Riccardo Chailly begeistert weiter – Maestro zwischen Mailand und Luzern
Er ist kein Popstar – aber in der Welt der klassischen Musik sorgt Riccardo Chailly für ähnlich viel Trubel wie ein Rockstar. Der italienische Stardirigent steht seit Jahren an der Spitze großer Orchester, prägt Festivals und sorgt mit seinen Auftritten auch beim Publikum in Österreich für Gänsehaut.
Wer ist Riccardo Chailly überhaupt?
Riccardo Chailly wurde 1953 in Mailand geboren und wuchs praktisch im Orchestergraben auf. Sein Vater Luciano war ein bekannter Komponist, zuhause ging es also ständig um Musik. Schon früh war klar: Dieser Junge will aufs Podium.
Heute ist Chailly einer der wichtigsten Dirigenten der Welt. Er war u. a.
- Chefdirigent des Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam,
- Gewandhauskapellmeister in Leipzig,
- und ist derzeit Musikdirektor an der Mailänder Scala sowie Chef der Lucerne Festival Orchestra.
Damit steht er an zwei absoluten Power-Häusern der klassischen Musik – und beide liegen gleich ums Eck von Österreich: in Italien und in der Schweiz.
Aktuell: Chailly bleibt in Luzern – und in Mailand (noch)
In den letzten Jahren gab es rund um Riccardo Chailly gleich mehrere wichtige Entscheidungen:
- Sein Vertrag als Music Director der Lucerne Festival Orchestra wurde bis 2028 verlängert. Der Maestro bleibt also weiter das Gesicht eines der wichtigsten Sommerfestivals Europas (Lucerne Festival).
- In Mailand an der Teatro alla Scala wurde sein Vertrag als Musikdirektor bis Ende 2026 verlängert. Er eröffnet die Saison 2025/26 mit Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk und verabschiedet sich dann nach fast einem Jahrzehnt von seinem Heimattheater (Teatro alla Scala).
Für Klassikfans in Österreich bedeutet das: Chailly bleibt weiterhin eine feste Größe im mitteleuropäischen Konzertkalender – und damit gut erreichbar mit Zug oder Auto.
Warum ist Riccardo Chailly so besonders?
Viele Dirigenten können Partituren lesen und Orchester leiten. Aber nicht alle schaffen es, ein Publikum wirklich mitzureißen. Genau hier liegt die Stärke von Riccardo Chailly.
1. Klangarchitekt mit Gefühl
Chailly ist bekannt für seinen klaren, durchhörbaren Orchesterklang. Egal ob Mahler, Bruckner oder Verdi – man hat oft das Gefühl, jede Stimme einzeln wahrzunehmen. Gleichzeitig wirkt nichts trocken. Seine Aufführungen haben Spannung, Biss und sehr viel Emotion.
Wer einmal erlebt hat, wie er ein Orchester in den Schluss eines Bruckner-Finales treibt, weiß, was gemeint ist. Die Musik baut sich langsam auf – und plötzlich sitzt halb der Saal mit angehaltenem Atem da.
2. Brücke zwischen Tradition und Moderne
Chailly liebt die großen Klassiker, aber er ist kein Museumswärter. Vor allem in Amsterdam und Leipzig hat er immer wieder Werke des 20. Jahrhunderts und zeitgenössische Stücke aufs Programm gesetzt. So brachte er seinem Publikum nicht nur Mahler und Brahms näher, sondern auch Komponisten wie Varèse oder Hindemith.
Für ein Publikum im deutschsprachigen Raum, das gerne „sicher“ bei Beethoven und Mozart bleibt, ist das spannend: Chailly zeigt, dass moderne Musik nicht automatisch schwierig oder abweisend sein muss.
3. Oper UND Symphonie im Blut
Viele Dirigenten spezialisieren sich entweder auf Oper oder auf Symphonik. Chailly kann beides. Er startete in der Oper – etwa an der Scala, der Wiener Staatsoper und dem Salzburger Festspielhaus – und wurde später gefeierter Chef großer Sinfonieorchester.
Dieser Mix hört man seinen Interpretationen an: Die Opernerfahrung sorgt für dramatische Spannung, große Bögen und einen natürlichen Sinn für Sängerinnen und Sänger. Seine Symphonien klingen oft, als würde eine unsichtbare Opernbühne dahinterstehen.
Riccardo Chailly und Österreich: eine enge Nachbarschaft
Auch wenn Chailly kein Österreicher ist, spielte unser Land in seiner Karriere immer wieder eine Rolle. Schon früh trat er beim Salzburger Festival auf, unter anderem mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Auch Gastspiele in der Wiener Staatsoper und im Wiener Konzerthaus haben ihn dem Publikum hierzulande nähergebracht.
Für Fans aus Österreich hat das mehrere Vorteile:
- Kurzreise nach Luzern: In wenigen Stunden ist man mit dem Zug beim Lucerne Festival, wo Chailly regelmäßig die großen Eröffnungskonzerte dirigiert.
