“ auf burgtheater.at.
Im Überblick:
- Online: bequem über den Spielplan auf der Website
- Telefonisch oder persönlich beim Besucher:innen-Service
- Abendkassa: spontan kurz vor Vorstellungsbeginn
Praktisch: Der allgemeine Kartenverkauf für einen Monat startet meist am 10. des Vormonats um 10 Uhr. Wer also z. B. Silvester in der Burg verbringen will, sollte den Kalender im Blick behalten.
Ist das Burgtheater nur etwas für „Feuilleton-Menschen“?
Vielleicht hast du das Bild im Kopf: steife Leute in Abendgarderobe, komplizierte Texte, endlose Monologe. Die Wahrheit? Es kommt darauf an, was du dir aussuchst – aber die Burg ist längst offener als ihr Ruf.
Ein paar Beispiele, bei denen sich auch Theater-Neulinge wohlfühlen:
- Stücke mit klarer Story und starker Bildsprache, etwa „Die Kopien“ oder „Der Bau“.
- Veranstaltungen wie „Vorhangverbot!“, die Haus und Geschichte spielerisch erklären.
- Formate von Community & Bildung – Theaterclubs, Workshops, Vermittlungsprogramme für Schulen, Unis und Vereine.
Unter den Rubriken THEATER MACHEN, THEATER VERSTEHEN und THEATER VERMITTELN auf burgtheater.at findest du eine ganze Palette an Angeboten, bei denen du selbst aktiv werden oder einfach tiefer eintauchen kannst.
Warum du dem Burgtheater jetzt eine Chance geben solltest
Ob du schon Stammgast bist oder mit Theater bisher wenig anfangen konntest: Die kommenden Jahre sind eine einmalige Gelegenheit, die Burg neu kennenzulernen.
- 250 Jahre Geschichte – aber mit Blick nach vorne.
- Ein Spielplan, der von Klassikern bis zu scharfen, aktuellen Stoffen reicht.
- Barrierefreie Angebote und eine Öffnung Richtung Stadtgesellschaft.
- Führungen, Specials und Projekte, die das Haus von innen zeigen.
Und ganz ehrlich: Es hat einen eigenen Reiz, an einem kalten Abend die Feststiege hochzugehen, den Kronleuchter zu sehen und zu wissen – hier wurde über Jahrhunderte geliebt, gestritten, gejubelt und gepfiffen. Das Burgtheater ist ein Stück Österreich, das man erlebt haben sollte.
Vielleicht sitzt du schon bei der nächsten Premiere im Saal. Oder beim Silvesterabend, während draußen die Böller krachen. Die Bühne jedenfalls ist bereit.
Hinweis: Alle genannten Produktionen, Termine und Angebote beziehen sich auf den aktuellen Stand des offiziellen Spielplans des Burgtheaters in Wien. Aktuelle Informationen, Änderungen und zusätzliche Termine findest du jederzeit auf der Website des Hauses unter burgtheater.at.




































