Nemo sorgt für Wirbel: Vom ESC-Sieg zum Protest
In Österreich redet gerade halb Europa über Nemo. Erst holt der Schweizer Star mit „The Code“ den Sieg beim Eurovision Song Contest 2024, füllt Hallen – und jetzt gibt Nemo den ESC-Pokal zurück. Was steckt dahinter? Und warum betrifft das auch Fans in Österreich?
Wer ist Nemo überhaupt?
Nemo kommt aus Biel in der Schweiz, lebt inzwischen in Berlin und wurde 2024 mit einem Schlag europaweit bekannt. Mit dem Song „The Code“ gewann Nemo den ESC in Malmö – ein Mix aus Pop, Rap, Opern-Vibes und einer starken Botschaft über Identität und Freiheit.
Nemo ist nicht-binär, fühlt sich also weder klar als Frau noch als Mann. Genau darum geht es auch in „The Code“. Der Song erzählt davon, wie es ist, seinen eigenen Platz zu finden – zwischen allen Schubladen, die andere aufmachen.
In Österreich fieberten damals viele mit: Mehr als eine Million Menschen verfolgten das ESC-Finale im ORF, Nemo war auch hier in aller Munde.
ESC, Skandale und große Gefühle
Der Eurovision Song Contest ist in Österreich fast so etwas wie ein Volksfest vor dem Fernseher. Jedes Jahr dieselben Fragen:
- Wer holt die meisten Punkte?
- Wird unser Beitrag durchfallen – oder zum Hit?
- Und: Ist der ESC noch unpolitisch?
Genau diese letzte Frage steht jetzt im Mittelpunkt. Denn der Krieg im Nahen Osten, Proteste gegen die Teilnahme Israels und Boykott-Drohungen von Sendern machen den ESC seit 2024/2025 zum Dauerthema – auch in den österreichischen Medien.
Nemo gibt den ESC-Pokal zurück – was ist passiert?
Jetzt der Paukenschlag: Nemo schickt den ESC-Siegerpokal von 2024 an die Europäische Rundfunkunion (EBU) zurück. Der Grund: die erwartete Teilnahme Israels am ESC 2026 in Wien.
Nemo wirft dem Wettbewerb vor, als Imagepolitur für Staaten zu dienen, denen von internationalen Gremien schwere Verbrechen vorgeworfen werden. Auf Social Media erklärt Nemo, dass die Werte des ESC – Einheit, Inklusion, Würde – nicht nur auf der Bühne gelten sollten, sondern auch bei den Entscheidungen im Hintergrund.
Oder anders gesagt: Wenn man auf der Bühne Vielfalt feiert, aber politische Realitäten ignoriert, verliert für Nemo der Preis seinen Wert. Darum der konsequente Schritt: Pokal zurück, Statement raus.
Reaktionen in Europa – und was das für Wien bedeutet
Nemos Aktion bleibt nicht ohne Folgen. Mehrere TV-Sender in Europa – etwa aus Spanien, den Niederlanden, Irland, Slowenien und Island – haben bereits angekündigt, den ESC 2026 in Wien zu boykottieren.
Für Österreich bedeutet das: Der Traum vom großen, unbeschwerten ESC-Heimspiel wird komplizierter. Einerseits freut man sich, dass der Contest nach dem Sieg von JJ 2025 in Basel nach Wien kommt. Andererseits droht jetzt ein Contest mit Lücken im Teilnehmerfeld – und einer Dauerdebatte über Politik, Krieg und Verantwortung.
Warum gerade Nemo so polarisiert
Nemo war schon 2024 kein „typischer“ ESC-Act. Kein glattgebügelter Popstar, sondern jemand, der offen über Identität, Geschlecht und psychische Themen spricht. Genau das macht Nemo für viele Fans in Österreich so spannend – und für andere anstrengend.
Ein paar Punkte, die Nemo besonders machen:
- Mut zur Andersartigkeit: Nicht-binär, extravagant, musikalisch zwischen Rap, Pop und Kunst.
- Starke Bühnenshow: Rotierender Podest, dramatische Gesten, Opern-Höhen – das bleibt hängen.
- Klare Haltung: Ob LGBTQIA+, Krieg oder Gerechtigkeit – Nemo hält selten den Mund.
Manche lieben genau das: Endlich jemand, der nicht nur performt, sondern auch Position bezieht. Andere sagen: „Der ESC soll Unterhaltung sein, keine politische Bühne.“
Österreich und Nemo: Vom ESC bis zur Bühne in Wien
Zwischen all den Schlagzeilen darf man eines nicht vergessen: Für Fans in Österreich ist Nemo nicht nur ein Gesicht aus den Nachrichten, sondern auch ein Live-Act auf heimischen Bühnen.
Tour-Stopp in Wien
Mit der „Break The Code“-Tour kam Nemo 2025 nach Österreich, unter anderem nach Wien. Viele, die damals dabei waren, erzählen heute noch davon: Die Mischung aus Theater, Club-Feeling und intimen Momenten war etwas anderes als das typische Popkonzert.
Wer sich über kommende Termine informieren will, wird auf Nemos offizieller Seite fündig: nemothings.com.