- Wochenendtrip nach Mailand: Ein spontaner Ausflug zur Scala ist längst kein Luxus mehr. Wer Oper und Shopping kombinieren will, liegt bei einer Chailly-Aufführung goldrichtig.
- Touren und Gastspiele: Immer wieder touren seine Orchester auch durch den deutschsprachigen Raum – also Augen offen halten bei den Programmen von Musikverein, Konzerthaus & Co.
Was macht ein Dirigent wie Chailly eigentlich?
Vielleicht fragen Sie sich: „Steht der da vorne nicht einfach nur und wedelt mit dem Taktstock?“ Ganz so einfach ist es natürlich nicht.
Vorbereitung hinter den Kulissen
Bevor Riccardo Chailly überhaupt ans Pult tritt, hat er die Partitur eines Werks oft monatelang studiert. Er entscheidet:
- welches Tempo sinnvoll ist,
- wie laut oder leise einzelne Stellen sein sollen,
- wo die Musik atmen darf und wo sie unter Hochspannung stehen soll.
Man kann sich das ein bisschen vorstellen wie bei einem Regisseur im Film: Die Noten sind das Drehbuch, aber wie der „Film“ letztlich aussieht, hängt ganz stark von der Regie ab.
Probenarbeit mit dem Orchester
In den Proben arbeitet Chailly mit den Musikerinnen und Musikern an Details. Da wird gestoppt, wiederholt, diskutiert. Oft geht es um Nuancen, die das Publikum vielleicht nicht bewusst wahrnimmt – aber spürt.
Erfahrungsberichte von Orchestermusikern zeichnen ihn als sehr präzise, aber auch leidenschaftlich. Keine kalte Perfektion, sondern kontrolliertes Feuer.
Der Moment des Konzerts
Beim Konzert schließlich bündelt der Dirigent alle Energie im Saal. Er reagiert auf den Raum, auf das Orchester, manchmal auch auf die Stimmung des Publikums. Ein Abend mit Riccardo Chailly klingt nie zweimal gleich – und genau das macht Live-Musik so spannend.
Persönliche Note: Ein Abend mit Chailly – wie fühlt sich das an?
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Großen Saal des Musikvereins oder im KKL Luzern. Das Licht dimmt sich, das Orchester stimmt noch kurz, dann kommt Riccardo Chailly auf die Bühne. Kein großes Theater, aber eine gewisse Aura ist sofort da.
Er hebt den Taktstock – und mit dem ersten Einsatz verändert sich die Luft im Raum. Bei Mahler wird es innerlich oft sehr still, obwohl die Musik riesige Crescendi aufbaut. Bei Verdi oder Puccini dominiert eher das Bauchgefühl: Manchmal ertappt man sich dabei, fast mitzusingen.
Viele Besucher berichten, dass sie nach einem Chailly-Abend das Gefühl haben, das Werk „neu“ gehört zu haben – selbst, wenn sie es schon hundertmal auf CD gehört haben. Genau hier zeigt sich die Kunst eines großen Dirigenten.
Tipps für österreichische Klassikfans: So entdecken Sie Riccardo Chailly
1. Live erleben – wenn möglich
Kein Tonträger ersetzt die Live-Erfahrung. Achten Sie auf:
- Programme vom Lucerne Festival (Sommer und Frühling),
- Spielpläne der Teatro alla Scala,
- Gastspiele der Lucerne Festival Orchestra oder Scala-Orchester in Wien, Salzburg, Linz oder Graz.
2. Aufnahmen für den Einstieg
Chailly hat über Jahrzehnte bei Decca und anderen Labels eine beeindruckende Diskographie aufgebaut. Besonders beliebt sind:
- Sinfonien von Brahms, Mahler und Bruckner,
- Aufnahmen von Mendelssohn und Beethoven,
- Opernproduktionen aus Mailand, teils als DVD oder Streaming erhältlich.
Wer neu in der Klassik ist, kann mit Beethoven oder Brahms beginnen und sich dann Schritt für Schritt in Richtung Mahler oder modernerer Werke vorwagen.
3. Einfach ausprobieren
Man muss kein Experte sein, um Riccardo Chailly zu genießen. Hören Sie einfach hin: Berührt Sie die Musik? Bleiben bestimmte Momente hängen? Dann hat der Maestro seinen Job getan.
Fazit: Riccardo Chailly – ein Maestro auf Augenhöhe mit dem Publikum
Riccardo Chailly ist vieles zugleich: Klangarchitekt, Operndirigent, Festivalchef – und für viele Klassikfans so etwas wie ein vertrautes Gesicht auf der Bühne. Dass er seine Arbeit in Luzern bis 2028 fortsetzt und in Mailand noch bis Ende 2026 am Pult steht, ist eine gute Nachricht für alle, die große Musik in erreichbarer Nähe erleben wollen.
Ob Sie nun in Wien, Graz, Linz, Salzburg oder irgendwo dazwischen wohnen: Ein Abend mit Riccardo Chailly ist immer eine Reise wert – und vielleicht genau der Moment, in dem klassische Musik plötzlich ganz persönlich wird.




