Debütalbum „Arthouse“
Musikalisch hat Nemo nach dem ESC-Sieg noch einmal nachgelegt. Mit dem Debütalbum „Arthouse“ zeigt Nemo, dass hinter „The Code“ kein One-Hit-Wonder steckt. Das Album bewegt sich zwischen:
- Rave-Beats im 90er-Jahre-Stil
- Glam-Pop mit Anleihen an Bowie und Prince
- ruhigeren, sehr emotionalen Stücken
Natürlich ist auch „The Code“ dabei, ebenso spätere ESC-Songs wie „Unexplainable“. Wenn du den ESC-Auftritt mochtest, lohnt es sich, das Album einmal ganz in Ruhe durchzuhören – ohne Jury, ohne Voting, nur du und die Musik.
Was hat Österreichs JJ damit zu tun?
Spannend ist auch: Nicht nur Nemo, sondern auch Österreichs ESC-Star JJ (Johannes Pietsch) hat sich gegen die Teilnahme Israels beim Contest ausgesprochen. Nach seinem Sieg 2025 in Basel wünschte sich JJ einen ESC in Wien – ohne Israel.
Damit zeigt sich: Die Debatte geht quer durch die ESC-Welt. Es sind nicht nur Fans oder Aktivisten, die protestieren, sondern auch jene, die ganz vorne auf der Bühne stehen.
Ist der ESC noch der ESC, den wir lieben?
Vielleicht fragst du dich: „Warum soll ich mir das alles antun? Ich will doch nur einen gemütlichen ESC-Abend mit Freunden, Snacks und ein bisschen Kitsch.“
Genau da liegt das Dilemma. Der ESC war immer mehr als nur Musik. Schon früher ging es um:
- Politische Botschaften zwischen den Zeilen
- Statements für Frieden und Zusammenhalt
- Regenbogenfahnen, Diversity, laut gelebte Freiheit
Viele sagen: Gerade deshalb ist es wichtig, unangenehme Themen nicht auszublenden. Andere meinen: Wenn alles politisch wird, geht der Spaß verloren.
Dass Nemo den Pokal zurückgibt, zwingt uns alle, diese Fragen neu zu stellen – auch hier in Österreich, wo der ESC-Pokal 2025 durch JJ und der Contest 2026 in Wien große nationale Themen sind.
Wie man als Fan in Österreich damit umgehen kann
Vielleicht fühlst du dich zwischen den Fronten. Auf der einen Seite bist du Fan von Nemo oder JJ, auf der anderen Seite willst du nicht jeden Abend nach den Nachrichten noch politisch diskutieren.
Hier ein paar Gedanken, die helfen können:
- Informier dich, aber überfordere dich nicht. Lies ein paar Artikel, schau dir Nemos Statement an, aber schalte auch einmal ab, wenn es zu viel wird.
- Diskutiere im kleinen Kreis. Am Stammtisch, in der WG oder mit der Familie. Oft versteht man erst im Gespräch, was man selbst eigentlich denkt.
- Trenne Mensch, Musik und Event – wenn du willst. Du kannst Nemos Musik lieben, ohne jede politische Forderung zu teilen. Und du kannst den ESC schauen, obwohl dir manches Bauchweh macht.
Ich erinnere mich noch an ein ESC-Finale mit Freunden in Wien: Chips, Bier, Fähnchen – und plötzlich hitzige Diskussionen wegen eines politischen Beitrags. Am Ende des Abends waren wir uns in einem Punkt einig: Gerade weil uns der ESC wichtig ist, reden wir so emotional darüber.
Was bleibt von Nemo – Held, Nervensäge oder einfach Künstler?
Ob man Nemo nun feiert oder den Kopf schüttelt: Gleichgültig lässt diese Person kaum jemanden. Und das ist vielleicht die eigentliche Kunst.
Nemo steht heute für:
- Mut zur Sichtbarkeit als nicht-binäre Person
- künstlerisches Risiko jenseits von ESC-Einheitsbrei
- klare politische Haltung, auch wenn es unbequem wird
In ein paar Jahren werden wir uns vielleicht an vieles erinnern: an die rotierende ESC-Bühne, an den Ohrwurm „The Code“, an volle Hallen in Wien – und an den Moment, in dem ein ESC-Sieger den eigenen Pokal zurückgeschickt hat, weil ihm seine Werte wichtiger waren als eine glitzernde Trophäe.
Fazit: Warum Nemo für Österreich spannend bleibt
Nemo ist für Österreich längst mehr als „nur“ der Schweizer ESC-Sieger von 2024. Die Musik läuft im Radio, die Tour machte Halt in Wien, das Album „Arthouse“ landet in heimischen Playlists – und die Diskussion um den Pokal-Rückgabe-Protest trifft ein Land, das mit JJ selbst ganz vorne im ESC-Rampenlicht steht.
Ob du auf Nemos Seite bist oder nicht: Wenn du den nächsten ESC-Abend in Wien oder vorm Fernseher planst, wird der Name Nemo sicher wieder fallen. Und vielleicht stellst du dir dann die Frage:
Was ist mir beim ESC wichtiger – die Show oder die Haltung dahinter?
Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Aber genau deshalb lohnt es sich, hinzuschauen, hinzuhören – und vielleicht auch mal mitzusingen.




































